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Revolutionärer Mega-Plan: Ausgemusterte Kernreaktoren der US-Marine sollen energiehungrige Rechenzentren mit Strom versorgen

30. Januar 2026

Der weltweite Boom energiehungriger KI-Rechenzentren setzt die Stromnetze unter Druck. In den USA will die texanische Firma HGP Intelligent Energy gemeinsam mit dem Energieministerium ausgemusterte Marine-Reaktoren für Rechenzentren nutzbar machen. Was eben noch undenkbar schien, erscheint nun als pragmatische Antwort auf eine eskalierende Nachfrage.

Ein ungewöhnlicher Plan für den KI-Energiehunger

Die Idee zielt darauf, stillgelegte Reaktoren der US Navy für ein KI-Rechenzentrum am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee umzurüsten. Der Vorschlag an das Department of Energy (DOE) verknüpft militärische Technik mit ziviler Nutzung. Er ordnet sich in das Programm „Genesis“ ein, das unter Präsident Donald Trump gestartet wurde.

Technik aus Trägern und U‑Booten

Zum Einsatz kämen Reaktoren, wie sie auf Flugzeugträgern der Nimitz-Klasse (Westinghouse A4W) und in Angriffs-U‑Booten der Los-Angeles-Klasse (General Electric S8G) verbaut sind. Die Leistung soll zwischen 450 und 520 Megawatt liegen und damit ein großes Datenzentrum dauerhaft versorgen. Ein Teil der Flotte wurde bereits außer Dienst gestellt, wodurch geeignete Einheiten zur Verfügung stehen.

Die US Navy betreibt seit über 50 Jahren mehr als 100 Reaktoren ohne gravierenden radiologischen Zwischenfall, betont die World Nuclear Association. Diese Bilanz gilt vielen als robustes Sicherheitsargument für eine Ziviltauglichkeit. Gleichwohl unterscheiden sich maritime und stationäre Einsatzbedingungen in Genehmigung und Betrieb.

Standort Oak Ridge und Netzanschluss

Der Standort Oak Ridge verbindet vorhandene Forschungsinfrastruktur mit Netzanbindung. Für Rechenzentren ist eine stabile, planbare Leistung entscheidend, die nukleare Anlagen kontinuierlich liefern. Die Kopplung an ein staatliches Labor erleichtert Behördenabstimmung und Überwachung.

Rechenzentrum als illustrative Aufnahme
Un datacenter (image d’illustration) © BFMTV

Kosten, Finanzierung und Geschäftsmodell

Die Umrüstung wird auf 1 bis 4 Millionen US‑Dollar pro Megawatt geschätzt und wäre damit deutlich günstiger als ein Neubau. Insgesamt wären 1,8 bis 2,1 Milliarden US‑Dollar an privatem Kapital nötig. HGP will Einnahmen mit der Regierung teilen und zugleich einen Fonds für Rückbau und Entsorgung aufsetzen.

  • Geschätzte Leistung: 450–520 MW
  • Umrüstungskosten: 1–4 Mio. US‑Dollar pro MW
  • Investitionsvolumen: 1,8–2,1 Mrd. US‑Dollar
  • Erste Phase: möglicher Start ab 2029
  • Einnahmenteilung und Rückbaufonds als Mechanismen

Sicherheit, Regulierung und Akzeptanz

Auch wenn die Marinebilanz beeindruckt, bleiben Fragen zu Genehmigung, Standortschutz und Abfalllogistik. Ausgemusterte Reaktoren würden sonst in Hanford im Staat Washington zerlegt – die Umnutzung böte also eine zweite Lebensphase. Behörden müssen klären, wie militärische Spezifika in zivile Standards überführt werden.

„Unser Team verfügt über die Erfahrung und die Partner, um das Projekt sicher im großen Maßstab umzusetzen“, sagt Gregory Forero, Geschäftsführer von HGP.

Zeitplan und technische Umsetzung

Die erste Projektphase könnte ab 2029 laufen, vorbehaltlich aller Genehmigungen. Dafür sind umfangreiche Umbauten an Containment, Turbinen‑Peripherie und Netztechnik nötig. Wartungszyklen, Kühlung und Notstrom müssen auf 24/7‑IT‑Bedarf angepasst werden.

Wirtschaftliche Logik und Alternativen

Im Vergleich zu neuen Kraftwerken oder kleinen modularen Reaktoren (SMR), die Tech‑Konzerne wie Amazon, Meta oder Microsoft erwägen, wirkt die Rekonfiguration finanziell attraktiv. Sie beschleunigt die Bereitstellung grundlastfähiger Leistung und reduziert Investitionsrisiken. Gleichzeitig konkurriert sie mit Erneuerbaren plus Speichern, die politisch bevorzugt werden.

Chancen und Risiken im Überblick

Die Projektlogik lautet: vorhandene Hochleistungsreaktoren für die Digitalwirtschaft reaktivieren und so Netze entlasten. Chancen liegen in kalkulierbarer Energie, besserer Auslastung und Wiederverwendung bestehender Nukleartechnik. Risiken betreffen gesellschaftliche Akzeptanz, strikte Regulierung und den sensiblen Umgang mit Abfall.

Ausblick

Gelingt der Schritt in Oak Ridge, könnte ein Pilot die Blaupause für weitere Standorte liefern. Scheitert er an Kosten, Regulierung oder Akzeptanz, bleibt die Suche nach verlässlicher KI‑Energie zwischen Nuklear und Erneuerbaren offen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.