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Mit 33 hielt er Rückenschmerzen für Jobstress – dann die schlimmstmögliche Diagnose: Krebs im Stadium IV

24. Januar 2026

Als die ersten starken Rückenschmerzen auftauchten, hielt Stephen Lea sie für normale Überlastung. Er war 33, ein erfahrener Dachdecker, der seinen Körper kannte und sich nichts dabei dachte. Nach Feierabend legte er sich flach auf den Boden, zehn Minuten, dann ging es meist wieder weiter. Niemand ahnte, dass sich hinter diesen Symptomen ein Krebs im Stadium 4 verbarg, der sein Leben auf den Kopf stellen würde.

Erste Anzeichen und Fehldeutung

Im Herbst 2023 wurden die Schmerzen heftiger, und trotzdem blieb die Erklärung zunächst einfach. Er arbeitete mit schweren Materialien, trug Leitern, hob Ziegel und kämpfte mit dem britischen Wetter. Hausärzte tippten auf verspannte Muskeln und verordneten Ruhe, Wärme und Schmerzmittel.

Doch die Beschwerden wurden penetrant, sie krochen in die Nächte und nahmen ihm den Schlaf. Er suchte erneut ärztlichen Rat, diesmal hartnäckiger und mit wachsender Sorge. Was als „berufstypische“ Überlastung begann, entpuppte sich als hartnäckige, unklare Schmerzursache.

Die Diagnose

Im Januar 2024 brachte ein MRT erstmals Klarheit – und doch keine echte Erleichterung. Die Bilder zeigten ein Non-Hodgkin-Lymphom im fortgeschrittenen Stadium 4, eine Erkrankung des Immunsystems. Stephen saß stundenlang im Krankenhaus, wartete auf Resultate und spürte die Zeit wie Blei.

„Ich dachte, es sei nur Abnutzung durch die Arbeit“, sagte er leise, „aber dann wurden die Schmerzen so stark, dass ich mich kaum noch bewegen konnte.“ Er blieb stationär, bekam sofort Infusionen und hochdosierte Kortikoide. Von einem Tag auf den nächsten wurde aus Alltag Ausnahmezustand, aus Gewohnheit Ungewissheit.

Therapien und Rückschläge

Es folgten mehrere Zyklen Chemotherapie, später auch Strahlentherapie. Hinzu kamen Immuntherapie und schließlich eine Form der Zelltherapie. Zwischen den Behandlungen schwankte Stephen zwischen Hoffnung und Erschöpfung, getragen von Familie, Freunden und seiner Partnerin.

Phasenweise schien eine Remission in Reichweite, dann zeigten Kontrollscans erneute Aktivität. „Man sagte mir, es gebe keinen verlässlichen Zeithorizont“, berichtet er, „weil man die Dynamik des Krebses nicht genau abschätzen konnte.“ Jeder nächste Schritt wurde zu einer Mischung aus Taktik und Geduld, jeder Tag zu einem eigenen Meilenstein.

Was ist ein Non-Hodgkin-Lymphom?

Non-Hodgkin-Lymphome sind Krebserkrankungen des Lymphsystems, das eng mit unserer Immunabwehr verbunden ist. Sie können in verschiedenen Organen auftreten, oft in Lymphknoten, aber auch in Knochen, Leber oder Milz. Fachquellen schätzen zehntausende Neuerkrankungen pro Jahr in Europa, mit einem Anstieg ab dem höheren Lebensalter.

Dabei zeigt sich die Krankheit sehr unterschiedlich: Manche Verläufe sind langsam und schleichend, andere aggressiv und rasch. Entscheidend sind die präzise Diagnostik und ein individuell angepasster Therapieplan. Je früher auffällige Symptome abgeklärt werden, desto besser die Optionen.

Warnsignale ernst nehmen

Viele Hinweise wirken zunächst banal, besonders bei körperlich aktiven Berufen. Doch einige Zeichen sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden:

  • Persistierende, ungeklärte Rückenschmerzen über Wochen hinaus, trotz Schonung
  • Nächtliche Schweißausbrüche ohne erkennbaren Grund
  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust und anhaltende Müdigkeit
  • Schwellungen von Lymphknoten am Hals, in den Achseln oder in der Leiste
  • Wiederkehrende Infektionen oder das Gefühl, ungewöhnlich rasch anfällig zu sein

Diese Liste ersetzt keine Diagnose, doch sie kann ein Anlass sein, früher eine Abklärung zu suchen. Wer seinen Körper kennt, bemerkt häufig subtile Veränderungen zuerst.

Leben im Ungewissen

Mit der Zeit lernte Stephen, jeden Tag radikal gegenwärtig zu nehmen. Er plante kleine Rituale, kurze Spaziergänge, Besuche bei Freunden, gute Tage auszukosten. Je weniger sicher der Horizont, desto wertvoller die Stunden.

„Ich will die Ärzte Lügen strafen und im Oktober immer noch da sein“, sagt er, mit diesem eigensinnigen Mut, der ihn seit Monaten trägt. „Ich weiß nicht, ob mein Ende schmerzhaft wird, aber ich will, dass der Wille länger hält als die Angst.“ In solchen Sätzen liegt eine stille Entschlossenheit, die schwerer wiegt als jede Prognose.

Seine Geschichte erinnert daran, wie schnell Gewissheiten kippen können und wie wichtig Achtsamkeit für Warnsignale ist. Wer Schmerz nur als Alltagslast abtut, riskiert, entscheidende Zeit zu verlieren. Und doch erzählt sie auch von Zähigkeit, von Liebe und von dem menschlichen Drang, jeden möglichen Tag zu gewinnen.

Am Ende bleibt ein Bild von Klarheit im Angesicht des Unkalkulierbaren und von Würde inmitten medizinischer Kämpfe. Es ist die leise Lehre, die Stephen für sich gefunden hat: auf den Körper hören, um Hilfe bitten, und das Wesentliche nicht auf morgen zu verschieben.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.