Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Bayern schlägt eine spezialisierte Polizeieinheit vor, die am Modell der US-amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde ICE orientiert ist, um Asylbewerber zu überwachen und Abschiebungen zu koordinieren, wie aus internen Unterlagen hervorgeht.
Auf der anschließenden Pressekonferenz nach der Winterversammlung der bayerischen Landesorganisation wich die AfD-Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner zunächst Fragen zu diesem Modell aus.
Während Ebner-Steiner erklärte, dass der organisatorische Aufbau der Einheit noch offen sei, wurde erst später bekannt, dass das Konzeptpapier eine Orientierung „ähnlich wie ICE“ vorsieht, als die Unterlagen nach wiederholten Anfragen den Medien zugänglich gemacht wurden.
ICE, die United States Immigration and Customs Enforcement, steht seit Jahren wegen ihres zunehmend schärferen Vorgehens bei Festnahmen, Abschiebungen und anderen Einsätzen stark in der Kritik.
In jüngster Zeit hatten mehrere Vorfälle Aufmerksamkeit und Proteste ausgelöst.
Am Samstag wurde eine 37-jährige Krankenschwester, Alex Pretti, von einem ICE-Beamten erschossen, Sekunden nachdem sie mit einem chemischen Reizstoff besprüht und zu Boden gestoßen worden war.
Renee Good, ebenfalls 37, wurde von einem Einwanderungsbeamten getötet, während sie in ihrem Auto saß, am 7. Januar. Die Trump-Administration hat örtliche Ermittler von der Untersuchung ihres Todes ausgeschlossen.
Eine weitere ICE-Operation in Minnesota löste Demonstrationen aus, als Bundesbeamte einen fünfjährigen Jungen und seinen Vater in Gewahrsam nahmen.
In einem separaten Fall starb ein Gefangener in Haft, nachdem Berichte zufolge er gewürgt worden war.
Ausgangssperre für Asylbewerber
Neben der Abschiebungseinheit fordert das Positionspapier der Bayerischen AfD auch eine verpflichtende Gemeinschaftsdienstpflicht für alle Asylbewerber sowie eine nächtliche Ausgangssperre, die Ebner-Steiner zufolge „zu einer Zunahme der öffentlichen Sicherheit führen würde“.
Die Partei schlägt zudem vor, Kinder von Zuwanderern, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, aus den Regelschulen zu nehmen und in separaten Einrichtungen zu platzieren.
Der Religionsunterricht für diese Schülerinnen und Schüler würde durch „kulturelle Bildung und Wertebildung“ ersetzt, um „Disziplinlosigkeit und Gewalt in unseren Schulen“ vorzubeugen, so der Landtagsabgeordnete Markus Walbrunn.
Die Bayerische AfD wird seit 2022 vom Verfassungsschutz als vermutete rechtsextremistische Organisation eingestuft, eine Einstufung, die vom Verwaltungsgericht München im Juni 2024 bestätigt wurde.
Das Gericht sah ausreichende Hinweise auf Bestrebungen gegen die frei-demokratische Grundordnung Deutschlands, insbesondere in Bezug auf die Menschenwürde und demokratische Prinzipien.
Behörden führten das ethno-kulturelle Verständnis von Nation, ablehnende bis feindliche Haltungen gegenüber Ausländern und Muslimen, gelegentlichen Antisemitismus, systematische Herabwürdigung staatlicher Institutionen und Aufrufe zur „Remigration“, einschließlich der Rückführung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund, an.
Mehrere bayerische AfD-Funktionäre pflegten Verbindungen zur rechtsextremen Identitären Bewegung und zu ihrem Anführer Martin Sellner, wobei mehrere Parteimitglieder öffentlich Sellners Remigrationskonzept unterstützten oder Networking-Veranstaltungen besuchten.
Einzelne AfD-Abgeordnete befinden sich nun unter Beobachtung, darunter der Landtagsabgeordnete René Dierkes, den die Behörden aufgrund möglicher verfassungsfeindlicher Aktivitäten als eine Art „Scharnierfunktion“ zwischen der AfD und dem rechtsextremen Spektrum sehen.
Die Partei bekämpft die Überwachung durch Rechtsverfahren, die noch anhängig sind.
Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die AfD in Bayern zweitstärkste Partei mit rund 19 Prozent der Stimmen, doppelt so viel wie 2021. Die Christlich-Soziale Union (CSU) unter Markus Söder behielt mit 37,2 Prozent den ersten Platz.