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Der Mithras-Kult: Archäologen finden Hinweise auf eine geheimnisvolle, nur Männern vorbehaltene Religion in Deutschland

4. März 2026

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Deutsche Archäologen haben neue Einblicke in Bavariens römische Vergangenheit aus einem antiken vergrabenen Tempel gewonnen, in dem römische Legionäre einst den Sonnengott Mithras verehrten.

Bei jüngsten Ausgrabungen in der Regensburger Altstadt entdeckten deutsche Archäologen einen dem Gott Mithras gewidmeten Tempel.

Da das Gebäude ursprünglich aus Holz errichtet war, sind nur wenige Baureste erhalten geblieben. Funde wie ein mit Inschrift versehener Votivstein und Fragmente metallischer Votivplaketten deuten jedoch eindeutig auf seine Nutzung als Ort der Verehrung hin.

Weitere Belege für den noch rätselhaften Mithras-Kult umfassen Bruchstücke eines keramischen Gefäßes, das mit Schlangen verziert war, Räucherschalen und Henkelkrüge. Experten gehen davon aus, dass rituelle Festmahle ein wesentlicher Bestandteil des Mithras-Kults waren.

Münzen, darunter Exemplare aus der Regierungszeit des Kaisers Hadrian (AD 117–138), ermöglichen eine Datierung des Tempels auf einen Zeitraum von etwa AD 80 bis 171. Damit ist er das älteste der bisher neun bekannten Mithräen in der römischen Provinz Raetia, in dem, was heute Bayern ist.

Raetia, eine römische Provinz Mitteleuropas, die grob vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. existierte, umfasste Teile dessen, was heute Süddeutschland, die Schweiz, Österreich und Norditalien ist.

Der Mithras-Kult, auch Mithraismus genannt, war eine rätselhafte Religion. Er war besonders in militärischen und wirtschaftlichen Zentren weit verbreitet, und römische Legionäre gehörten oft zu seinen Anhängern. Nur Männer wurden aufgenommen. Eine örtliche Gemeinschaft bestand typischerweise aus etwa 15 bis 40 Mitgliedern.

Im alten Persien hieß Mithras „Mitra“ und war ein Gott der Abmachungen, Loyalität und Gerechtigkeit. Die Römer machten ihn zu einem Sonnengott. Der römische Mithras-Kult übernahm viele Elemente aus der persischen Mythologie, entwickelte aber auch eigene grundlegende Rituale und Symbole. Das Motiv der Tauroctonie (vom Lateinischen taurus, Stier) wurde zentral: Mithras tötet den Stier als Akt kosmischer Erneuerung.

Die Römer verfügten über ein gestuftes Initiationssystem, das uns sieben Stufen bekannt ist: Corax (Rabe), Nymphus (Bräutigam), Miles (Soldat), Leo (Löwe), Perses (Perser), Heliodromus (Sonnenläufer) und Pater (Vater), jede mit eigenen Symbolen, Ritualen und vermutlich Tests oder Bewährungsproben.

Mit der Ausbreitung des Christentums verschwand der geheime Kult.

Erst jetzt wird die Bedeutung der Entdeckung deutlich

Die Funde wurden im Vorfeld eines Bauvorhabens gemacht. In Städten mit langer Geschichte wie Regensburg müssen Archäologen frühzeitig hinzugezogen werden, bevor neue Gebäude errichtet werden können. Die Spezialisten hatten die Entdeckung tatsächlich schon im Jahr 2023 gemacht, doch erst jetzt, nach intensiven Untersuchungen, ist ihre volle Bedeutung klar geworden.

Wie andere Mithras-Tempel war dieses ungefähr sieben Meter lange Holzkonstrukt als langgestreckter Baukörper gestaltet und teilweise in den Boden versenkt. Die Anhänger des Mysterienkults stiegen vermutlich über eine Rampe in das Heiligtum hinab.


Fragment of a votive stone with inscription; the text can no longer be deciphered.


In der Mitte befand sich eine grabenähnliche Vertiefung, während an den Seiten erhöhte Plattformen gebaut waren, auf denen die Gläubigen sitzen oder sich hinlegen konnten. Mithras-Tempel wurden in ihrer Gestaltung an Höhlen angelehnt, da eines der zentralen Motive der Mythologie ist, dass Mithras in einer Höhle den Stier tötet, erklärte Stefan Reuter dem Bayerischen Rundfunk B, nachdem er die Funde analysiert hatte.

Der Tempel wurde einst von Kerzen und Öllichtern erleuchtet. Die gefundenen Keramikgefäße und Henkelkrüge deuten darauf hin, dass umfangreiche rituelle Festmahle stattfanden. Die Auswertung der Speisebehälter läuft noch. Es scheint bereits sicher, dass hochwertige Speisen verzehrt wurden.

Die Funde des Tempels sollen im Historischen Museum Regensburg gezeigt werden, das derzeit seine römischen Galerien neu gestaltet. In der neuen Ausstellung wird das Mithras-Heiligtum eine prominente Rolle spielen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.