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Schock-Grenzwert: Diese Zahl verändert Ihr Schlaganfallrisiko drastisch

2. März 2026

Warum die Mundgesundheit das Gehirn schützt

Eine scheinbar banale Gewohnheit kann das Schlaganfallrisiko deutlich verändern. Forschende der University of South Carolina verknüpfen regelmäßige Zahnseide-Nutzung mit einem niedrigeren kardiovaskulären Risiko. Der Effekt betrifft sowohl ischämische Schlaganfälle als auch Vorhofflimmern.

Zahn- und Zahnfleisch-Erkrankungen sind nicht nur lokal problematisch. Bakterien und Toxine aus kariösen Läsionen oder entzündetem Zahnfleisch gelangen in die Blutbahn. Dadurch steigt die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und potenziell das Risiko für vaskuläre Ereignisse.

Neue Daten aus den USA

Bei der International Stroke Conference 2025 der American Stroke Association wurden zentrale Ergebnisse vorgestellt. Dr. Souvik Sen, Leiter der Neurologie in South Carolina, betonte die globale Dimension. „Mundkrankheiten betreffen 3,5 Milliarden Menschen weltweit und sind damit eines der verbreitetsten Gesundheitsprobleme“, sagte er.

In einer über 25 Jahre laufenden Kohortenstudie wurden mehr als 6.000 Teilnehmende beobachtet. Über 400 Personen erlitten einen Schlaganfall, fast 1.300 entwickelten Vorhofflimmern. Die Analyse fokussierte auf Alltags-Gewohnheiten der Mundhygiene.

Eine sorgfältige Mundhygiene könnte ein Schlüsselelement der kardiovaskulären Prävention sein, wahrscheinlich durch die Begrenzung der bakteriellen Ausbreitung aus der Mundhöhle. © Jacob Lund, Adobe Stock

Der „Schwellen“-Effekt von Zahnseide

Besonders auffällig war der Schwellen-Befund: Schon mindestens einmal pro Woche Zahnseide zu nutzen, korrelierte mit einem deutlich niedrigeren Risiko. Für ischämische Schlaganfälle zeigte sich eine Reduktion um rund 22 Prozent. Beim Vorhofflimmern lag die Risikosenkung bei etwa 12 Prozent.

Der Effekt war gegenüber Zähneputzen oder alleinigen Zahnarztbesuchen besonders ausgeprägt. Zahnseide erreicht die Interdentalräume, in die die Bürste nur unzureichend gelangt. Dort bildet sich Plaque, die Entzündung und Keimlast antreibt.

Wie Entzündung Gefäße verändert

Chronische orale Entzündung aktiviert systemische Immunprozesse. Zytokine fördern Endothelschäden und stören die feine Gefäß-Regulation. Zudem können mikrobielle Fragmente Gerinnungskaskaden verstärken und arterielle Plaques destabilisieren.

Diese Kaskade begünstigt Thromben, die Hirnarterien verlegen können. Parallel kann eine dauerhafte Entzündung das elektrische Gleichgewicht der Vorhöfe stören. So entsteht ein Milieu, in dem Vorhofflimmern leichter auftritt.

Was Sie konkret tun können

  • Mindestens einmal pro Woche Zahnseide verwenden, besser an mehreren Tagen.
  • Zweimal täglich Zähne putzen, fluoridhaltige Zahnpasta nutzen.
  • Interdentalbürsten bei engen oder größeren Zwischenräumen ergänzen.
  • Alle sechs Monate zum Zahnarzt gehen, Parodontitis früh erkennen.
  • Auf Tabak verzichten und Zucker-Snacks begrenzen, um Plaque zu reduzieren.
  • Bei Zahnfleischbluten frühzeitig abklären, statt abzuwarten oder zu zögern.

Ein Platz in den „Life’s Essential 8“?

Die Autorinnen und Autoren sehen in guter Mundpflege einen Baustein der Prävention. Denkbar ist die Ergänzung der „Life’s Essential 8“ um Mund-Gewohnheiten. Heute zählen Ernährung, Bewegung, Nikotin-Exposition, Schlaf, BMI, Blutdruck, Glukose und Blutfette dazu.

Wer die Zahnzwischenräume sauber hält, senkt die orale Keimlast. Das kann systemische Entzündung dämpfen und die Gefäßgesundheit stützen. Prävention beginnt im Alltag – oft mit sehr kleinen, aber konsequenten Schritten.

Studiendesign und Grenzen

Wichtig: Es handelt sich um eine Beobachtungs-Studie mit Assoziationen, nicht um eine Kausal-Beweisführung. Menschen mit guter Mundhygiene pflegen oft insgesamt gesundere Lebensstile. Solche Faktoren lassen sich nur begrenzt vollständig kontrollieren.

Dennoch stützen sich die Befunde auf langes Follow-up und viele Ereignisse. Die Dosis-Wirkungs-Logik und biologische Plausibilität sprechen zusätzlich für einen echten Nutzen. Künftige Interventions-Studien könnten die Kausalität präzisieren.

Fazit für den Alltag

Regelmäßige Zahnseide-Nutzung ist ein einfacher, preiswerter Hebel. Schon ein bis zwei Minuten pro Woche können einen relevanten Unterschied machen. Wer empfindliches Zahnfleisch hat, kann mit gewachster Zahnseide oder Interdental-bürsten starten.

„Kleine Gewohnheiten summieren sich zu großen Effekten“ – das gilt besonders für die Gefäße. Mundgesundheit ist Herz– und Hirngesundheit zugleich. Wer heute beginnt, investiert in ein stärkeres Morgen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.