Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Sensation in Myanmar: Extrem seltene Ruptur beobachtet

28. Februar 2026

Ein Erdbeben, das die Karten neu mischt

Am 28. März 2025 erschütterte ein starkes Erdbeben Myanmar und ließ die Stadt Mandalay erzittern. Mit einer Magnitude zwischen 7,7 und 7,9 reichte die Erschütterung bis nach Thailand, wo ein im Bau befindliches Gebäude einstürzte. In Myanmar selbst wurden unzählige Gebäude zerstört, Straßen und Brücken beschädigt, und Tausende von Menschen obdachlos. Die Militärregierung meldete 3.770 Tote und über 5.000 Verletzte, doch Satellitendaten legen nahe, dass die Zahlen wahrscheinlich unterbewertet sind.

Die Sagaing-Verwerfung im Fokus

Im Zentrum der Analyse steht die Sagaing-Verwerfung, eine über rund 1.200 Kilometer lange, senkrecht stehende Störung, die Myanmar von Nord nach Süd durchzieht. Sie markiert die Grenze zwischen der Indischen und der Eurasischen Platte, die hier seit Langem aneinander reiben. Die Indische Platte bewegt sich mit etwa 50 Millimetern pro Jahr nach Norden, wodurch sich enorme Spannungen aufbauen.

Diese Verwerfung ist bekannt für kräftige Beben, doch das Geschehen vom 28. März sprengte selbst erfahrene Erwartungen. Erste Analysen wiesen auf eine Südwärtsausbreitung der Bruchfront hin, gestützt durch zahlreiche Nachbeben im südlichen Segment. Doch bald tauchten Signale auf, die nicht in das Schema einer einfachen, einseitigen Ruptur passten.

Karte der Sagaing-Verwerfung und Bruchsegmente

Rätselhafte Signale im Norden

Mehrere seismische Stationen nördlich des Epizentrums registrierten bereits rund 20 Sekunden nach den ersten P-Wellen Schwingungen mit großer Amplitude. Dieses Muster ist ungewöhnlich, denn es deutet auf Energiefreisetzungen hin, die nicht allein durch eine einseitige Bruchausbreitung zu erklären sind. Statt einer simplen Ausbreitung scheint der Bruch eine komplexere Dynamik entfaltet zu haben.

Solche frühen Hochamplituden können auf starke Direktivität, auf lokale Struktureffekte oder auf eine zweite, rasch folgende Bruchphase hindeuten. Die Daten aus Myanmar deuten besonders auf die letzte Möglichkeit hin, was die Forschenden genauer untersuchten.

Supershear mit Boomerang-Effekt

Ein Team der Universität Tsukuba analysierte die Datensätze im Detail und identifizierte eine mehrphasige Ruptur, die zunächst nach Süden lief und anschließend wie ein Boomerang nach Norden zurückkehrte. Entscheidend: Teile der Bruchfront bewegten sich schneller als die S-Wellen, was als Supershear bezeichnet wird. Insgesamt brach ein rund 400 Kilometer langes Segment in etwa 80 Sekunden – ein außergewöhnlich großer und schneller Vorgang.

Supershear-Brüche sind selten und besonders gefährlich, weil sie die Energie entlang der Bruchrichtung bündeln. Das kann weit vom Epizentrum entfernt zu extremen Bodenbewegungen führen, die sich in Mandalay und nördlich davon möglicherweise addierten. Solche Prozesse fordern Modelle und Frühwarnsysteme gleichermaßen heraus.

Was das für Risiko und Planung bedeutet

Die Kombination aus Boomerang-Effekt und Supershear erhöht die Zerstörungskraft in Bereichen, die sich sicher wähnen, weil sie nicht direkt am Epizentrum liegen. Das betrifft Städte, Industrieanlagen und Infrastruktur, insbesondere entlang linearer Korridore wie Flusstäler und Verkehrsachsen. Für Myanmar und die Nachbarländer ist das ein Weckruf, Gefährdungskarten und Baunormen an solche Extremszenarien anzupassen.

Frühwarnketten müssen Daten aus dichtem Sensor-Netz, satellitengestütztem InSAR und schnellen Ruptur-Inversionen kombinieren. Nur so lassen sich Direktivität und Bruchgeschwindigkeit frühzeitig abschätzen und Warnungen rasch in Schutzmaßnahmen übersetzen.

Eckdaten des Ereignisses

  • Magnitude geschätzt zwischen 7,7 und 7,9, nahe der Stadt Mandalay.
  • Bruchlänge rund 400 Kilometer, Gesamtdauer etwa 80 Sekunden.
  • Hinweise auf Supershear und einen Boomerang-artigen Richtungswechsel.
  • Schäden in Myanmar; Einsturz eines Gebäudes in Thailand.
  • Offizielle Bilanz: 3.770 Tote, mehr als 5.000 Verletzte; vermutlich untererfasst.

Stimmen aus der Forschung

„Dieses Erdbeben zeigt, wie ein vermeintlich lineares Geschehen plötzlich nichtlinear wird“, sagt ein Mitglied des Analyse-Teams. „Der kombinierte Supershear– und Boomerang-Mechanismus bündelt Energie an unerwarteten Orten – genau dort, wo Vorsorge bislang zu wenig bedacht wurde.“

Ausblick: Wissen in Schutz verwandeln

Für die Region bedeutet das Ereignis eine Zäsur, aber auch eine Chance. Wer Bauvorschriften verschärft, Notfallpläne übt und öffentliche Aufklärung stärkt, reduziert die Verwundbarkeit spürbar. Priorität haben retrofit-Programme für kritische Infrastruktur, realistische Szenarien jenseits des Epizentrums und die Koordination grenzüberschreitender Hilfen.

Die Sagaing-Verwerfung bleibt eine Hauptquelle regionaler Gefahr, doch jedes präzise Datenpaket, jede verbesserte Simulation und jedes robuste Bauwerk verwandelt komplexe Geophysik in konkreten Schutz. Dieses seltene Bruchmuster ist ein Weckruf – und ein Leitfaden, unsere Modelle und Maßnahmen den Realitäten anzupassen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.