Ein unerwarteter Zusammenhang sorgt für Aufsehen: Wer gern Bier trinkt, könnte für Mücken deutlich anziehender sein. Eine niederländische Studie weist darauf hin, dass der Konsum von Bier kurz vor dem Kontakt mit Mücken die Wahrscheinlichkeit für Stiche erhöht. Das Ergebnis überrascht, passt aber zu bekannten Effekten von Alkohol auf Körpertemperatur, Geruch und Haut. Besonders im sommerlichen Freien kann diese Mischung zum Problem werden, denn Anopheles-Mücken reagieren sensibel auf Körpersignale. Wer seine Abende im Biergarten genießt, sendet womöglich ungewollt ein deutliches Locksignal.
Was die Studie zeigte
Ein Team der Radboud-Universität in Nijmegen untersuchte das Verhalten von Mücken bei einem großen Musikfestival in den Niederlanden. Dafür richteten die Forschenden ein temporäres Labor in Containern ein und rekrutierten rund 500 freiwillige Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach einem kurzen Fragebogen zu Hygiene, Ernährung und Verhalten wurde der Unterarm in eine mit weiblichen Anopheles gefüllte Kammer gehalten. Eine Kamera zählte Mücken, die in der Nähe der Haut landeten, im Vergleich zu einem Zucker-Spender auf der Gegenseite. Das Bild war eindeutig und erstaunlich klar. Personen, die in den vorangegangenen 12 Stunden Bier konsumiert hatten, zogen 1,35-mal mehr Mücken an, also rund 35 Prozent mehr. Der Effekt blieb bestehen, auch wenn andere Faktoren statistisch berücksichtigt wurden.
Warum Bier Mücken attraktiver macht
Die Ursachen liegen wahrscheinlich in mehreren Mechanismen. Alkohol weitet Blutgefäße in der Haut, wodurch eine leicht höhere Oberflächentemperatur entsteht. Wärme dient Mücken als starkes Orientierungssignal und erleichtert die Lokalisierung von gut durchbluteten Hautstellen für den Stich. Zusätzlich verändert Alkohol kurzfristig Atem- und Hautausdünstungen, also die Mischung aus CO2, flüchtigen Substanzen und Schweißkomponenten. Diese Duftsignatur kann für Mücken „süßer“ und damit verlockender wirken. Einige Forschende diskutieren außerdem, dass bestimmte Stoffwechselprodukte des Alkohols den mikrobiellen Hautfilm beeinflussen. Dieser Mikrobiom-Shift könnte jene Gerüche verstärken, die Mücken besonders mögen. Bemerkenswert ist, dass andere alkoholische Getränke wie Wein in dieser Studie nicht klar mit einer höheren Anziehung verbunden waren. Das deutet darauf hin, dass Bier eine spezifische Kombination aus Inhaltsstoffen und Effekten auf Haut und Atem erzeugen könnte.
Mehr als nur ein Getränk
Die Untersuchung belegt nicht nur den Einfluss von Bier, sondern beleuchtet auch alltägliche Gewohnheiten. In der Auswertung zeigte sich ein Muster, das mit hedonistischem Freizeitverhalten korreliert. „Mücken werden von Menschen angezogen, die Sonnencreme vermeiden, Bier trinken und das Bett teilen – sie haben schlicht ein Herz für die Hedonisten unter uns“, so fassten die Forschenden ihre Ergebnisse zusammen. Wer Sonnencreme konsequent nutzt, sendet oft ein anderes, weniger attraktives Duftprofil. Zudem verwirrt die Schutzschicht den Flug der Mücken über der Haut. Das gemeinsame Schlafen erhöht dagegen die Menge an CO2 und Gerüchen im Raum, was eine kräftige Duftfahne erzeugt und die Insekten schneller anlockt.
Was Sie konkret tun können
Auch wenn Bier nicht komplett vom Speiseplan verschwinden muss, helfen einige Strategien im Alltag. Diese Maßnahmen senken die individuelle Anziehungskraft und das Risiko gestochen zu werden deutlich:
- Vor der Dämmerung besser kein Bier trinken oder den Konsum deutlich reduzieren.
- Hochwirksame Repellents mit DEET, Icaridin oder IR3535 auf exponierter Haut verwenden.
- Sonnencreme korrekt auftragen und erst danach ein Repellent nutzen.
- Helle, lange Kleidung tragen und lockere Stoffe bevorzugen.
- Ventilatoren einsetzen, denn bewegte Luft stört den Anflug der Mücken.
- Duftstoffe wie starkes Parfum, süße Lotionen und fruchtige Deos vermeiden.
- Stehendes Wasser rund ums Haus entfernen, um Brutstätten zu reduzieren.
- Im Schlafzimmer Moskitonetze und engmaschige Gitter verwenden.
Grenzen und Einordnung
Wichtig ist eine nüchterne Einordnung der Daten. Die Studie wurde in einer besonderen Umgebung durchgeführt – einem Festival mit wechselnden Temperaturen, viel Bewegung und vielfältigen Düften. Solche Bedingungen sind realitätsnah, erschweren aber die perfekte Kontrolle aller Variablen. Dennoch ist der Befund robust genug, um praktische Empfehlungen abzuleiten. Ein Experte formulierte es treffend: „Alkoholkonsum kann die Wärmeabgabe der Haut erhöhen und die olfaktorische Signatur verstärken – beides macht uns für Mücken leichter auffindbar.“ Für den Alltag heißt das: Wer abends an warmen Tagen Bier trinkt, sollte an Schutzmaßnahmen denken. Mit wenigen Anpassungen lässt sich die persönliche „Anziehung“ deutlich senken – und der Sommer bleibt trotz Feierabendbier weitgehend stichfrei.