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Amerikas Mega-Durchbruch steht bevor: Dieses Laser-Gyrotron könnte den weltweiten Energiebedarf 50.000‑mal decken

8. Februar 2026

Ein Laser für die Tiefe: das Gyrotron

In Texas hat eine US‑Firma gezeigt, wie ein hochfrequenter Gyrotron Fels buchstäblich verdampft. In Marble Falls demonstrierte Quaise Energy am 4. September 2025 öffentlich sein Verfahren. Der gebündelte Millimeterwellen‑Strahl traf Granit, erhitzte die Moleküle und ließ sie als mineralischen Dampf entweichen. Das Ergebnis: 118 Meter geschmolzene Felswand in einem einzigen Test.

Die Methode arbeitet ohne mechanische Reibung und ohne verschleißende Bohrköpfe aus Hartmetall. Statt Spänen entstehen Glas‑glatte Bohrlochwände, die den Durchmesser konsequent halten. Eine herabgelassene Kamera zeigte eine klare Grenze zwischen Oberboden und homogen verglastem Granit. So wird aus Bohren Zerspanen mit reiner Energie.

Warum Millimeterwellen den Unterschied machen

Ein Gyrotron ist ein Hochleistungsstrahler, oft verkürzt „Laser“ genannt, der kohärente Millimeterwellen mit enormer Leistung liefert. Diese Strahlung koppelt effizient in dielektrische Gesteine wie Granit und erhöht die Temperatur rasant. Das Gestein wird erst erweicht, dann verflüssigt und schließlich als Dampf ausgetragen. So vermeidet man Mikrorisse und hält die Bohrung stabil.

Die glatten Wände reduzieren Reibungsverluste und begünstigen die spätere Zirkulation von Wasser oder überkritischem Dampf. Zudem fallen weniger Abfälle an, und die Bohrung bleibt zugänglich für Inspektion und Ausbau. Das Verfahren lässt sich modular skalieren und mit bestehender Technik koppeln.

Tempo, Tiefe und Skalierung

Besonders beeindruckend war die Geschwindigkeit: zeitweise bis zu 5 Meter pro Stunde. Das ist mehr als 50‑mal schneller als konventionelles Bohren in hartem Granit, das oft bei 10 Zentimetern pro Stunde stagniert. Bereits im Mai erreichte ein Test nahe Houston sogar 12 Meter pro Stunde.

Quaise peilt zunächst 1 Kilometer Tiefe an, danach 5 bis 7 Kilometer. In diesen Zonen liegen 400 bis 500 Grad Celsius, genug für überkritischen Dampf. Damit wird Geothermie von der Wärmeversorgung zur grundlastfähigen Stromerzeugung. Das Ziel ist 24/7‑Leistung ohne Wetter‑ oder Tag‑Nacht‑Zyklen.

Eine Ressource von planetarem Ausmaß

In den oberen 10 Kilometern der Erdkruste steckt eine Wärme, die dem 50.000‑fachen weltweiten Energiebedarf entspricht. Die sogenannte Superhot‑Rock‑Geothermie könnte Gas und Kohle in der Stromproduktion ersetzen. Sie ist CO₂‑arm, pilotierbar und nahezu allgegenwärtig. Heute liefert Geothermie nur etwa 0,5 % des globalen Stroms, doch das technische Potenzial ist weit größer.

Laut Internationaler Energieagentur könnte tiefe Geothermie bis 2050 acht bis zehn Prozent des Strommixes stellen. Voraussetzung sind robuste Materialien, präzise Bohrführung und ein skalierbares Kostenmodell. Genau hier setzt die Gyrotron‑Technik an, die hohe Leistungen in harte Gesteine bringt.

Fossile Kraftwerke umbauen, statt neu bauen

Quaise will vorhandene Infrastruktur nutzen: Turbinen, Netzanschlüsse und Kühlkreisläufe aus Kohle‑ oder Gaskraftwerken. Ersetzt man die Feuerung durch einen tiefen geothermischen Schacht, bleibt der Rest der Anlage weitgehend erhalten. So wird aus einem Emittenten ein Grundlast‑Lieferant ohne Verbrennung. Industriestandorte sind oft erschlossen und bieten schnelle Genehmigungswege.

Diese Idee erleichtert die Finanzierung, weil man vorhandene Assets aufwertet statt abzuschreiben. Sie verkürzt die Bauzeit und reduziert lokale Eingriffe in neue Flächen. Für Versorger entsteht ein planbares, wartbares System mit bekanntem Betrieb.

Hürden und nächste Schritte

Trotz der Erfolge bleiben Fragen offen: Standzeiten bei großer Tiefe, Handhabung von mineralischem Dampf und Prozessgasen, sowie die Korrosion bei hohen Temperaturen. Auch die Regulierung muss Bohrungen in 5–7 Kilometern Tiefe zügig, aber sicher gestatten. Parallel sind Kostenkurven zu drücken, etwa durch Serien‑Gyrotrons und standardisierte Downhole‑Module.

Die bisherigen Resultate sind jedoch wegweisend und zeigen einen realistischen Pfad zur Skalierung. Mit jedem Meter Tiefe wächst die Temperatur und damit die Exergie, die Turbinen effizient in Strom verwandeln können. So könnte aus einer Nischen‑Technologie ein zentrales Rückgrat der Energiewende werden.

„Quaise ist kein Bohrunternehmen, sondern ein Energieunternehmen“, sagt Carlos Araque. „Wir wollen Geothermie zum Arbeitspferd der Energiewende machen – und hören erst auf, wenn wir das geschafft haben.“

Vorteile auf einen Blick

  • Grundlastfähige, kontinuierliche Leistung ohne Wetter‑ oder Speicherzwang
  • Sehr geringe Flächeninanspruchnahme und bestehende Infrastruktur nutzbar
  • Potenziell global verfügbar, unabhängig von Wind und Sonne
  • Weniger mechanischer Verschleiß durch berührungsloses Bohren
  • Perspektive auf wettbewerbsfähige Kosten bei Skalierung und Serien‑fertigung

Eingebettete Medien aus der Quelle


Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.