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Spionage, Sabotage, Angriffe: Der BND warnt die Verteidigungsindustrie.

19. April 2026

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Im März soll das Bundesamt für Verfassungsschutz die Verteidigungsindustrie darauf kontaktiert haben, strengere Sicherheitsstandards zu fordern.

Mitte März kam außerdem ans Licht, dass ein deutscher Drohnenhersteller Opfer mutmaßlicher Spionage geworden war, was zur Festnahme von zwei mutmaßlichen Spionen führte, die angeblich geheime Informationen an Russland weitergegeben haben sollen. Die Generalbundesanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor, Informationen über das Unternehmen sowohl vor Ort als auch online im Auftrag des russischen Geheimdienstes gesammelt zu haben.

In einem weiteren Fall Ende März wurde ein ukrainischer Staatsbürger festgenommen, dem ebenfalls Spionageaktivitäten vorgeworfen werden. Die Generalbundesanwaltschaft beschuldigte ihn, im Auftrag der russischen Geheimdienste Informationen über einen ehemaligen Kämpfer in der Ukraine gesammelt zu haben. Die Spionageoperation könnte laut Anwälten auch dazu dient haben, weitere Geheimdienstoperationen gegen das Ziel in Deutschland vorzubereiten.

Im Januar wurde ein Unternehmer aus Nürnberg festgenommen, dem vorgeworfen wird, Russland jahrelang Technologien für Unterwasser-Spionage geliefert zu haben. Die Technologie stammte ursprünglich aus Deutschland, wurde jedoch über ein internationales Netzwerk von Unternehmen aus ganz Europa nach Russland weitergeleitet.

Und das sind keine Einzelfälle. Laut einem vertraulichen Bericht des Bundeskriminalamts wurden im Jahr 2025 insgesamt 321 mutmaßliche Sabotagefälle registriert, wie die regionalen Rundfunkanstalten NDR und WDR berichten, die Zugang zu dem Dokument haben. Sabotage soll besonders häufig in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aufgetreten sein.

The entrance of the headquarters of the German domestic intelligence service in Cologne, 30 November, 2016

The entrance of the headquarters of the German domestic intelligence service in Cologne, 30 November, 2016


Wachsende Zahl von Verteidigungskooperationen

Die Verteidigungsindustrie wächst, und immer mehr Industrieunternehmen, wie zum Beispiel Rheinmetall, verlagern Teile ihrer Produktion oder positionieren sich neu. So wird beispielsweise das Werk Pierburg in Berlin, das bislang Autoteile herstellte, künftig Munition für Artillerie herstellen.

Das Verteidigungsunternehmen Quantum Systems erweitert seine Produktion und hat sich auf mindestens drei neue Joint Ventures bzw. projektbezogene Kooperationen mit anderen Unternehmen festgelegt, wie das in München ansässige Scale-up mitgeteilt hat.

„Quantum Systems ist und bleibt ein führender Akteur der deutsch-ukrainischen Industriekooperation“, erklärt Matthias Lehna, Geschäftsführer von Quantum Frontline Industries (QFI). Das Unternehmen stellt Drohnen für die ukrainischen Streitkräfte her, und 10.000 Einheiten sollen geliefert werden, wobei die erste Lieferung Ende März in das Land gelangen soll.

„Unser Joint Venture QFI zeigt, dass Produktionskapazitäten in Deutschland innerhalb weniger Wochen aufgebaut werden können und operationale Systeme zuverlässig in die Ukraine geliefert werden können“, fährt Lehna fort. „Wir sind überzeugt, dass diese Form der Zusammenarbeit eine zentrale Grundlage für Europas künftige Verteidigungsfähigkeiten bildet.“

Details zu mindestens zwei weiteren Joint Ventures mit Quantum Systems sollen noch folgen. Die Lage ist jedoch im Allgemeinen eindeutig. Denn die Verteidigungsindustrie war in letzter Zeit zunehmend Ziel von Spionage- und Sabotageangriffen. Dem Bericht zufolge hat das Bundesamt für Verfassungsschutz im März mehrere Unternehmen vor derartigen Vorfällen gewarnt, und es wurde auch eine nationale Strategie zum wirtschaftlichen Schutz verabschiedet.

Warnung an Neueinsteiger in der Sicherheitsbranche

Die Bedrohung ist zwar nicht neu, wird aber zunehmend akut, und Deutschlands Nachrichtendienste legen besonderen Wert darauf, Neueinsteiger in der Branche zu warnen.

„Autoritäre Staaten setzen zunehmend hybride Mittel ein — von Spionage, Cyberangriffen und Sabotage bis hin zu Desinformation und illegalem Wissensabfluss — gezielt gegen unsere Wirtschaft, Forschungsinstitutionen und kritische Infrastrukturen“, erklärte Sinan Selen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV).

