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80 Prozent der spanischen Äpfel enthalten gleichzeitig Rückstände mehrerer giftiger Pestizide

22. Februar 2026

Eine von PAN Europe über 13 Länder koordinierte Studie hat ergeben, dass 85 % der konventionell angebauten Äpfel, die getestet wurden, mehrere Pestizide gleichzeitig enthielten. In Spanien liegt die Zahl bei 80 %. Die kombinierten Wirkungen dieser Substanzen sind bisher noch nicht offiziell bewertet worden.

Sie gehören zu den am häufigsten konsumierten Obstsorten in Spanien und in ganz Europa, und ihr gesundes Image hat selten zu großem Verdacht geführt. Dennoch präsentiert ein in dieser Woche von Pesticide Action Network Europe veröffentlichter Bericht, der in Zusammenarbeit mit 13 Partnerorganisationen auf dem Kontinent entstanden ist, einige unbequeme Zahlen: 80 % der in Spanien getesteten Äpfel enthielten Rückstände mehrerer giftiger Pestizide gleichzeitig. Der europäische Durchschnitt liegt sogar noch höher, bei 85 %.

Die Zahl basiert auf 59 Proben lokal erzeugter Äpfel, die im September 2025 in Supermärkten und auf Märkten gesammelt wurden. Im Durchschnitt enthielt jeder Apfel drei verschiedene Pestizide, wobei einige Proben Spuren von bis zu sieben zeigten. Das ist kein isoliertes Problem: In acht der dreizehn untersuchten Länder — darunter Deutschland, Polen, die Niederlande und Kroatien — enthielt jede einzelne Probe mehrere Pestizidrückstände.

Am anderen Ende der Skala verzeichnete Dänemark die niedrigste Kontaminationsrate, nur 20 % der Äpfel waren betroffen, gefolgt von Belgien mit 50 %. Spanien, Frankreich und Italien liegen in der Mitte, jeweils bei 80 %.

Unter den identifizierten Substanzen hebt die Studie zwei Gruppen besonders besorgniserregend hervor. Neurotoxische Pestizide wurden in 36 % der Proben nachgewiesen, während PFAS — Per- und polyfluorierte Substanzen — in 64 % der analysierten Äpfel vorkamen.

Fludioxonil, das 2024 von der EU als endokriner Disruptor eingestuft wurde, wurde in fast 40 % des Obstes nachgewiesen. Das Fungizid Captan, das als möglicher Karzinogen gilt, war in 61 % der Proben vorhanden. Acetamiprid, ein Insektizid, das von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) seit 2013 als neurotoxisch eingestuft wird, wurde in rund 20 % der Äpfel gefunden und ist dafür bekannt, die Plazentaschranke zu passieren.

Eine zwei Jahrzehnte währende regulatorische Lücke

Das Problem, so der Bericht, liegt nicht nur darin, was auf Äpfeln gefunden wird, sondern auch darin, was die Regulierungsbehörden zu messen versäumen. Die europäische Gesetzgebung verlangt seit mehr als 20 Jahren die Bewertung der kombinierten Auswirkungen von Pestiziden — der sogenannten „Cocktail-Effekt“ —. Doch die EFSA hat bislang noch keine offizielle Methodik hierfür entwickelt.

Vorhandene Studien bewerten jede Substanz isoliert, was den Autoren zufolge einen erheblichen Blinden Fleck verursacht: Die kombinierten Wirkungen mehrerer Chemikalien können deutlich größer sein als die Wirkungen jeder einzelnen Substanz.

Nach dem Bericht enthielten 71 % der kontaminierten Äpfel Substanzen, die von der EU selbst als „hochtoxisch“ eingestuft werden und die prinzipiell aus dem Handel genommen werden sollten. In einigen Fällen hat ihre Präsenz in europäischen Lebensmitteln in den letzten Jahren eher zugenommen als abgenommen. Die Autoren weisen darauf hin, dass Apfelbäume bis zu 30 Mal pro Jahr mit Pestiziden behandelt werden können.

Die Ergebnisse werfen insbesondere für gefährdete Gruppen Bedenken auf. Wären die analysierten Äpfel als verarbeitetes Baby-Nahrungsmittel vermarktet worden, hätten 93 % die EU-Standards nicht erfüllt, die einen Höchstgehalt von 0,01 Milligramm pro Kilogramm für Kinder unter drei Jahren festlegen.

In einigen Proben lagen die Rückstandsverhältnisse bis zu 600-mal über dieser Schwelle. Schwangere Frauen gelten ebenfalls als gefährdet, da mehrere der identifizierten Substanzen die fetale neurologische Entwicklung beeinträchtigen können.

Was kann angesichts der EU-Pläne getan werden

Als Gegenmaßnahme empfiehlt die spanische NGO Hogar sin Tóxicos, die zum Bericht beigetragen hat, die Priorisierung lokal erzeugter Bio-Äpfel, die ohne synthetische Pestizide angebaut werden. In Deutschland werden bereits rund 15 % der Apfelproduktion biologisch erzeugt, was zeigt, dass Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft realisierbar sind.

Politisch gesehen ist der Ausblick jedoch weniger beruhigend. Die Autoren warnen, dass die Europäische Kommission derzeit einen Omnibus-Vorschlag zur Lebensmittelsicherheit prüft, der in seiner jetzigen Form sowohl den Schutz der öffentlichen Gesundheit als auch der Umwelt schwächen könnte.

Martin Dermine, der geschäftsführende Direktor von PAN Europe, war eindeutig: „Wenn EU- und nationale Regulierungsbehörden das Gesetz ordnungsgemäß umsetzen würden, wären eine Reihe von auf Äpfeln nachgewiesenen Pestiziden längst verboten worden. Wie Acetamiprid, das für Fötenhirn schädlich ist, oder Difenoconazol, ein endokriner Disruptor und neurotoxisch. Stattdessen schlägt die EU vor, den Gesundheitsschutz mit ihrem Omnibus-Vorschlag zu Lebensmitteln und Futtermitteln zu schwächen. Unser Bericht macht deutlich, dass eine gründlichere Regulierung nötig ist, nicht weniger.“

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.