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Kann Europa sich von Visa und Mastercard lösen? EU-Abgeordnete verzögern den digitalen Euro

28. Februar 2026

EU-Abgeordnete hadern damit, eine Position zum vom EZB gestützten digitalen Euro zu finden, während Berlin Fortschritte forciert und Kritiker warnen, dass das Vorhaben zurückgeschnitten wird.

Der digitale Euro sieht sich im Europäischen Parlament erneut Verzögerungen gegenüber, nachdem der führende Berichterstatter des Projekts, der spanische Abgeordnete Fernando Navarrete Rojas von der Europäischen Volkspartei (EVP), eine Minderheitenallianz mit rechtsextremen Gruppen gebildet hat — wodurch Schattenberichterstatter nicht mehr in der Lage sind, eine tragfähige Mehrheit hinter dem Entwurf zu sichern.

Der neueste Kompromisstext, den Euronews eingesehen hat, würde zudem den Umfang des Projekts in einer Weise einschränken, die dem Kernplan der Kommission widerspricht.

Brüssel hatte eine digitale Form von Bargeld vorgeschlagen, die sowohl online als auch offline verwendet werden könnte. Navarrete hingegen setzt sich für ein offline-only Modell ein.

Als Berichterstatter ist Navarrete dafür verantwortlich, den Gesetzestext zu lenken und über Verhandlungen mit Schattenberichterstattern eine Einigung zwischen den politischen Gruppen herbeizuführen — ein Prozess, der darauf abzielt, eine im Parlament von einer Mehrheit unterstützte Position zu erzielen.

Das Europäische Parlament hat bereits breite Unterstützung für einen digitalen Euro signalisiert.

Am 10. Februar nahmen die Abgeordneten den Jahresbericht der Europäischen Zentralbank an und unterstützten zwei Änderungsanträge zum digitalen Euro, wobei die Gegenstimmen vor allem von einigen Abgeordneten der politischen Mitte und von Abgeordneten der rechtsextremen Parteien kamen.

Die EVP ist in der Sache gespalten. Die deutsche Delegation steht dem Vorhaben stark positiv gegenüber, unter dem Druck aus Berlin. Mitte Februar erklärte der Vizekanzler Lars Klingbeil gegenüber Journalisten, dass jene, die dem digitalen Euro ablehnend gegenüberstehen, Europa schade.

Zwei mit den Verhandlungen vertraute Quellen sagten Euronews, dass die von Navarrete im neuesten Kompromisstext vorgelegten Änderungsanträge für die Gruppen, die den Plan der Kommission unterstützen, untragbar seien und das Gesetzgebungsverfahren in einer Blockade festhalten würden.

Euronews bat den Hauptberichterstatter Navarrete um Stellungnahme, hatte zum Veröffentlichungszeitpunkt aber keine Rückmeldung erhalten.

Die Pattsituation trat am Donnerstag erneut in einer Sitzung zutage, als die Abgeordneten versuchten, Differenzen nach einer hitzigen Debatte zu überbrücken, und erklärten: „Der Text geht nirgendwohin“.

Eine weitere Sitzung ist für den 10. März angesetzt, doch Quellen rechnen damit, dass eine ursprünglich für Mai geplante Abstimmung sich verzögern wird.

Die EU-Staaten haben ihre Position bereits im Rat festgelegt. Ohne ein Mandat des Parlaments kann die Gesetzgebung nicht in die nächste Phase übergehen.

Was ist der digitale Euro?

Der digitale Euro hat politisch an Bedeutung gewonnen, da die wirtschaftlichen Spannungen zwischen der EU und den USA die Debatte über Europas Abhängigkeit von amerikanischen Zahlungsriesen verschärfen.

Visa und Mastercard, beide in den USA ansässig, bilden einen Großteil der täglichen Kartenzahlungen in Europa ab. ECB-Daten für 2025 zeigen, dass die beiden Netzwerke 61% der Kartenzahlungen in der EU ausmachen und nahezu alle grenzüberschreitenden Kartenzahlungen abdecken.

Das Projekt würde eine elektronische Bargeldform schaffen, herausgegeben von der Europäischen Zentralbank, die neben Banknoten und den von Geschäftsbanken angebotenen Zahlungsdiensten stehen soll.

Unterstützer argumentieren, dass es den Bürgern direkten Zugang zu digitalem „öffentlichem“ Geld ermöglichen würde — etwas, das derzeit weitgehend nur in Form von Bargeld existiert.

Nach dem Vorschlag der Kommission hätten Nutzer eine digitale Geldbörse für Online- und Offline-Zahlungen, wobei Transaktionen so gestaltet würden, dass sie nicht verfolgt werden könnten.

Kritiker sagen, dass der jüngste Kompromisstext im Parlament riskieren könnte, wesentliche Teile dieser Vision zu entfernen.

„Dieser erste Eindruck eines Kompromisses von Herrn Navarrete scheint bedauerlicherweise kaum Aufschluss über eine tatsächliche Richtungsänderung beim digitalen Euro zu geben“, sagte Laura Casonato, Leiterin der Politik bei Positive Money Europe, gegenüber Euronews.

Casonato sagte, der Entwurf enthalte einige begrüßenswerte Elemente, darunter Formulierungen, die anerkennen, dass der digitale Euro „ein souveränes und sicheres digitales Zahlungsmittel sein sollte, das den öffentlichen Zugang zu Zentralbankgeld schützt“ neben klareren Bestimmungen zu Datenschutz und Datensicherheit.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.