Kälte, Dunkelheit und beschädigte Netze
In der Region Dnipropetrowsk sind angesichts bitterkalter Temperaturen über eine Million Menschen ohne Heizung und Wasser. Nach nächtlichen Angriffen auf die Energieinfrastruktur kam es zu weitreichenden Ausfällen. Reparaturteams arbeiten unter Dauerstress, um kritische Systeme so schnell wie möglich zu stabilisieren.
Lage und Ausmaß
Nach einer erneuten massiven Beschusswelle wurden insbesondere Dnipropetrowsk und Saporischschja getroffen. Teile der Stromversorgung brachen in der Nacht nahezu vollständig zusammen. Laut Behörden sind derzeit rund 800.000 Stromkundinnen und Kunden ohne Elektrizität.
Während Pumpwerke stillstehen, bleiben Heizleitungen kalt und Wasserhähne trocken. Städte und Gemeinden verteilen Notwasser, doch die Nachfrage ist extrem hoch. Lokale Kliniken sichern den Betrieb mit Generatoren, um Patienten weiter zu versorgen.
Stimmen und Verantwortliche
Der amtierende Energieminister Artem Nekrasov sprach von einer neuen Großoffensive gegen das Netz. Einsatzkräfte hätten noch in der Nacht mit Reparaturen begonnen und priorisieren kritische Einrichtungen. Die Schäden verteilten sich über mehrere Knotenpunkte der Versorgung.
Auch Olexij Kuleba, Vizepremier für den Wiederaufbau, betonte den Umfang der Arbeiten. Man arbeite daran, Heizung und Wasser für über eine Million Anschlüsse wiederherzustellen. Der Versorger DTEK kündigte zusätzliche Teams und Ressourcen an.
„Wir werden alles tun, um den Strom so rasch wie möglich in die Haushalte zurückzubringen“, erklärte DTEK in einer kurzen Mitteilung. Priorität haben Sicherheit, Stabilität des Netzes und der Schutz der Mitarbeitenden.
Auswirkungen auf den Alltag
Für viele Familien bedeutet der Ausfall der Heizung Eiseskälte in den Wohnungen. Schulen halten Fernunterricht, während Betreuung in Notzentren organisiert wird. Besonders gefährdet sind Seniorinnen und Kranke, die auf Wärme angewiesen sind.
Ohne Wasser geraten Hygiene, Kochen und medizinische Versorgung unter Druck. Kommunale Dienste versuchen, Tankwagen zu koordinieren und mobile Heizpunkte zu öffnen. Doch die anhaltenden Angriffe erschweren Logistik und Reparaturen.
Hintergrund der Angriffe
Seit Beginn der Invasion 2022 gehören Schläge auf Energieanlagen zur russischen Taktik. Ziele sind Umspannwerke, Kraftwerke und Leitungskorridore im ganzen Land. Die Intensität nahm vor dem Winter erneut zu, um die Bevölkerung maximal zu belasten.
Solche Angriffe zielen darauf, Widerstandskraft und Alltag zu schwächen. Neben den zivilen Folgen entstehen hohe Kosten durch Schadensbeseitigung und Netzstabilisierung. Internationale Partner unterstützen mit Technik und Ersatzteilen.
Was jetzt Priorität hat
- Wiederherstellung der Stromkreise in zentralen Netzknoten und kritischen Einrichtungen
- Absicherung von Krankenhäusern, Pumpwerken und Heizkraftwerken durch Notstrom
- Einrichtung zusätzlicher Wärmeräume und Verteilung von Trinkwasser
- Schutz der Reparaturteams und Zugang zu beschädigten Anlagen
- Beschleunigte Lieferungen von Transformatoren, Kabeln und Schalttechnik
Reparaturen unter Zeitdruck
Die Netzbetreiber koordinieren Schalten, Lastmanagement und Umspeisungen im Minutentakt. Temporäre Bypässe sollen Versorgungslücken überbrücken und Prioritäten sichern. Jede Reparatur ist komplex, weil Redundanzen oft beschädigt sind.
Parallel bereiten Kommunen Notpläne für längere Ausfälle und Kältewellen vor. Dazu gehören mobile Heizmodule, Generatorpools und Brennstoff-Reserven. Freiwillige leisten Hilfe, verteilen Decken und bringen Lebensmittel zu Bedürftigen.
Ausblick
Kurzfristig hängt der Fortschritt von Wetter, Netzstabilität und Sicherheit ab. Gelingt die Reparatur der Knoten, könnten erste Stadtteile rasch aufatmen. Doch jede neue Attacke verzögert Arbeiten und gefährdet bereits geflickte Leitungen.
Mittelfristig bleibt die Resilienz des Systems der zentrale Schlüssel. Mehr Dezentralisierung, Schutzbauwerke und Reservekapazitäten erhöhen die Chance auf Standfestigkeit. Für die betroffenen Menschen zählt jetzt vor allem eines: verlässliche Wärme und sauberes Wasser.