Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Ein Tag mit #3 – Michael Hüttel

Ein Tag mit #3 – Michael Hüttel

Wie entsteht eigentlich ein Fahrplan der S-Bahn Hamburg? Die Antwort darauf gibt uns Michael Hüttel! Als Leiter der Angebotsplanung kümmert er sich nicht nur um das Jahresfahrplanangebot, Bau- und Sonderfahrpläne, sondern entwickelt und koordiniert auch (Zukunfts-) Projekte für das S-Bahn-Streckennetz in Hamburg.

Wenn der 46-jährige von seiner Arbeit spricht, wirkt er ruhig und gelassen – und steckt dabei voller Begeisterung für seinen Beruf.

Die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen bestellen die im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) täglich verkehrenden rund 1.200 Zugfahrten bei der S-Bahn in festen Verträgen. Diese laufen derzeit bis 2018; ein neuer Verkehrsvertrag für alle Leistungen wurde jedoch bereits für die Periode 2018 bis 2033 abgeschlossen.

Ein Tag mit #3 – Michael Hüttel

Aus diesen Bestellungen entsteht dann der Jahresfahrplan, wie ihn die Kunden kennen. „Natürlich könnten wir auch weitere Züge fahren lassen, aber bei diesen gäbe es keine Kostendeckung“, erklärt Hüttel. Denn Abo-, Proficards oder Einzelfahrkarten decken nur einen Teil der Betriebskosten. Für jede Leistung, die bei der S-Bahn Hamburg bestellt wird, bekommt diese daher ein sogenanntes Bestellerentgelt von den Ländern, um alle anfallenden Kosten auch zu decken.

"Wir werden an der Pünktlichkeit gemessen – von Kunden und den Ländern."
Michael Hüttel, Leiter Angebotsplanung.

Natürlich muss die Beförderungsqualität der Züge stimmen. Diese wird an Vorgaben gemessen, die in den Verkehrsverträgen geregelt sind. Demnach müssen im Berufsverkehr abhängig vom eingesetzten Fahrzeug rund 50 Prozent aller Fahrgäste kurz vor der Innenstadt noch einen Sitzplatz finden können. Außerhalb des Berufsverkehrs müssen es zwischen 80 und 100 Prozent sein.

„Wir kontrollieren das mit sogenannten Zählzügen, die regelmäßig durchs Netz fahren und mit Hilfe einer doppelten Lichtschranke prüfen, wie viele Menschen in die Bahn ein- und aussteigen“, erklärt Hüttel den Prüfvorgang.

Ein Tag mit #3 – Michael Hüttel

Danach werden die Quartalswerte des vergangenen Jahres angeschaut, um zu überprüfen, wie sich die Beförderungsqualitäten der einzelnen Zugfahrten entwickelt haben und ob Bedarf besteht, bei einzelnen Zügen die Wagenanzahl zu verändern. Dabei hat Michael Hüttel auch stets den Überblick, wo in Hamburg und Umgebung durch neue Wohn- und Gewerbegebiete eventuell die Mobilität gewachsen sein könnte. Dementsprechend gibt er dann den weiteren Unternehmensbereichen vor, welche Länge – drei, sechs oder neun Wagen – die einzelnen Zugfahrten mindestens haben müssen.

Zusätzlich beantragen der Angebotsplaner und seine Mitarbeiter bei der DB Netz AG die notwendigen Zugtrassen und anschließend bei DB Station&Service die dazugehörigen Zughalte. Am Ende des Fahrplanprozesses steht dann die wichtige Information der Kunden: Lieferung der fertigen Fahrplantabellen an den HVV und das Europäische Fahrplanzentrum für Online-Auskunft, Fahrplanbücher und -aushänge.

"Der Kunde steigt ein, wir kümmern uns um den Rest."
Michael Hüttel über seinen verantwortungsvollen Job.

Michael Hüttel muss dabei stets vorausschauend arbeiten. „Für den Fahrplan 2017 haben wir im Frühjahr 2016 begonnen, die Fahr- und Haltezeiten zu überprüfen“, beschreibt Hüttel seine Aufgabe. Dabei ging es auch darum, ob die S-Bahn an einzelnen Stellen, wo Züge nicht so pünktlich fahren wie gewünscht, nachjustieren kann oder muss. Dazu kamen besondere fahrplantechnische Herausforderungen: Im Juni 2017 beginnen die Bauarbeiten für die neue Station an den Elbbrücken. Aus diesem Grund steht zwischen Hammerbrook und Veddel zwischen 20 und 5 Uhr und an Sonntagen ganztägig nur ein Gleis zur Verfügung. Daher müssen die Züge rechtzeitig aufeinander abgestimmt und Wartezeiten eingeplant werden.

Ein Tag mit #3 – Michael Hüttel

„Wir werden an Pünktlichkeit gemessen ­– von den Kunden und den Ländern“, weiß Hüttel. Daher hat das Einhalten von Fahrzeiten höchste Priorität. Und sein Job ist es, einen Fahrplan zu entwickeln, mit dem dies gelingt. Dafür bedarf es vieler Abstimmungen und eines klaren Kopfes, denn er muss stets den Überblick behalten.

Die Arbeit von den Angebotsplanern hört mit dem Jahresfahrplan nicht auf. Stehen zum Beispiel Konzerte und andere Veranstaltungen im S-Bahn-Umfeld an, kümmern sie sich um die Organisation von Sonderzügen. Auch für Charteranfragen sind sie Ansprechpartner. Zudem machen sie Vorgaben für den Zugverkehr bei Baustellen und bestellen den Schienenersatzverkehr.

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Aber nicht nur die Angebotsplanung gehört zu den Aufgaben von Michael Hüttel. „Mein Job ist sehr vielseitig.“ Das Flügelkonzept für die Verbindung zum Flughafen hat er mit entwickelt. Da die S-Bahn für die gefahrenen Kilometer bezahlt wird, war der ursprüngliche Plan, eine eigene Linie zum Flughafen, einfach zu teuer für die Stadt. Durch ein „Teilen“ des Zuges in Ohlsdorf gestalten sich die Betriebskosten für die Bahnverbindung zum Flughafen heute übersichtlich. Michael Hüttel ist aber auch für diverse andere Projekte zuständig. Das Thema S4 (S-Bahn nach Ahrensburg und Bad Oldesloe) begleitet ihn zum Beispiel bereits seit 2000. Was damals als Werbung für ein in der Schublade liegendes Projekt aus dem Unternehmen S-Bahn Hamburg heraus begann, gehört inzwischen zum Verkehrsprogramm der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und befindet sich in fortgesetzten Planungen. Eine Umsetzung in den kommenden Jahren in die Realität ist in Reichweite. Die Finanzierung steht aber noch aus. Die größte Herausforderung seines Arbeitsalltags? „Immer optimistisch zu bleiben – egal, wie lange sich ein Projekt hinziehen kann.“

Michael Hüttel ist also Leiter eines Arbeitsfeldes, das viel Verantwortung im S-Bahn-Netz trägt. Dessen ist er sich auch bewusst: „Der Kunde steigt ein, wir kümmern uns um den Rest“, so der gebürtige Hamburger am Ende des Gesprächs.

Wo fährst du lieber hin?

Michael Hüttel

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Altona oder Hauptbahnhof
Alster oder Elbe
Reeperbahn oder Schanze
Landungs- oder Elbbrücken
Altonaer Theater oder Knust