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Empörung in Garmisch-Partenkirchen: Immer mehr respektlose Touristen missachten uralte Traditionen – Dörfer schlagen Alarm

21. Januar 2026

Für viele Deutsche ist Korsika ein Sehnsuchtsort: wild, bergig, maritim. Jeden Sommer zieht die Insel über drei Millionen Besucher an. Doch in manchen Dörfern kippt die Stimmung, weil einige Gäste lokale Sitten und Regeln missachten.

Wenn Begeisterung in Überforderung umschlägt

In etlichen Orten vervielfacht sich die Bevölkerung im Juli und August. In Ota nahe Porto, mit knapp 500 Einwohnern, sind an manchen Wochenenden mehr als 6.000 Menschen unterwegs. Die Straßen, Parkplätze und Wanderpfade geraten an Grenzen, und die Ruhe der Bewohner wird strapaziert.

Was ökonomisch nach gutem Sommer klingt, hat einen Preis. Lärm, Müll und übervolle Spots erzeugen Frust, zumal die Dorfstruktur kaum Spielraum für Massen bietet. Viele Einheimische erleben die Saison als Belastung, nicht als Chance.

“Sie glauben, hier alles dürfen zu können. Wir haben eine Kultur, klare Regeln und einen tiefen Respekt vor dem Ort,” sagt Antoine, 54, aus einem Dorf bei Porto-Vecchio.

Kultur und Sitten unter Druck

Korsika lebt eine starke Identität: die korsische Sprache, polyphone Gesänge, religiöse Feste, und eine enge Bindung an Meer und Berge. Viele Gäste suchen Authentizität, kennen aber die Codes vor Ort nicht. So wird der Dorfkern zum Instagram-Spot, während elementare Rücksicht fehlt.

Besonders problematisch sind Verhaltensweisen, die Traditionen oder Natur missachten. Mehrere Gemeinden berichten von Vorfällen, die das Miteinander belasten.

  • Baden in verbotenen oder sakralen Zonen
  • Unpassende Kleidung in Dörfern und Kirchen
  • Lautes Feiern bis spät in die Nacht
  • Zigarettenstummel und Abfall im Maquis
  • Betreten privater Höfe “für das Foto

Mireille, 66, aus Piana, erzählt: “Manche treten in unseren Hof, fotografieren die Ziegen, und sagen nicht einmal Bonjour. So sind wir nicht aufgewachsen.”

Lokale Antworten auf ein reales Problem

Mehrere Rathäuser reagieren mit Aufklärung und Lenkung der Ströme. An Dorfeingängen stehen mehrsprachige Hinweise, die Sitten, Kleideretikette und Ruhezeiten erklären. Markierte Routen führen durch sensible Zonen, um Wildwuchs und Trampelpfade zu verhindern.

Mancherorts sind Mediatoren unterwegs, die Besuchern freundlich die Regeln erläutern. Gegen wildes Campen helfen strengere Kontrollen, gepaart mit klarer Beschilderung zu offiziellen Plätzen. In besonders beliebten Orten werden Führungen obligatorisch, um Kirchen und Gassen zu schützen.

Auch die Kommunikation wird angepasst: Tourismusbüros setzen auf Kulturerklärung statt nur auf Strand- und Panorama-Werbung. Das Ziel ist ein Bewusstsein, das Respekt nicht als Bremse, sondern als Mehrwert begreift.

Was deutsche Reisende wissen sollten

Wer die Insel respektvoll erlebt, wird tiefer mit Menschen und Landschaft verbunden. In Kirchen und Dörfern gilt eine schlichte Haltung und bedeckte Schultern als Zeichen des Respekts. Privatgrund ist privat, auch wenn der Blick auf die Bucht spektakulär ist.

Bitte keinen Müll im Maquis hinterlassen und bei Wind kein Feuer oder Zigaretten wegwerfen. Abends sind leise Töne gefragt, denn viele Dörfer sind Wohnorte, keine Partymeilen. Wer lokale Märkte, Käsereien und kleine Unterkünfte unterstützt, stärkt die dörfliche Struktur und nicht nur die Hauptsaison.

Zu Fuß oder per Bus unterwegs zu sein, entlastet enge Straßen und verringert den Stau. Wer außerhalb der Spitze im Frühling oder Herbst reist, erlebt Ruhe, mildes Licht und mehr Dialog mit Einheimischen.

Ein Tourismus, der erhält statt verbraucht

Viele Korsen wollen Tourismus, aber keinen Verlust ihrer Identität. Es geht um ein Gleichgewicht zwischen Gastfreundschaft und Selbstbewusstsein, zwischen ökonomischem Nutzen und kultureller Würde. Nachhaltigkeit heißt hier nicht nur Öko, sondern vor allem sozialer Respekt.

Laurent, Töpfer aus der Inselmitte, fasst es so: “Die Leute lieben das, was uns ausmacht – und zerstören es manchmal unbewusst. Wir wollen kein Freilichtmuseum sein und keinen Vergnügungspark.”

Wer als Gast zuhört, lernt und mit Feingefühl agiert, macht die Reise für alle reicher. So bleibt Korsika, was es ist: eine stolze Insel, deren Charme in gelebter Tradition und offener Begegnung liegt. Und wer Regeln freundlich befolgt, kehrt mit tieferem Verständnis zurück – nicht nur mit schönen Fotos, sondern mit echter Verbundenheit.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.