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Business-Class-Flüge sind große Umweltverschmutzer – Ist das Abschaffen der Business Class der Schlüssel zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs?

28. Februar 2026

Das Abschaffen von Premiumplätzen könnte laut einer großen neuen Studie die Emissionen der weltweiten Luftfahrt halbieren.

Wenige alltägliche Aktivitäten hinterlassen einen größeren CO2-Fußabdruck als das Fliegen, doch manche Passagiere haben deutlich mehr Einfluss als andere.

Business- und First-Class-Sitze verursachen laut Daten der International Air Transport Association (IATA) bis zu fünfmal mehr Emissionen pro Passagierkilometer als Economy-Sitze.

Die Abschaffung von Premium-Sitzkomfort könnte laut einer aktuellen Studie dazu beitragen, die Emissionen der weltweiten Luftfahrt zu halbieren.

Die Emissionen könnten noch weiter gesenkt werden, indem nur die treibstoffeffizientesten Flugzeuge eingesetzt und die Passagierauslastung erhöht wird.

Gemeinsam haben diese drei Maßnahmen laut der Studie das Potenzial, die Emissionen um 50 bis 75 Prozent zu senken – ohne darauf zu warten, dass erschwinglicher und in großem Maßstab verfügbarer nachhaltiger Flugtreibstoff (SAF) Realität wird.

Obwohl die Autoren der Studie anerkennen, dass diese Veränderungen schrittweise erfolgen müssten, zeigen sie, dass eine sofortige Reduktion der weltweiten Emissionen aus der Luftfahrt um 11 Prozent erreichbar ist.

Wie umweltschädlich ist Fliegen?

Fliegen ist für rund vier Prozent der weltweit menschengemachten Emissionen verantwortlich.

Aber nicht alle Flüge sind gleich: Die individuellen Emissionen variieren stark je nach Effizienz und Auslegung des Flugzeugs.

Die im letzten Monat im Wissenschaftsjournal Nature Communications Earth & Environment veröffentlichte Studie analysierte mehr als 27 Millionen kommerzielle Flüge im Jahr 2023, die 26.000 Städtepaarungen und fast 3,5 Milliarden Passagiere umfasst.

Im Durchschnitt lagen die Emissionen der weltweiten Luftfahrt im Jahr 2023 bei 84,4 Gramm CO2 pro Passagierkilometer.

Die Emissionen reichten je nach Route von 30 Gramm CO2 pro Passagierkilometer auf einigen Strecken bis zu fast 900 Gramm auf anderen.

Innerhalb des untersuchten Zeitraums und der betrachteten Routen war die USA der global höchste Emittent (144,6 Mio. Tonnen CO2 – 25 Prozent der Gesamtemissionen) mit durchschnittlich 96,5 g CO2 pro Passagierkilometer. China belegte den zweiten Platz (49,7 Mio. t und 88,6 g) und das Vereinigte Königreich den dritten (24,1 Mio. t und 81,1 g).

In Europa wurde das Vereinigte Königreich von Spanien (16,8 Mio. t), Deutschland (16,7 Mio. t), Frankreich (14,8 Mio. t) und Italien (9,9 Mio. t) gefolgt. Norwegen wird dagegen als besonders ineffizienter Flugverkehr verzeichnet, der oft mit kleineren Flughäfen und weniger frequentierten Flügen verbunden ist – in einigen Ländern sind solche Routen staatlich finanziert und für die Anbindung abgelegener Gebiete essenziell.

Flugnachfrage übersteigt Effizienzgewinne

Obwohl bedeutende Effizienzgewinne erzielt wurden – im Jahr 1980 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Passagierkilometer bei 280 g – warnt die Studie, dass das Wachstum der Nachfrage nach Flügen diese Gewinne historisch übertroffen hat.

Die Emissionen sind außerdem gestiegen infolge von Luftraumschließungen aufgrund von Konflikten wie dem russischen Krieg gegen die Ukraine, der Flugstrecken verlängert und den weltweiten Treibstoffverbrauch erhöht hat.

Zukünftige Entwicklungen dürften diesen Trend weiter verschlechtern. Da Fluggesellschaften versuchen, hitze speichernde Kondensstreifen zu vermeiden, indem sie bestimmte Flugzonen meiden, dürfte der Treibstoffverbrauch steigen und einige Effizienzgewinne ausgleichen.

Die Rückkehr des Überschallflugs – bereits für 2029 in Aussicht gestellt – würde die Treibstoffeffizienz weiter verringern und den Erwärmungseffekt der Luftfahrt in der Atmosphäre erhöhen.

Reduktion der Business-Class könnte Emissionen senken

Die Umrüstung der Flugzeuge auf ausschließlich Economy-Klasse würde mehr Passagiere aufnehmen und Emissionen um 22 bis 57 Prozent senken, wie die Studie ergab.

Weniger unbesetzte Sitze zu haben, hätte ebenfalls erhebliche Auswirkungen. Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Auslastung von Passagieren bei 79 Prozent, während einige Flugzeuge mit nur rund 20 Prozent Kapazität flogen.

Eine Steigerung der durchschnittlichen Belegung auf 95 Prozent pro Flugzeug würde die Emissionen um weitere 16 Prozent senken, so die Analyse.

Umstellung auf effizientere Flugzeuge

Durch den Austausch älterer Flugzeuge gegen neuere, effizientere Flotten – das heißt leichteren, aerodynamischeren und treibstoffeffizienteren Maschinen – könnten der Studie zufolge der Treibstoffverbrauch um 25 bis 28 Prozent sinken.

Die effizientesten Flugzeugtypen – der Boeing 787-9 für Langstreckenflüge und der Airbus A321neo für Kurz- und Mittelstrecken – wurden mit 60 Gramm CO2 pro Passagierkilometer je Passagier ermittelt. Am anderen Ende der Effizienzskala standen Flugzeuge, die bis zu 360 Gramm CO2 pro Passagier produzierten.

„Realistisch gesehen wäre dies ein langfristiger Übergang – einer, der durch politische Instrumente gefördert werden könnte, die Effizienz belohnen, sodass die effizientesten Flugzeuge bevorzugt werden, wann immer Ersatzentscheidungen getroffen werden“, sagt Mitautor der Studie Dr. Milan Klöwer von der Universität Oxford.

Politische Instrumente zur Anreizsetzung für den Wechsel zu effizienteren Flugzeugen könnten die Einführung von SAF-Tankquoten, Kohlenstoffintensitätsobergrenzen, Emissionshandelssystemen und Emissionskennzeichnungen für Fluggesellschaften umfassen, ebenso wie die Anpassung von Luftpassagiersteuern und Landungsgebühren basierend auf der Leistungsfähigkeit der Flugzeuge, so die Autoren.

Allerdings könnten Fluggesellschaften eine sofortige Emissionsminderung von rund 11 Prozent erreichen, indem sie auf ihren bestehenden Strecken ihre effizientesten Flugzeuge einsetzen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.