Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Ukraine-Krieg: Alarmierende neue Bedrohung für Kampfjets – Igla‑S‑Raketen an russischen Shahed‑Drohnen entdeckt

19. März 2026

Die Entdeckung eines untergehängten Igla‑S an einem russischen Shahed‑136 hat in Kyjiw und bei westlichen Experten die Alarmglocken schrillen lassen. Ein abgeschossener Drohnenkörper in der Region Tschernihiw offenbarte den improvisierten Manpads‑Träger, der das Einsatzprofil der Kamikaze‑Drohne deutlich erweitert. Auch wenn bislang keine verifizierten Abschüsse ukrainischer Jets oder Helikopter durch solche Kombinationen bekannt sind, gilt die Entwicklung als taktisch beunruhigend.

Eine neue Rolle für den Shahed‑136

Berichte lokaler Medien und offener Quellen deuten darauf hin, dass Moskau den Shahed‑136 zur modularen Plattform umbaut. Zuvor waren vereinzelt R‑60‑Raketen erwähnt worden, doch der dokumentierte Einsatz eines Igla‑S markiert einen neuen pragmatischen Schritt. Das Paket macht aus einer billigen Loitering‑Munition ein potenzielles Luft‑Luft‑Risiko für tief fliegende Luftfahrzeuge.

Die Idee ist operativ einleuchtend: Ein massenhaft eingesetzter, relativ leiser Shahed kann als Köder oder Aufklärer dienen – und gleichzeitig eine Wärmesuchrakete mitführen. So entsteht eine asymmetrische Doppelrolle, die Abfangmanöver ukrainischer Jets riskanter und komplexer macht. Besonders in der Nähe der Front, wo F‑16, MiG‑29, Su‑27 oder Mirage 2000 teils niedrig operieren, wird der Luftraum potenziell tückischer.

„Die Entwicklungsrichtung ist klar und beunruhigend“, erklärte der ukrainische Regierungsvertreter Wladyslaw Wlasiuk und sprach von einer gezielten Weiterentwicklung des Drohnen‑als‑Plattform‑Konzepts.

Was der Igla‑S auf einem Drohnenkörper leisten kann

Der Igla‑S, in Russland als 9K338/9K388 geführt und der NATO als SA‑24 Grinch bekannt, ist ein tragbarer Flugabwehrlenkflugkörper. Er wiegt nur etwa 18 Kilogramm, besitzt eine Reichweite bis rund sechs Kilometern und nutzt einen empfindlichen Infrarotsucher. Normalerweise wird er von der Schulter abgefeuert, um Hubschrauber und tief fliegende Jets auf kurze Distanz zu bekämpfen.

Unter einem Shahed‑136 montiert, bringt er mehrere potenzielle Vorteile: Die Drohne kann in einem ausdauernden Patrouillenmuster verharren, Ziele thermisch erfassen und im günstigen Moment abschießen. Der Wärmesucher ist gegen heißere Signaturen – Triebwerksdüsen oder Abgasstrahlen – besonders wirksam. Gleichzeitig bleibt das Gesamtsystem kostengünstig und verbreitbar, ein wichtiger Faktor in der russischen Abnutzungsstrategie.

Technisch bleiben jedoch offene Punkte: Die Frage der Stabilisierung, der Zündlogik, des Zielübergabe‑Prozesses und der sicheren Trennung vom Träger ist nicht trivial. Auch das Zusammenspiel von Drohnen‑Elektronik und Raketen‑Seeker dürfte empfindlich sein, insbesondere bei Störungen und starkem Gegenfeuer.

Taktische Folgen und Gegenmaßnahmen

Für die ukrainische Luftwaffe verändert sich das Risiko‑Kalkül bei Abfangjagden deutlich. Tiefe, langsame Anflüge auf Shahed‑Schwärme könnten gefährlicher werden, wenn jederzeit ein Igla‑S im Schattenspiel der Thermalsignaturen lauert. Das begünstigt höhere Einsatzhöhen, mehr Abstand und verstärkten Einsatz von Bodenluftabwehr, was wiederum Ressourcen bindet.

Zudem werden elektronische Gegenmaßnahmen und Täuschkörper erneut wichtiger. Moderne Jets verfügen über Wärmefallen und Infrarot‑Täuschsysteme, doch ein unerwarteter Start aus der Nähe bleibt kritisch. Für Russland wiederum erhöht die modulare Bestückung den taktischen Nutzen jeder einzelnen Drohne – erst recht in Verbindung mit Schwärmen.

  • Erhöhte Bedrohung für tief fliegende Jets und Helikopter im Frontbereich
  • Größerer Bedarf an IR‑Gegenmaßnahmen, Täuschkörpern und taktischer Disziplin
  • Mehr Wert für russische Schwärme, die Aufklärung, Angriff und Luftabwehr kombinieren
  • Zunehmende Bedeutung von vernetzter Luftlage, schneller Zielzuweisung und SEAD/DEAD

Offene Fragen zur Effektivität

Auffällig ist, dass bisher keine bestätigten Abschüsse ukrainischer Kampfflugzeuge durch Shahed‑Manpads‑Kombinationen vorliegen. Das kann an der noch begrenzten Erprobung liegen, an technischen Kinderkrankheiten oder an vorsichtigen Einsatzprofilen. Entscheidend wird sein, ob die Russen eine robuste Zielsuchlogik etablieren, Startparameter stabilisieren und die Sensorik gegen Störungen härten können.

Hinzu kommt der Faktor Identifikation: Ein Wärmesucher unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind, weshalb die Einbindung in ein vernetztes Luftlagebild und klar definierte Schusskorridore essenziell sind. Auch Fragen der Wartung, der Raketen‑Kühlung und der sicheren Integration in die Drohnen‑Zelle bleiben offen. Ohne verlässliche Daten über Trefferquoten und Missionsprofile bleibt die Einordnung vorläufig.

Gleichwohl sprechen Experten von einer „glaubwürdigen Bedrohung“ für F‑16, MiG‑29, Su‑27 und Mirage 2000, sobald diese in IR‑gefährdeten Flughüllen operieren. Selbst wenn die Effektivität zunächst begrenzt ist, zwingt die neue Konfiguration die Gegenseite zu Vorsicht, Anpassung und potenziell teureren Abwehrmaßnahmen.

[Bild: „Krieg gegen die Drohnen: der Laser, der alles verändern soll“ – Dailymotion‑Vorschaubild]

Unterm Strich steht ein weiterer Schritt in der russischen Adaption: billige Träger, kluge Nutzlasten und das Ausreizen jeder asymmetrischen Lücke. Für die Ukraine bedeutet das kein sofortiges Umkippen der Lufthoheit, aber einen messbaren Anstieg operativer Unsicherheit. Je nachdem, wie schnell Integration, Taktik und Gegenmaßnahmen auf beiden Seiten nachziehen, könnte aus einer improvisierten Lösung ein dauerhafter Faktor im umkämpften Luftraum werden.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.