Die weltweit erste Laser-Fusionskraftanlage wird in Deutschland errichtet. Auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Biblis erfolgt der Umschwung: Von der Kernspaltung zur Fusionsenergie. Euronews-Reporter Hans von der Brelie erhielt Zugang zum geschützten Gelände.
Der Wettlauf um die Entwicklung der Energiequelle der Zukunft beschleunigt sich. Wer wird gewinnen? Die USA und China? Oder Europa? Das in Darmstadt ansässige deutsche Start-up Focused Energy zielt darauf ab, weltweiter Marktführer beim Bau kommerzieller Laser-Fusionskraftwerke zu werden.
Die Entwicklung der Fusionsenergie steht ganz oben auf der politischen High-Tech-Agenda Deutschlands und der Europäischen Union. Weltweit werden in großer Zahl Fusions-Start-ups gegründet, insbesondere laserbasierte Fusions-Technologie, die enorme Mengen an Risikokapital anzieht. In diesem Frühjahr sammelte Focused Energy alleine 240 Millionen Dollar ein – der bislang größte Betrag, der in der ersten Finanzierungsrunde der globalen Fusionsindustrie aufgebracht wurde.
Nach einer strengen Sicherheitskontrolle öffnen sich die Tore des Kernkraftwerks Biblis für Euronews. Der Standort war früher eines der größten Kernspaltungs-Kraftwerke Deutschlands. Jetzt wird hier die neue Laser-Fusionsanlage errichtet.
Deutschland geht den Ausstieg aus der Kernspaltung ernsthaft an. Über das ganze Land hinweg werden Gebäude dekontaminiert und Kühltürme abgerissen. Die riesigen Reaktordome von Biblis bleiben jedoch erhalten. Doch künftig wird darin Kernfusion stattfinden – statt Kernspaltung. RWE, eines der größten Energieunternehmen Europas und Eigentümer des Standorts, hat 60 Millionen Euro in Focused Energy investiert.
Das Unternehmen legt einen extrem ehrgeizigen Fahrplan vor. „In fünf Jahren möchte ich hier in Biblis einen ersten Laser-Fusions-Demonstrator vorweisen können“, sagt Ulrich Sigel, Vizepräsident von Focused Energy, Euronews. „In zehn Jahren möchten wir dort die Pilot-Kraftwerksanlage errichten, und in 15 Jahren die weltweit erste kommerziell wettbewerbsfähige Laser-Fusionskraftanlage.“
Warum Biblis? „Die Bedingungen hier sind einfach hervorragend“, erklärt Sigel bei einem Rundgang. „Wir können auf die vorhandene Infrastruktur zurückgreifen – vom Netzanschluss bis zu den Gebäuden.“
Sigel weist auf die Hauptreaktordome des stillgelegten Kernkraftwerks hin: „Im ehemaligen Reaktorblock A soll unser Pilot-Laser-Fusionskraftwerk gebaut werden.“
Die Fusionskraftanlage soll nahezu eine Gigawatt Strom erzeugen, genügend für zwei Millionen Haushalte. Kritiker halten die Technologie für noch nicht ausreichend entwickelt und zu teuer. Focused Energy hingegen glaubt, dass Laserfusion wettbewerbsfähig sein wird – selbst im Vergleich zu Strom, der aus Kernspaltung oder erneuerbaren Energien gewonnen wird.
Allerdings sind die restlichen technischen Herausforderungen enorm. Es gibt ungelöste Probleme im Zusammenhang mit dem Brennstoffzyklus und der Skalierung der ersten vielversprechenden Ergebnisse aus den Laboren, die überwunden werden müssen.



