Viele Menschen greifen bei Gastroenteritis reflexhaft zu Cola – ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Der französische Arzt Dr. Jimmy Mohamed warnt jedoch, dass dieses Ritual mehr schadet als nützt. Statt Linderung drohen Austrocknung und eine verlängerte Erkrankung.
Warum Cola bei Magen-Darm-Infekten problematisch ist
Cola enthält viel Zucker und kaum Elektrolyte, die der Körper in der Akutphase dringend braucht. Die hohe Zuckerlast zieht Wasser in den Darm und kann die Durchfälle dadurch verstärken. Außerdem liefert Cola Koffein, das einen leichten diuretischen Effekt haben kann.
Wer bereits Flüssigkeit durch Erbrechen und Durchfall verliert, riskiert mit Cola eine noch stärkere Dehydrierung. Auch entgaste Cola bleibt ein Getränk mit falscher Zusammensetzung für eine Rehydrierung. Für den geschwächten Körper zählt das richtige Verhältnis von Wasser und Salzen – nicht süße Limonade.
Bessere Optionen für eine sichere Rehydrierung
Ziel ist eine gezielte Flüssigkeitszufuhr mit passenden Mineralien. Bewährt hat sich eine einfache Trinklösung, die sich zu Hause schnell anmischen lässt. Das richtige Verhältnis aus Glukose und Natrium erleichtert die Aufnahme von Wasser im Darm.
- 1 Liter Wasser, 6 Teelöffel Zucker, 1 Teelöffel Salz gut verrühren
- In kleinen Schlücken alle 10–15 Minuten trinken
- Bei Bedarf alternativ Apfelsaft im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnen
- Reisschleim oder Reiswasser vorsichtig in kleinen Portionen zuführen
- Zusätzlich auf leichte Kost setzen: Zwieback, Banane, klare Brühe
Auch das klassische Reiswasser kann den gereizten Darm beruhigen. Der enthaltene Stärkeanteil bindet Flüssigkeit und wirkt sanft stabilisierend. Wichtig ist ein langsames Vorgehen: Häufige kleine Mengen sind besser verträglich als große Gläser.
Medikamente mit Augenmaß einsetzen
Dr. Jimmy Mohamed betont, dass Medikamente sinnvoll, aber nicht beliebig sind. Diosmectit (z. B. Smecta) kann Stuhl andicken, ist jedoch für Kinder unter zwei Jahren nicht geeignet. Loperamid (z. B. Imodium) bremst die Peristaltik, was in manchen Fällen zu stark sein und Nebenwirkungen begünstigen kann.
Eine Option ist Racecadotril (z. B. Tiorfan), das die Wasserresorption fördert und das Risiko der Dehydrierung senken kann. Dennoch gilt: Die Auswahl sollte zur individuellen Situation passen, insbesondere bei Kindern, Schwangeren oder älteren Menschen. Bei Unsicherheit ist ärztlicher Rat sinnvoll und oft notwendig.
Was bei starkem Erbrechen helfen kann
Wenn sich das Erbrechen hartnäckig hält, ist der Magen häufig leer und der Körper braucht schnell verfügbare Glukose. Kleine Mengen Zucker – etwa als Lutscher oder ein Stück Traubenzucker – können besser toleriert werden als große Getränkemengen. Hier gilt das Prinzip der kleinen Schritte und regelmäßiger Pausen.
„Man sollte kein Coca‑Cola trinken, sondern besser kleine Mengen Zucker in Abständen zuführen“, betont Dr. Mohamed. Auch stark gesüßte Limonaden bleiben wegen der Osmose-Effekte kontraproduktiv.
Warnzeichen erkennen und rechtzeitig handeln
Alarmsignale sind anhaltende Schwäche, fehlender Urin, trockene Schleimhäute und Schwindel beim Aufstehen. Bei hohem Fieber, blutigen Stühlen, starken Bauchschmerzen oder Anzeichen deutlicher Austrocknung ist ärztliche Abklärung dringend. Für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und sehr alte Menschen gilt eine besonders niedrige Schwelle zur Vorstellung.
Entscheidend ist eine konsequente Rehydrierung und angepasste Ernährung, nicht der Griff zu süßer Kohlensäure. Kurzfristige Besserung durch Koffein oder Zucker ist trügerisch und kann die Genesung verzögern. Wer die richtigen Maßnahmen kennt, verkürzt die Krankheitsdauer und schützt sich vor Komplikationen.
Am Ende steht eine klare Botschaft: Bei Magen-Darm-Beschwerden zählt die richtige Strategie, nicht altbekannte Mythen. Mit durchdachter Flüssigkeitszufuhr, passenden Elektrolyten und maßvollem Medikamenteneinsatz liegt man auf der sicheren Seite.