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Prangerlinde von Großpörthen: 900 Jahre alter Baum mit düsterer Geschichte

18. August 2026

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Bis zu 900 Jahre alt und fast zehn Meter dick ist die Prangerlinde in Großpörthen, Sachsen-Anhalt, und trägt noch immer einen alten Eisenhalskragen am Stamm – ein einzigartiges natürliches und historisches Denkmal.

In dem kleinen Dorf Großpörthen, rund fünf Kilometer südöstlich von Zeitz in Sachsen-Anhalt, steht ein Baum, der im Laufe der Jahrhunderte Geschichte erlebt hat. Die mächtige Winterlinde neben der Dorfkirche wird auf ein Alter von etwa 700 bis 900 Jahren geschätzt. Ihr Stamm hat einen Umfang von rund 9,85 Metern und sie erreicht eine Höhe von etwa zwölf Metern. Damit dürfte sie vermutlich die dickste bekannte Winterlinde Deutschlands sein.

Aber nicht nur sein Alter macht die Linde besonders aus. Sie verdankt ihren Namen vermutlich ihrer Rolle als Gerichtslinde und Prangerbaum. Ein rostiger Halsring ist heute noch an ihrem Stamm sichtbar. Er erinnert an eine Zeit, in der öffentliche Strafen Teil der täglichen Rechtsausübung waren.


The neck iron on the tree is rusty, but otherwise well preserved.


Mittelalter: Bestrafung durch das Anlegen von Halsringen

Ein Halsring war ein Metallring, der um den Hals einer verurteilten Person gelegt und fest verschlossen wurde. Öffentliche Prangerstrafen mit Halsringen sind in deutschsprachigen Gebieten bereits im 14. Jahrhundert belegt.

Diese Art der sogenannten Scham- oder Ehre-Strafe war insbesondere im späten Mittelalter und der frühmodernen Zeit weit verbreitet. Sie dauerte mehrere Jahrhunderte an und ist in deutschen Rechtsquellen bis weit in das 18. Jahrhundert belegt. Die Strafe diente in erster Linie dazu, den Täter öffentlich bloßzustellen und damit seinen Ruf zu zerstören; je nach Ort und Urteil wurde sie mit Körperstrafen kombiniert.

In einigen Fällen mussten die Straftäter Schilder tragen, auf denen ihre Tat vermerkt war.

Historisch gesehen wurde die Prangerstrafe für eine breite Palette von Straftaten angewendet. Quellen erwähnen unter anderem Kleindiebstahl, Beleidigungen, Verleumdung, Störung des Friedens, Verstöße gegen moralische Normen oder Betrug im Zusammenhang mit Maßen und Gewichten.

Gerichtslinde fast 1.000 Jahre alt

Das genaue Alter der Linde lässt sich nicht bestimmen. Bei Bäumen dieses Alters ist eine präzise Datierung schwierig, nicht zuletzt, weil sich der Stamm im Laufe der Jahrhunderte verändert. Die ungewöhnliche Lage der Winterlinde an einem Hang hat zu einer deutlichen Verdickung und Auswölbungen im Stamm- und Wurzbereich geführt. Experten der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft schätzen ihr Alter auf zwischen 700 und 900 Jahren.

Der Baum hat auch schwere Schäden überstanden. Ein großer Teil des Stammes soll Mitte des 20. Jahrhunderts abgebrochen sein. Dennoch hat sich die Linde erholt und gilt als gesund.

Deutschlands jetziger zweitältester Baum steht in Upstedt in Niedersachsen. Er hat kürzlich den ersten Platz an eine Eibe verloren, die auf einer Allgäuer Alm rund 1.100 Jahre alt ist. Der Upstedter Baum ist ebenfalls eine Linde – genauer gesagt eine Sommerlinde, die als weniger robust gilt. Der historische Platz im Zentrum des Dorfes, auf dem er steht, diente bereits im frühen zweiten Jahrtausend als Treffpunkt und im 13. Jahrhundert wurde die Linde zum Gerichtbaum.

Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass dieser Baum, im Gegensatz zur Winterlinde in Großpörthen, auch als Pranger genutzt wurde.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.