Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Porsche AGs 4,7-Milliarden-Euro-Wertberichtigung senkt Gewinne um 98 % im Zuge der Abkehr von Elektrofahrzeugen

11. März 2026

Zwei Einmalbelastungen haben den operativen Gewinn der Porsche AG im Jahr 2025 nahezu vollständig vernichtet, ein Zusammenbruch, der die Herausforderungen verdeutlicht, die Europas langfristige Elektromobilitätsstrategie bevorstehen.

Die Porsche AG verzeichnete im Jahr 2025 zwei große außerordentliche Buchhaltungskosten, die rein rechnerisch den operativen Gewinn um 98% reduzierten — von 5,3 Milliarden Euro auf lediglich 90 Millionen Euro, gemäß dem Jahresergebnis des Volkswagen-Konzerns.

Die Belastungen bedeuten nicht, dass Porsche AG dieses Geld im herkömmlichen Sinne verloren hat. Es handelt sich um buchhalterische Posten, die gemäß den üblichen Berichtsregeln erforderlich sind und die Kosten einer bedeutenden Veränderung der Strategie widerspiegeln.

Der erste Posten im Wert von 2,7 Milliarden Euro ist eine Goodwill-Wertminderung. Goodwill ist der dem Porsche-Markenwert, dem künftigen Ertragspotenzial und der Marktposition zugeordnete Wert, wie er in der Bilanz der Volkswagen-Gruppe ausgewiesen wird.

Wenn ein Unternehmen seine langfristigen Gewinnerwartungen nach unten revidiert, verlangen die Buchhaltungsregeln, dass es den Goodwill abschreibt, um den künftig erwarteten Wert niedriger abzubilden.

Es fließt kein Bargeld, und es handelt sich um eine Korrektur einer Zahl in der Bilanz.

Der zweite Posten im Wert von 2,0 Milliarden Euro ist eine Kostenposition für eine Produkt-Neuausrichtung. Die Porsche AG hatte in den kommenden zehn Jahren eine neue rein elektrische Fahrzeugplattform entwickelt.

Sie hat diesen Plan nun aufgegeben und kehrt zurück zu Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybriden.

Warum das wichtig ist?

Die Einstellung eines großen Entwicklungsprogramms, das bereits jahrelange Investitionen verschlungen hat, erfordert, dass Unternehmen diese versunkenen Kosten unmittelbar erkennen, in einer einzigen Belastung, statt sie im Laufe der Zeit stillschweigend abzubauen.

Die Porsche AG war bis vor kurzem das profitabelste Autounternehmen der Welt nach Gewinnspanne — nicht nur innerhalb des Volkswagen-Konzerns, sondern weltweit.

Die operative Marge betrug 2024 14,5 %. Das ist außergewöhnlich hoch für einen Autohersteller. Die meisten Hersteller von Massenfahrzeugen arbeiten mit Margen von 3–6 %.

Diese Profitabilität war der Motor des Volkswagen-Konzerns. VW ist ein weit verzweigtes, komplexes Konglomerat mit vielen unrentablen Marken, wobei Seat, Škoda, Cupra und sogar VW selbst mit nur geringen Margen arbeiten.

Porsche AG und Audi waren die beiden Marken, die den Rest subventionierten. Als Porsches Marge in einem Jahr von 14,5 % auf 0,3 % fiel, verlor der Konzern fast über Nacht sein wichtigstes Profitzentrum.

Das tieferliegende Problem liegt in dem, was es signalisiert. Die Porsche AG setzte stark auf Elektrofahrzeuge, da sie als Prestigemarke für EV galt, die die enorme Elektrifizierungsinvestition des VW-Konzerns rechtfertigen sollte, und diese Wette hat sich nicht ausgezahlt.

Europäische EVs stehen vor Rentabilitätsproblemen

Der Taycan, Porsches Flaggschiff-EV, hat sich deutlich unter den Erwartungen verkauft.

China, das eigentlich als Wachstumsmarkt für luxuriöse Elektrofahrzeuge geplant war, ist stattdessen zu einem Markt geworden, in dem inländische Marken europäischen Marken in Technologie und Preis überlegen sind.

Darüber hinaus haben US-Zölle den US-Markt teurer zu bedienen gemacht.

So kehrt die Porsche AG nun öffentlich den Kurs um — sie verlängert Verbrennungsmotoren, die sie eigentlich auslaufen lassen wollte, und legt EV-Plattformen beiseite, an denen sie jahrelang gearbeitet hatte.

Diese Wende ist kurzfristig teuer, daher die Belastungen.

Doch sie wirft auch eine schwierigere Frage auf: Wenn Porsche AG mit seinen Margen und seiner Markenstärke den Umstieg auf EV nicht schaffen konnte, was bedeutet das für die restliche europäische Automobilindustrie?

Dieser Rückzug hat greifbare Folgen über die Buchführung hinaus.

Selbst ohne Berücksichtigung der Belastungen zeigte das zugrunde liegende Geschäft bereits Anzeichen einer Abbremsung: Die Fahrzeugverkäufe sanken im Vergleich zum Vorjahr um 15%, der Umsatz fiel um 12% auf 32,2 Milliarden Euro.

Der Schaden hat sich bis auf Konzernebene im Volkswagen-Konzern ausgebreitet.

Der Nettogewinn von Volkswagen fiel 2025 um 44% auf 6,9 Milliarden Euro, und der Autohersteller hat Pläne angekündigt, bis 2030 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen.

Die Porsche AG selbst sieht sich mit rund 3.900 Stellenstreichungen konfrontiert, einschließlich Zeitarbeiter.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.