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Sensation im Var: Wohl spektakulärster Fund – 300 Millionen Jahre altes Pflanzenfossil in diesem Dorf entdeckt

19. Februar 2026

Ein unscheinbarer Steinblock entpuppt sich in einem Dorf im Var als spektakulärer Zeitzeuge: ein Pflanzenfossil aus dem tiefen Karbon. Entdeckt wurde das Exemplar von Romain Garrouste, Paläontologe am Muséum national d’histoire naturelle und Grimaudois. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Brocken wirkte, zeigte bei genauerem Hinsehen feine Strukturen. An den Rändern sind noch zarte Gewebe erkennbar, die auf ein Stück Stamm schließen lassen.

Ein Fenster in das Karbon

Nach ersten Einschätzungen stammt der Fund aus dem Karbon, also aus einer Zeit vor mehr als 300 Millionen Jahren. Damals war der heutige Massif des Maures Teil der variszischen Gebirgskette, einer längst verschwundenen Kollisionszone. Man kann sie der Größe nach mit dem Himalaya vergleichen, der die Landschaften in gigantischem Maßstab prägte. In diesem geologischen Rahmen haben Wälder aus urtümlichen Pflanzen ganze Ökosysteme gebildet.

Gefunden zwischen Reben und Felsen

Entdeckt wurde das Stück bei einer Prospektion auf privatem Gelände, mitten in der vertrauten Umgebung des Forschers. Schon länger hatte Garrouste dort Spuren vermutet, doch der konkrete Fund geschah fast durch reinen Zufall. Seit seiner Kindheit durchstreift er die Hügel, um Relikte ferner Erdzeitalter aufzuspüren. Manchmal sieht ein Fund unscheinbar aus, doch das unscheinbare ist oft das eigentlich Bedeutsame.

Wie Alter und Art bestimmt werden

Um Alter und Gattung sicher zu bestimmen, folgt nun eine Reihe sorgfältiger Analysen. In Paris werden Expertinnen und Experten einen hauchdünnen Schliff anfertigen, den man unter dem Mikroskop untersucht. So lassen sich Zellmuster und Gefäßbündel erkennen, die typische Signaturen urzeitlicher Pflanzen tragen. Denkbar sind Verwandtschaften mit Bärlappbäumen, Schachtelhalmen oder frühen Farngewächsen, die im Karbon ausgedehnte Wälder bildeten. „Das Ziel ist eine möglichst präzise Zuordnung, denn jeder Datensatz schärft unser Bild des paläozoischen Var“, erklärt der Forscher.

  • Dünnschliffe unter dem Mikroskop prüfen
  • Geochemische Signale und Mineralogie vergleichen
  • Strukturen mit Referenzsammlungen abgleichen
  • Fundkontext kartieren und Schichtenfolge dokumentieren
  • Ergebnisse in regionale Datenbanken einpflegen

Wert für das regionale Naturerbe

Der Fund erweitert das paläontologische Mosaik der Region und knüpft an seltene Belege aus dem Karbon an. Bisher waren Pflanzenfossilien dieser Epoche vor allem aus Plan-de-la-Tour und dem Massif de l’Estérel bekannt. Dort fand man bereits eine elegante Farnfronde, die eine alte Vegetationsspur bewahrt. Jeder neue Beleg hilft, Landschaft, Klima und Biodiversität der „Ersten Erdzeit“ in Südostfrankreich genauer zu rekonstruieren.

Bürgerforschung als Schlüssel

Parallel wächst ein Projekt im Rahmen des Géoparc, das vom Département unterstützt und von der UNESCO als Label anerkannt ist. Geplant ist eine Ausstellung in der Usine-Maison de la Nature in Cavalaire für 2026, um die geologische Geschichte verständlich zu erzählen. „Solche Funde zeigen, wie reich unser natürlicher Schatz ist – und wie wenig wir ihn bislang wirklich kennen“, sagt Garrouste. Gesucht werden Hinweise von Besitzerinnen und Besitzern alter Bergbaustandorte, von Wandernden und Naturalisten. Sie können Mineralien, Fossilien, Objekte oder auch historische Aufnahmen beisteuern, die das Bild der Region abrunden.

Die Beiträge können sehr vielfältig sein: Archive zu früheren Gruben, handschriftliche Berichte, vergessene Sammelstücke im Dachboden oder Kunstwerke aus lokalen Gesteinen. Wichtig ist eine präzise Dokumentation von Fundort, Kontext und möglichen Begleitfunden. Je dichter das Netz an Beobachtungen, desto klarer tritt die geologische Biografie des Var hervor. Für Rückfragen und Hinweise steht die Kontaktadresse [email protected] zur Verfügung.

Ein kleines Stück, ein großer Zeitraum

Das Pflanzenfragment wirkt bescheiden, doch es schlägt eine Brücke über Hunderte Millionen Jahre. Es erzählt von Sümpfen, in denen mächtige Bäume und filigrane Farne dichte Vegetation bildeten. Solche Zeugnisse sind nicht nur wissenschaftlich wertvoll, sondern auch kulturell prägend: Sie verankern Landschaft, Erinnerung und Wissen in einer gemeinsamen, greifbaren Geschichte.

Im Kleinen zeigt der Fund, wie Forschung und Neugier zusammenwirken: ein geübter Blick, eine unscheinbare Textur, und plötzlich öffnet sich ein Fenster in die Tiefenzeit. Mit jedem weiteren Hinweis wächst das Puzzle, das die geologische Vergangenheit des Var neu und lebendig zusammensetzt. Und vielleicht liegt der nächste große Hinweis bereits am Wegesrand – getarnt als ganz gewöhnlicher Stein.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.