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Ist Deutschland wieder der kranke Mann Europas? Der Ring in Berlin

25. April 2026

In dieser Episode von Ring, aufgenommen in der deutschen Hauptstadt, treffen Bundestag und Europäisches Parlament aufeinander: Der christdemokratische Politiker Sepp Müller und der Linke Martin Schirdewan treten gegeneinander an, um den Reformstau in der größten Volkswirtschaft der EU zu diskutieren.

Ist Deutschland wieder der kranke Mann Europas? Man könnte es so sehen, angesichts der wachsenden Herausforderungen: chronisch schwaches Wachstum, ein scharfer Rückgang der Exporte nach China, kämpfende Branchen wie Maschinenbau und Automobilindustrie, anhaltende Deindustrialisierung sowie demografischer Druck und ein Mangel an Fachkräften.

Die Produktivität steigt schon lange nicht mehr.

Vieles davon ist seit Jahren bekannt, doch tatsächlich ist nur wenig getan worden.

Warum hapert es bei Reformen und Modernisierung in Deutschland so sehr? Und was bedeutet ein geschwächtes Deutschland für den Rest Europas?

Im Ring treten zwei deutsche Politiker aus verschiedenen politischen Lagern und aus unterschiedlichen Parlamenten gegeneinander an: Sepp Müller, Vizevorsitzender der CDU im Bundestag unter Kanzler Friedrich Merz, und Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Europäischen Parlament.

Zentrales Thema der Debatte war die Frage, welche Maßnahmen Deutschland ergreifen könnte, um aus der Krise herauszukommen – eine Krise, verursacht durch verspätete Modernisierung, unzureichende Investitionen in zukunftsorientierte Industrien und vor allem eine hartnäckige Festhaltung am exportorientierten Wirtschaftsmodell Deutschlands.

„Die Menschen verdienen einfach nicht genug Geld. Lange Zeit wurde eine Strategie billiger Exporte zulasten der Arbeitnehmer verfolgt, während gleichzeitig viel zu wenig investiert wurde – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Das sind die Kernprobleme, und sie müssen wirklich angegangen werden“, sagte Schirdewan.

Müller hob die Notwendigkeit hervor, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, und wies darauf hin, dass jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland in der Fertigung direkt vom Export abhängt. Obwohl bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt wurden, machte er deutlich, dass diese Bemühungen durch die komplexe geopolitische Lage behindert würden.

„Wir sehen die großen Herausforderungen, die durch die Trump-Administration verursacht werden. Wir sehen die politische Lage mit China. Wir sehen andere globale oder regionale Mächte, wie Russland, die ihre schmutzigen Spielchen auf Kosten der Bevölkerung Deutschlands, insbesondere derjenigen mit niedrigem und mittlerem Einkommen, treiben“, sagte Müller.

In der Debatte über wirtschaftliche Lösungen zur Ankurbelung der Konjunktur gab es vor allem unterschiedliche Ansichten über die Vorzüge von Freihandelsabkommen.

Für Müller sind sie ein entscheidender Schritt zur Sicherung von Märkten, Wohlstand und Arbeitsplätzen, während Schirdewan insbesondere die Arbeitnehmer als Opfer eines Mechanismus sah, der die wirtschaftliche Ungleichheit in der Gesellschaft weiter verschärft.

Unterschiedliche Ansichten zeigten sich auch in der Steuer- und Wohnungspolitik.

Diese Ausgabe von The Ring wird von Stefan Grobe moderiert, produziert von Luis Albertos und Amaia Echevarria, und von Vassilis Glynos bearbeitet.

Sehen Sie The Ring im Euronews-TV oder im obigen Player und senden Sie uns Ihre Ansichten, indem Sie an [email protected] schreiben.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.