Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

50 Jahre nach dem Erstflug: Frankreichs legendärster Marine-Kampfjet ist noch im Einsatz – dieses Land hält eisern am Kult-Jet fest

19. Januar 2026

Ein Veteran zwischen Legende und Gegenwart

Vor fünfzig Jahren hob der französische Super Étendard erstmals in den Himmel. Seitdem prägte er die Marinefliegerei mit salziger Patina, robustem Stahl und viel Handarbeit. Heute hält vor allem Argentinien an diesem Flugzeug fest, als wäre es ein letztes Band zu einer anderen Epoche.

Die Maschine steht für eine maritime Kultur, die auf Disziplin, Improvisation und Zähigkeit beruht. Sie flog Einsätze über kühlen Atlantikswellen, kämpfte in staubigen Wüsten und kehrte immer wieder heim auf den Träger. In einer Welt aus vernetzten Sensoren und leisen Drohnen bleibt sie ein raues, aber ehrliches Werkzeug.

Geboren in einer anderen Zeit

Als der Prototyp 1974 bei Dassault seinen Erstflug absolvierte, begann die digitale Revolution gerade erst. Keine Touchscreens, keine Link-16-Netzwerke, nur Schalter, Kabel und das Ohr des Piloten. Trotzdem wurde der Super Étendard schnell ein Pfeiler der französischen Deckfliegerkräfte.

Seine Zelle, aus dem Étendard IV weiterentwickelt, setzte auf Solidität statt auf radikale Innovation. Auf den Trägern Clemenceau und später Charles de Gaulle bewies er Seetüchtigkeit und harte Ausdauer. Doch die Konstruktionsentscheidungen jener Jahre wirken heute altbacken, auch wenn die Maschine noch zieht.

Das analoge Herz im digitalen Zeitalter

Im Cockpit dominiert die Welt der Uhren und Nadeln, nicht die des Codes. Piloten steuern dieses Flugzeug mit Gefühl, Reflex und Körpergedächtnis, nicht mit Assistenten. Der Radar Anémone liefert brauchbare Bilder, doch gegen moderne Bedrohungen ist er zu kurzsichtig.

Was fehlt, sind Datenfusion, Link-16 und eine tief integrierte Selbstschutzarchitektur. Der Jet ist nicht taub, aber er hört zu spät und spricht zu leise in der vernetzten Gefechtsführung. In der Luft bleibt er damit ein Solist, während andere längst im Orchester spielen.

Leistung, Reichweite und Auftrag

Der Super Étendard ist unterschall-schnell, gebaut für tiefe Anflüge und präzise Schläge. Im Dogfight war er nie ein Liebling, doch am Ziel war er bissig und verlässlich. Seine Mission: anfliegen, treffen, verschwinden.

Reichweite und Nutzlast zwingen zu Kompromissen, besonders mit schweren Einsätzen über See. Zusatztanks verlängern den Atem, verkürzen aber die Zähne der Bewaffnung. Moderne Gegner fordern mehr Tempo, mehr Sensorik und mehr Reichweite.

Teure Treue: Wartung und Logistik

In den Werften ist der Super Étendard wie ein Diesel alter Schule: robust, aber pflegeintensiv. Ersatzteile werden rar, das Wissen der Spezialisten dünnt aus, und Dokumentation braucht geduldige Hände. Manchmal dient ein stillgelegter Jet als Teileträger, damit ein anderer weiter fliegen kann.

Diese Realität kostet Geld und Nerven, gerade bei kleinen Flotten. Jede Flugstunde wird zum Projekt, jeder Einsatz zur logistischen Gleichung. Doch der Respekt vor dem Veteranen bleibt, selbst wenn die Zahlen dagegen sprechen.

Warum Argentinien festhält

Argentinien hält den Super Étendard weiterhin im Bestand und investiert in die Reaktivierung. Dahinter stehen Budgetsorgen, Embargos und die Suche nach Übergangslösungen. Für manche Aufgaben genügt ein bewährter Streckenläufer, wenn man seine Grenzen kennt.

  • Erprobte Plattform mit klaren Prozessen und trainierten Crews
  • Verfügbare Luft-Boden- und Seezielfähigkeit mit Exocet-Tradition
  • Geringe Beschaffungskosten im Vergleich zu Neubauten
  • Symbolische Bedeutung für Maritime und nationale Identität

L’Argentine aurait accepté d’acheter 8 chasseurs Dassault-Breguet Super Étendard remis à neuf à la France

Stimmen aus dem Cockpit

"Er roch nach Kerosin, Blech und Salz – und wenn du ihn gerade geführt hast, roch er ein bisschen nach Mut." Diese Worte eines ehemaligen Deckpiloten fassen eine Ära zusammen. Zwischen Startkatapult und Fangleine lernte eine Generation, auf sich und die Maschine zu vertrauen.

Solche Sätze sind mehr als Nostalgie, sie sind technisches Gedächtnis. Sie erinnern daran, dass fliegerische Fähigkeit nicht nur aus Software, sondern aus Handwerk entsteht. Der Super Étendard war gelebte Seemannschaft – in der Luft.

Vermächtnis und Ausblick

Als Frankreich den Typ 2016 offiziell ausmusterte, schloss sich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte. Die Plattform lebt weiter als Lehrmeister, Ersatzteillager und Identitätsanker einer Generation. Wo er noch fliegt oder im Bestand steht, trägt er eine deutliche Botschaft.

Sie lautet: Technik ist mehr als Leistungstabellen, sie ist gelebte Praxis und Kultur. Wer an ihr festhält, klammert sich nicht nur an Gestern, sondern überbrückt zum Morgen. Bis neue Muster einsatzbereit sind, bleibt dieser alte Mariner ein hartnäckiger, manchmal unbequemer, aber ehrlicher Gefährte.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.