Die Deutsche Telekom besitzt bereits mehr als 53 % von T-Mobile US. Jetzt will sie den Rest — in einer Transaktion, die zur größten Unternehmensfusion der Geschichte werden könnte.
Der deutsche Telekom-Riese prüft eine vollständige Verschmelzung mit seinem US-Tochterunternehmen in einem Schritt, der die weltweite Telekommunikationsbranche neu gestalten und potenziell jeden M&A-Deal, der jemals abgeschlossen wurde, in den Schatten stellen könnte.
Die Deutsche Telekom prüft eine vollständige Fusion mit T-Mobile US, wie von deutschen Medien im Inland weitgehend berichtet und zuvor erstmals von Bloomberg veröffentlicht, in einem Deal, der den weltweit wertvollsten Mobilfunkbetreiber schaffen und die Zukunft des europäischen Technologie-Champion neu definieren könnte.
Der Deutsche Konzern hält bereits etwas mehr als 53 % von T-Mobile US und ist damit der dominierende Anteilseigner des US-Konzerns.
Nun prüfen gemäß mit der Angelegenheit vertrauter Personen Berichte die Gründung einer neuen Holdinggesellschaft, die für beide Unternehmen ein All-Share-Angebot abgeben und zwei börsennotierte Giganten in eine einzige transatlantische Einheit verschmelzen würde, die sowohl in den USA als auch in Europa notiert wäre.
Die kombinierte Gruppe könnte mit bis zu 400 Mrd. USD (360 Mrd. EUR) bewertet werden, und damit die Vodafone-Mannesmann-Verbindung übertreffen, die 1999 angekündigt wurde — derzeit das größte öffentlich bekannt gewordene M&A-Deal der Geschichte, laut Daten der London Stock Exchange Group.
Das würde es nicht nur zu einer Telekommunikationsgeschichte machen, sondern zu einem Meilenstein in der Unternehmensgeschichte.
Ein Kronjuwel der deutschen Industrie
Die Deutsche Telekom ist kein gewöhnliches Unternehmen in Deutschland.
Aus der staatseigenen Deutsche Bundespost in den späten 1990er-Jahren ausgegliedert, gehört sie weiterhin zu Europas größten und strategisch bedeutendsten Telekommunikationsgruppen. Die deutsche Regierung und der staatliche Kreditgeber KfW halten zusammen rund 28 % Anteil, was Berlin nicht nur zu einem passiven Beobachter, sondern zu einem unverzichtbaren Akteur bei jedem Deal macht.
Jede Transaktion müsste ihre Zustimmung erhalten — und das ist bei weitem nicht garantiert.
Eine vollständige Fusion würde Berlins Beteiligung auf geschätzte 17–18 % verwässern und möglicherweise unter die grob 25 %-Schwelle fallen, die deutsche Behörden historisch als Untergrenze für strategische Unternehmen betrachtet haben. Das könnte sich sowohl politisch als auch finanziell als Problem erweisen.
Die Ironie besteht darin, dass T-Mobile US zum Motor der gesamten Bewertung der Deutschen Telekom geworden ist. Mehr als 70 % des Marktwerts des deutschen Konzerns von rund 135 Mrd. € lassen sich auf die T-Mobile-Beteiligung zurückführen.
In der Praxis sind die in Frankfurt gehandelten Aktien der Deutschen Telekom zunehmend nur noch eine Hülle um ein US-amerikanisches Mobilfunkgeschäft. Eine vollständige Fusion würde diese Realität einfach offiziell machen.
Die Turnaround-Geschichte von T-Mobile
Die Entwicklung von T-Mobile unter deutscher Eigentümerschaft war alles andere als geradlinig.
Die Deutsche Telekom schloss 2000 eine Vereinbarung zum Erwerb von VoiceStream Wireless ab, eine Transaktion, die zunächst mit 50,7 Mrd. USD (46 Mrd. EUR) bewertet wurde; nach dem Abschluss des Deals im folgenden Jahr wurde daraus T-Mobile USA.
Ein Jahrzehnt später verlor das Geschäft Kunden, zog die Gewinne der Gruppe nach unten. Ein Versuch, es an AT&T zu verkaufen, wurde von Regulierungsbehörden blockiert. Stattdessen brachte die Deutsche Telekom T-Mobile durch eine Reverse Merger mit MetroPCS im Jahr 2013 an die Börse und baute danach schrittweise ihre Beteiligung wieder auf.
Seitdem hat sich T-Mobile zum zweitgrößten US-Mobilfunkanbieter entwickelt, mit einem höheren Marktwert als die Deutsche Telekom selbst und macht den Großteil des Gewinns der Gruppe aus.
Es ist kurz gesagt die Erfolgsgeschichte, die die Muttergesellschaft gerettet hat.
Eine Holdinggesellschaft nach irischem Vorbild
Unter einem Szenario — derzeit im Spekulationsstadium aufgrund der Weigerung der Deutsche Telekom, das Deal offiziell zu bestätigen oder Details zu nennen — würde eine neue Holdinggesellschaft ein All-Share-Angebot für beide Unternehmen abgeben, im Eigentum der bestehenden Aktionäre stehen und sowohl in den USA als auch in Europa notieren, analog zu der Struktur, die bei der 2018er Fusion der Industrie-Gas-Unternehmen Linde und Praxair verwendet wurde, wo eine irische Holdinggesellschaft als neutrales Vehikel für eine transatlantische Verknüpfung diente.
Die Holdinggesellschaft würde vermutlich außerhalb Deutschlands gegründet werden, wobei Irland als mögliches Modell gilt. Ob Berlin dem zustimmen würde, ist eine andere Frage.
Regulatorische Hürden voraus
Die Hürden sind erheblich. Jede Kapitalerhöhung würde die Zustimmung von 75 % der Aktionäre der Deutschen Telekom erfordern.
Der US-Kongressabgeordnete Jim Jordan, Vorsitzender des Justizausschusses des Repräsentantenhauses, sagte, die US-Regierung werde jedes Abkommen prüfen. „Ein ausländisches Unternehmen, das T-Mobile übernimmt, wird die Aufmerksamkeit unserer Belegschaft erregen“, sagte er Bloomberg.
Kartellrechtliche Unterlagen, die FCC-Genehmigung und eine mögliche nationale Sicherheitsüberprüfung durch CFIUS stehen alle bevor. Man geht allgemein davon aus, dass die Gespräche sich in einem frühen Stadium befinden und nicht zwingend zu einem Deal führen müssen.
Doch der bloße Umstand, dass sie stattfinden, signalisiert etwas Bedeutendes: Nach 25 Jahren des Käufens, Börsennotierens, beinahe Verkaufs und Wiederaufbaus könnte die Deutsche Telekom nun endlich T-Mobile ganz nach Hause holen.