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EU-Parlament: Firewall durchbrochen? EPP soll Berichten zufolge eng mit der AfD zusammengearbeitet haben

16. März 2026

Untersuchungen deuten darauf hin, dass die EVP-Gruppe im Europäischen Parlament enger mit rechtsgerichteten Parteien, einschließlich der AfD, bei härteren EU-Migrationsgesetzen kooperierte, wobei ein Gruppenchat und ein Treffen von Abgeordneten eine Schlüsselrolle spielten.

Die CDU- und CSU-Gruppen im Europäischen Parlament scheinen enger mit der AfD und anderen rechtsgerichteten Parteien zusammenzuarbeiten, als bisher bekannt war.

Eine Recherche der dpa-Nachrichtenagentur ergab, dass die EVP in letzter Zeit mit dem rechtsgerichteten Lager in einem Gruppenchat und bei einem persönlichen Treffen von Abgeordneten an einem Gesetzesentwurf zur Verschärfung der Migrationspolitik zusammengearbeitet hat.

Der Gesetzesentwurf war monatelang blockiert

Der zur Verhandlung stehende Gesetzentwurf sicherte kurz nach dem Treffen der Abgeordneten die erforderliche Mehrheit im zuständigen Ausschuss des Europäischen Parlaments.

Neben Mitgliedern der EVP-Gruppe stimmten auch Abgeordnete aus dem rechtsgerichteten Lager dafür, darunter die AfD-Politikerin Mary Khan. Der geplante Gesetzentwurf beabsichtigt, unter anderem, die Abschiebung von Asylsuchenden in sogenannte „Rückkehrzentren“ in Ländern außerhalb der EU zu ermöglichen.

Die Zusammenarbeit kam zustande, nachdem das Gesetzgebungsprojekt monatelang festsaß, wobei EVP, Sozialdemokraten und Liberale keine Einigung erzielen konnten.

Diese drei Partei-Familien bilden normalerweise eine informelle Allianz im Europäischen Parlament, die eine Zusammenarbeit zwischen EVP und Parteien am äußersten Rechts des Spektrums als unnötig ansehen soll.

In diesem Fall scheiterten die Bemühungen, eine Einigung Anfang März zu erzielen, da die Sozialdemokraten das Konzept der „Rückkehrzentren“ in seiner jetzigen Form ablehnten. Eine WhatsApp-Gruppe wurde laut dpa eingerichtet, in der die EVP ihren Vorschlag den rechtsgerichteten Gruppen präsentierte.

Die Gruppe umfasste die konservativen, rechtsgerichteten ECR, Abgeordnete aus dem Lager der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Patriots for Europe (PfE), zu dem Politiker von Marine Le Pens französischer Rassemblement National gehören, sowie die Gruppe Europe of Sovereign Nations (ESN), zu der auch AfD-Abgeordnete gehören.

AfD-Vorschlag: Schutzmaßnahmen gegen Betrug bei Altersangaben

Mitglieder des Gruppen-Chats reagierten auf den Vorschlag mit Änderungswünschen. Nach Informationen der dpa berücksichtigte die EVP auch Vorschläge aus dem Büro der AfD-Politikerin Khan. In der WhatsApp-Gruppe schrieb die EVP beispielsweise: „Wir können das unterstützen“.

Khan setzte sich unter anderem für erweiterte Befugnisse der Behörden bei der Überprüfung des Alters von Asylsuchenden ein. Sie argumentierte, dass medizinische Tests ebenfalls eingesetzt werden sollten, wo immer Zweifel bestehen, um festzustellen, ob Schutzsuchende tatsächlich minderjährig sind.

Kurz nach der Erstellung der WhatsApp-Gruppe trafen sich am 4. März vier Abgeordnete aus ESN, ECR, PfE und EVP persönlich, um den Gesetzesentwurf zu verhandeln. Es waren der französische EVP-Politiker François-Xavier Bellamy, die AfD-Abgeordnete Khan sowie Ehlers von PfE und Weimers von der ECR. Gemeinsam entwarfen sie einen Gesetzentwurf für die bevorstehende Abstimmung.

Nachdem der Deal erreicht war, schrieb jemand in der WhatsApp-Gruppe: „Vielen Dank für diese exzellente Zusammenarbeit“, woraufhin Mitarbeitende der EVP mit dem applaudierenden Emoji reagierten.

Weber beharrt darauf, dass die ‚Firewall‘ auf europäischer Ebene besteht

Zuvor hatte Manfred Weber, Vorsitzender der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) und CSU-{}Vizefraktionschef, wiederholt betont, dass am Europäischen Parlament eine „Firewall“ besteht, und die Bedeutung hervorgehoben, dass es keine Zusammenarbeit mit extrem rechtsgerichteten Parteien gebe.

In einem Gespräch mit der Bild am Samstag bestreite Weber nicht, dass die Chat-Protokolle existieren, wies jedoch jegliche politische Relevanz der AfD zurück: „Die AfD spielt keine Rolle, wenn es um Mehrheiten und Inhalte geht. Als Fraktionsvorsitzender lege ich die Strategie fest. Allerdings kontrolliere ich keine Mitarbeitenden-Chat-Gruppen“.

Die Mehrheit im Ausschuss gilt als Durchbruch für die mögliche Schaffung von EU-Rückkehrzentren. Die vorgeschlagene Rückkehr-Verordnung sieht vor, dass abgewiesene Asylsuchende, die nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden können, in Aufnahmeneinrichtungen außerhalb der EU gebracht werden sollen.

Der Innenminister Deutschlands, Alexander Dobrindt (CSU), unterstützt das Konzept, das darauf abzielt, die Belastung des europäischen Asylsystems zu verringern. Zusammen mit vier weiteren EU-Ländern hat die Bundesregierung eine grobe Roadmap dafür erstellt. Kritiker warnen, dass dies die Grundrechte von Flüchtlingen verletzen könnte.

Die nun bekannt gewordene Zusammenarbeit mit rechtsgerichteten Parteien könnte das Vorhaben offenbar weiter gefährden.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.