Die weltweit höchste Windturbine befindet sich derzeit im Bau in Ostdeutschland; sie wird 365 Meter über dem Boden ragen. Damit wird sie höher als der Eiffelturm sein. Dieses technologische Meisterwerk soll in diesem Herbst in Betrieb genommen werden. Hans von der Brelie erhielt Zutritt, um den Standort zu besichtigen.
Smalltown Klettwitz liegt im Herzen der deutschen Lausitz. Dort wurde jahrzehntelang Braunkohle abgebaut. Die Schaufelradbagger haben der Landschaft tiefe Narben hinterlassen.
Aber das Land steht vor einem Wendepunkt: Deutschland geht nun ernsthaft den Ausstieg aus der Kohle in Angriff. Und Klettwitz entwickelt sich zu einem Vorreiter im landesweiten Wettlauf, die Klimakrise nachhaltiger anzugehen.
Solar- und Windkraftanlagen stehen jetzt auf den Halden des ehemaligen Tagebaus, soweit das Auge reicht. Unter ihnen fällt eine Stahlkonstruktion besonders ins Auge – die GICON-Windkraftanlage in Hochlage. Sie befindet sich noch im Bau, überragt aber bereits die benachbarten Giganten-Windturbinen.
Es ist ein großer Tag für das GICON-Team: Europas größter und leistungsstärkster Kran – ein gelbes Monstergerät – hebt einen Turmabschnitt von mehreren Tonnen Gewicht an seinen Platz. Oben, etwa 160 Meter über dem Boden, setzen Kletterer die Bauteile zusammen.
GICON beschäftigt einige der besten Ingenieure Deutschlands. Das Unternehmen wurde von Jochen Großmann gegründet. Warum baut das GICON-Team überhaupt eine so gigantische Struktur? Euronews will es wissen.
Warum so hoch, Professor Großmann?
„Denn der Wind weht stärker und gleichmäßiger, je weiter ich mich von der Erdoberfläche entferne“, erklärt Großmann vor Ort, während ein Team von Hochgebirgskletterern die Stahlstreben hinauf- und hinunterklettert – Spiderman-Stil. „Deshalb werden Windturbinen immer höher, denn dort oben weht so viel Wind, dass sie mehr als das Doppelte der Leistung der hier in der Umgebung stehenden Turbinen erzeugen.“
Großmanns Idee: Zukünftige Windparks sollten zwei Ebenen haben, damit der Wind zweimal ‚geerntet‘ werden kann – einmal unten und einmal oben. „Die Nachrüstung bestehender Windparks mit höheren Windrädern neben regulären Windrädern verschafft uns zwei Ebenen Hochlagen-Windräder und ermöglicht es, die Ausbeute aus derselben Fläche zu verdreifachen“, schätz Großmann.
GICON plant, bis Anfang der 2030er Jahre einhundert Hochlagen-Windturbinen zu errichten, danach soll es in wenigen Jahren auf tausend Anlagen ausgeweitet werden. GICON könnte zu einem weltweiten Akteur werden, „die Chance ist da“, sagt Großmann Euronews.
„Alle Windparks in Deutschland würden das Potenzial für 4.000 zusätzliche Hochlagen-Windturbinen bieten“, betont der GICON-CEO, „und zwar einfach durch Nachrüstung bestehender Windparks. Das ist eine unglaubliche Menge Potenzial. Das gilt auch für afrikanische Länder. Wir haben Anfragen aus Asien erhalten. Die Chinesen fragen danach. Ich denke, hier gibt es enormes internationales Potenzial.“