„Angesichts der verschärften internationalen Sicherheitslage müssen wir die Sicherheitsarchitektur in Deutschland konsequent härter ausbauen“, sagte er auf der Sicherheitskonferenz am 19. März.

Die Verteidigungsindustrie boomt und der Verteidigungssektor expandiert rasch, mit einer bemerkenswerten Nebenwirkung: Viele Neueinsteiger in der Branche werden von Sicherheitsbehörden vor potenziellen Bedrohungen gewarnt.

A soldier prepares to pilot an SR-X4 drone during a static display as part of NATO led military exercises at a military base near Bergen, 19 February, 2026

A soldier prepares to pilot an SR-X4 drone during a static display as part of NATO led military exercises at a military base near Bergen, 19 February, 2026


Nach Angaben des BfV sensibilisiert es derzeit die Wirtschaft für Spionage- und Sabotageversuche sowie „bestimmte Unternehmen zu bestimmten Anlässen“, aber auch Forschungseinrichtungen und Bildungseinrichtungen, so das Wirtschaftsmagazin Capital.

Dem Bericht zufolge gebe es Hinweise auf Selbstschutzmaßnahmen und Spionageoperationen seien besonders wahrscheinlich, insbesondere im Umfeld von Start-ups, die sich in der Verteidigungsindustrie etablieren.

Die Bedrohungslage umfasst nicht mehr nur Drohnenüberflüge; seit 2022 gewinnen Sabotage und Spionage ebenfalls zunehmend an Bedeutung. Laut Informationen des Magazins Capital haben sich Bedrohungen durch Russland in den letzten drei Jahren besonders deutlich erhöht. Gewaltakte können ebenfalls nicht mehr ausgeschlossen werden. Dies betrifft insbesondere Regionen mit einer starken industriellen Basis.

Nationale Wirtschaftsschutzstrategie

Selen sagt, Resilienz sei das zentrale Prinzip: „Der Staat, die Politik und die Wirtschaft müssen zusammenarbeiten, um Strukturen zu schaffen, die Angriffen standhalten und schnelle Reaktionen ermöglichen.“

Dies umfasst das im Januar verabschiedete KRITIS-Gesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur sowie die Einrichtung eines gemeinsamen Verteidigungszentrums. Laut Selen befindet sich auch das Bundesamt für Verfassungsschutz selbst in einem Transformationsprozess. Ziel sei es, Bedrohungen künftig frühzeitig zu erkennen, Angriffe zu vereiteln und Unternehmen wirksam zu unterstützen.

Das Bundeskabinett hat Mitte März ebenfalls eine nationale Wirtschaftsschutzstrategie verabschiedet. Sie „bietet einen klaren Rahmen für die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in strukturierter Form und erhöht nachhaltig die Resilienz Deutschlands als Wirtschaftsstandort“, sagt Selen. „Gemeinsam wollen wir sicherstellen, dass Deutschland auf hybride Bedrohungen vorbereitet ist – sowohl national als auch international.“

A convoy of the German Armed Forces with multiple vehicles on the road in Hamburg, 25 September, 2025

A convoy of the German Armed Forces with multiple vehicles on the road in Hamburg, 25 September, 2025


Die Strategie umfasst drei Kernziele: die weitere Entwicklung der Rahmenbedingungen für Unternehmen und das Dienstleistungsportfolio der Sicherheitsbehörden, die kollektive Erhöhung der Resilienz durch Zusammenarbeit zwischen Staat und privaten Akteuren sowie die individuelle Erhöhung der Resilienz in Wirtschaft und Wissenschaft.

Hybridangriffe „richten sich zunehmend direkt gegen Unternehmen. Das bedeutet, dass die Wirtschaft heute mehr denn je als zentraler Bestandteil der gesamten nationalen Sicherheitsarchitektur betrachtet werden muss“, warnt Johannes Strümpfel, Präsident des VSW-Bundesverbands.

„Wirtschaftliche Verteidigung ist ein strategischer Standortfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität. Unsere Aufgabe ist es, die Abwehrkräfte der deutschen Wirtschaft gemeinsam mit Politikern, den Sicherheitsbehörden und unseren regionalen sowie landesweiten Verbänden weiter zu stärken“, fuhr Strümpfel fort.

Der Verein Sicherheit in der Wirtschaft organisiert in den kommenden Tagen zusammen mit den Behörden des Bundesamtes für Verfassungsschutz und dem Bundesnachrichtendienst den 21. Deutschen IT-Sicherheitskongress.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.