Nach dem neuen Gesetz müssen deutsche Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren eine Genehmigung für längere Auslandsaufenthalte einholen. Die Verpflichtung ist nicht neu, doch Kritiker sagen, sie hätte klarer kommuniziert werden müssen.
Deutsche Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren müssen vor Verlassen des Landes für mehr als drei Monate eine Genehmigung der Bundeswehr erhalten, gemäß einem Gesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, bestätigte das Verteidigungsministerium am Samstag.
Die Anforderung ist Teil des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes, das eine zuvor auf Spannungs- oder Verteidigungszustände beschränkte Einschränkung auch auf Friedenszeiten ausweitet.
Das Ministerium sagte, dass die Genehmigung automatisch erteilt werde, solange der Wehrdienst freiwillig bleibe.
„In einem Notfall müssen wir wissen, wer potenziell länger im Ausland bleiben wird“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber deutschen Medien.
Was hat sich geändert?
Das Gesetz betrifft schätzungsweise 20 Millionen deutsche Männer und gilt für Auslandsaufenthalte zu Studien-, Arbeits- oder Reisezwecken, die länger als drei Monate dauern. Das Ministerium hat die Auswirkung als „tiefgreifend“ anerkannt und sagte, es werde detaillierte Ausnahmeregelungen ausarbeiten.
Die Änderung trat ursprünglich mit geringer öffentlicher Beachtung in Kraft, die erst vor wenigen Tagen stark zunahm. Die Frankfurter Rundschau hatte die Vorgabe erstmals am vergangenen Freitag berichtet, mehr als drei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes.
Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, die Genehmigung durch ein Karrierezentrum der Bundeswehr gelte grundsätzlich als erteilt, solange der Wehrdienst freiwillig bleibe, doch die notwendigen Verwaltungsregelungen seien noch nicht in Kraft getreten. Die Folgen für diejenigen, die keine Genehmigung erhalten, blieben unklar.
Das Gesetz modernisiert eine ähnliche Regelung von 1986, die nur während deklarierter militärischer Bedrohungen galt. Die neue Fassung erweitert die Dreimonatsgrenze auf normale Umstände, indem sie § 3 Absatz 2 des Wehrpflichtgesetzes ändert.
„Außerhalb eines Spannungs- oder Verteidigungszustands gilt § 3“, heißt es im revidierten Gesetz, wodurch die Genehmigungspflicht dauerhaft wird statt auf Notfälle beschränkt.
Deutschland will das Personal der Bundeswehr von rund 184.000 auf zwischen 255.000 und 270.000 bis 2035 erhöhen. Das Wehrdienstmodell sieht eine obligatorische Registrierung für junge Männer vor, obwohl der Dienst selbst freiwillig bleibt.
Alle Jugendlichen, die 2008 oder später geboren wurden, erhalten Fragebögen, mit denen ihre Eignung und Bereitschaft zum Dienst geprüft wird. Das Ausfüllen des Formulars ist für Männer obligatorisch und für Frauen freiwillig.
Kritiker kritisieren mangelnde Klarheit
Oppositionspolitiker von beiden Seiten des politischen Spektrums kritisierten den Mangel an öffentlicher Information über die Vorgabe.
Sara Nanni, sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, forderte eine „schnelle Klarstellung durch das Ministerium“ und erklärte, die Bürger hätten ein Recht, ihre Meldepflichten zu kennen.
Nicole Gohlke, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, nannte die Regel „ein Skandal, der zeigt, dass Autoritarismus und Militarisierung Hand in Hand gehen.“
Rüdiger Lucassen von der AfD sagte, die Regierung solle „eine pragmatische Lösung ohne enorme Verwaltungsbelastung und unnötige Bevormundung junger Männer ausarbeiten.“
Analog Regelungen gibt es in anderen europäischen Ländern. In Finnland, Norwegen und Österreich müssen Wehrpflichtige erreichbar bleiben und Auslandsaufenthalte melden, jedoch ohne die ausdrückliche Genehmigungspflicht wie in Deutschland.
Griechenland verhängt strengere Regeln und sieht rechtliche Folgen für dauerhafte Auslandsaufenthalte ohne geklärten Militärstatus vor.
In der Schweiz müssen Männer, die einen Wegzug ins Ausland planen, Meldung erstatten, und ihre Pflichten können angepasst, aufgeschoben oder durch Ersatzdienste ersetzt werden.
Der Bundestag hat das Wehrdienstmodernisierungsgesetz am 5. Dezember 2025 verabschiedet, und der Bundesrat billigte es am 19. Dezember.
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat laut Der Spiegel zuvor angekündigt, in diesem Jahr 20.000 Freiwillige rekrutieren zu wollen. Im Jahr 2025 rekrutierte die Bundeswehr 12.286 Freiwillige, etwa 16 Prozent mehr als im Vorjahr.