Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Deutschlands Militär bereitet den Testabwurf von Informationsblättern mittels Heliumballons vor

22. Januar 2026

,

Laut dem Landeskommando Sachsen wird die 5. Operationskompanie mit rund 100 Soldaten für den Einsatz in den Freistaat Sachsen verlegt.

Die Bundeswehr bereitet derzeit eine Testoperation vor, bei der Informationsflugblätter mit Heliumballons abgeworfen werden sollen, um „taktische Direktkommunikationsverfahren“ im Notfall zu üben.

Die von der Bundeswehr vom 25. Januar bis zum 4. Februar ausgegebenen Flugblätter sollen der Information von Menschen in einem betroffenen Gebiet dienen, die ansonsten schwer zu erreichen wären.

Für den Einsatz in Sachsen gilt laut dem Landeskommando Sachsen die 5. Operationskompanie mit rund 100 Soldaten.

Ziel ist eine „Stand-off-Produktverteilung“, die Verteilung von Material aus der Luft oder aus sicherer Entfernung ohne direkten Kontakt mit dem betroffenen Gebiet.

Die verwendeten Heliumballons können Höhen von bis zu 5.000 Metern erreichen. Es ist jedoch unklar, von wo genau sie gestartet werden, da dies von den Wetterbedingungen abhängt und täglich festgelegt wird.


Soldiers of the German forces as part of the ‚Quadriga 2025‘ military drills in Rostock, 4 September, 2025


Weitere Informationen zu dem Einsatz wurden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht, mit Ausnahme der Bestätigung, dass Großstädte „bewusst vermieden“ werden.

Die Nachbarländer Deutschlands wurden im Voraus informiert, falls Ballons aufgrund von Wetterbedingungen nach Polen oder in die Tschechische Republik getragen werden sollten.

Jeder, der während der Übung „Colder Iron 2026“ ein Flugblatt mit einem Symbol und Informationstext findet, kann die Entdeckung über die angegebene Kontaktadresse melden und das Flugblatt anschließend entsorgen.

Flugblattabwürfe in Kriegszonen

Flugblattabwürfe werden in Notlagen häufig verwendet, entweder um mit Menschen in Ausnahmesituationen zu kommunizieren oder Propaganda zu verbreiten.

Zu den jüngsten Beispielen gehören die Evakuierungsaufrufe der israelischen Armee in den Gaza-Streifen und im Libanon.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass israelische Streitkräfte am Mittwoch Flugblätter im Süden Gazas abgeworfen haben – zum ersten Mal seit der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die im vergangenen Oktober begann.

Dozens of Palestinian families were urged to evacuate immediately in English, Hebrew and Arabic. The leaflet drop was confirmed by the Israeli Defence Forces (IDF).

Palestinians show leaflets dropped by an Israeli drone warning people, 20 October 2025

Palestinians show leaflets dropped by an Israeli drone warning people, 20 October 2025


In einem Beitrag des Lieber Institute West Point ordnet Major Jon Griffiths, Prüfungsbeamter der britischen Service Prosecuting Authority und Doktorand an der University of Reading in England, solche Maßnahmen unter dem Völkerrecht ein. Er argumentiert, dass die israelischen Streitkräfte ihre Pflicht erfüllen, Vorsichtsmaßnahmen im Fall von Angriffen zu treffen, etwa durch Warnungen wie Flugblätter, Anrufe, Textnachrichten und Medienankündigungen.

Obwohl Kritiker die tatsächliche schützende Wirkung dieser Warnungen infrage stellen, betont Griffiths, dass das humanitäre Völkerrecht eine Pflicht zum Handeln vorschreibe, nicht zum Erfolg.

Der entscheidende Faktor sei hier, dass Warnungen rechtzeitig, verständlich und an die Betroffenen gerichtet seien. Genaue Details zu Ort und Zeit seien nicht unbedingt erforderlich und könnten weggelassen werden, wenn militärische Gründe oder zusätzliche Risiken für Zivilisten dagegen sprächen.

Ob und wie viele Menschen durch Flugblattabwürfe in Gaza „gerettet“ worden sein könnten, bleibt unklar, da verlässliche Zahlen fehlen.

Flugblätter als Mittel psychologischer Kriegsführung

Neben der Kommunikation können Flugblätter auch für Propaganda genutzt werden, wie im Zweiten Weltkrieg. Dort wurden sie verwendet, um wahre Informationen, Übertreibungen und Desinformationen zu kombinieren, um Soldaten und Zivilpersonen psychologisch zu beeinflussen.

Zu jener Zeit richteten sich die Flugblätter oft an klar definierte Zielgruppen, manchmal sogar an einzelne Einheiten, und sie wurden millionenfach durch Flugzeuge, Ballons, Artillerie oder Raketen abgeworfen.

Leaflets are counted and stacked after coming off the press in the UK, 25 July, 1944

Leaflets are counted and stacked after coming off the press in the UK, 25 July, 1944


Insbesondere wurden an die Gegenseite Aufrufe zur Kapitulation, detaillierte Anweisungen zum Niederlegen der Waffen oder die Darstellung eines angeblich guten Lebens in Gefangenschaft versandt.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden 2.024 Flugblätter dieser Art ausgestellt, darunter eine Kopie, die den englischen Satz „I surrender“ phonetisch für deutschsprachige Soldaten wiedergibt.

Der Historiker Benedikt Sepp erläuterte, dass aufgrund der Sprachbarriere viele Soldaten nicht wussten, wie sie sich zu ergeben hätten. Deshalb wurden zum Beispiel Flugblätter mit dem Wortlaut „Ei ssörrender“ verteilt.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.