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Mindestlöhne 2026: Welche europäischen Länder zahlen am höchsten?

4. Februar 2026

Mindestlöhne variieren in Europa stark. Euronews Business wirft einen genaueren Blick darauf – sowohl in Eurobeträgen als auch in Kaufkraftbegriffen – Stand Anfang 2026.

Rund 12,8 Millionen Arbeitnehmer in 22 EU-Ländern verdienen einen Mindestlohn oder weniger, wie Euronews basierend auf Eurostat-Daten schätzt.

Infolgedessen beobachten Millionen die Ankündigungen von Mindestlohnerhöhungen genau, um zu sehen, ob sie im neuen Jahr eine angemessene Lohnerhöhung erhalten werden.

Allerdings verzeichnete rund ein Drittel der Mindestlohnerhöhungsberechtigten bis Januar 2026 gegenüber Juli 2025 keine Erhöhung. In vier Ländern gab es im vergangenen Jahr überhaupt keinen Anstieg.

Also, Stand Januar 2026, welche europäischen Länder weisen die höchsten Mindestlöhne auf? Wie viel sind diese Löhne in Kaufkraftkennwerten wert? Und wie verändern sich die Rangfolgen, wenn man nominale Eurobeträge mit der Kaufkraft vergleicht?

Unter den EU-Mitgliedstaaten liegt der monatliche Bruttomindestlohn zwischen 620 € in Bulgarien und 2.704 € in Luxemburg. Wenn man Kandidatenländer einschließt, sticht die Ukraine mit 173 € heraus, gefolgt von Moldawien mit 319 €.

Fünf Länder weisen Mindestlöhne über 2.000 € auf. Neben Luxemburg sind das Irland (2.391 €), Deutschland (2.343 €), die Niederlande (2.295 €) und Belgien (2.112 €).

Unterhalb dieser Spitze liegt Frankreich bei 1.823 €, während Spanien 1.381 € erreicht, was deutlich macht, wie stark die Unterschiede selbst zwischen benachbarten Ländern ausfallen.

Eurostat ordnet die Mindestlöhne somit in drei Kategorien ein: über 1.500 €, zwischen 1.000 € und 1.500 € und unter 1.000 €.

Spanien, Slowenien, Litauen, Polen, Zypern, Portugal, Kroatien und Griechenland fallen in diese mittlere Gruppe. Die Unterschiede zwischen ihnen sind relativ gering.

Weniger als €1.000 in der Hälfte der europäischen Länder

Unter 29 Ländern – 22 EU-Mitglieder und sieben Kandidaten – liegt der Mindestlohn in 15 Ländern unter 1.000 €. Alle EU-Kandidatenländer fallen in diese niedrigste Gruppe. Mehrere osteuropäische Länder sind ebenfalls eingeschlossen.

Zum Beispiel liegt der Mindestlohn in Tschechien bei 924 €, in Ungarn bei 838 €, in Rumänien bei 795 €, in der Türkei bei 654 € und in Albanien bei 517 €. Drei Kandidatenländer haben höhere Mindestlöhne als Bulgarien.

Die untenstehende Karte hebt eine klare geografische Spaltung der nominalen Mindestlöhne in Europa hervor, insbesondere zwischen westlichen und östlichen Ländern.

Die Kaufkraft verengt die Rangfolge

Beim Vergleich der Mindestlöhne zwischen Ländern spielen Kaufkraftstandards (PPS) eine Rolle, weil die Lebenshaltungskosten stark variieren. Nach der Anpassung an die Kaufkraft werden die Lohnunterschiede zwischen den Ländern viel enger, als es in nominalen Eurobeträgen der Fall ist.

PPS bietet einen faireren Vergleich, indem eine künstliche Währung verwendet wird, die das widerspiegelt, was Menschen in jedem Land tatsächlich kaufen können, und so die reale Kaufkraft gegenüber strengen Eurowerten ausgleicht.

Eine PPS ist eine künstliche Währungseinheit, die theoretisch denselben Warenkorb in jedem Land kauft.

Unter Berücksichtigung der PPS liegt der Mindestlohn in den 22 EU-Ländern in PPS-Werten von 886 in Estland bis 2.157 in Deutschland.

Obwohl sich die Ranglisten leicht verändern, bleiben die Top-neun-Länder in Euro- und PPS-Begriffen dieselben.

Abgesehen von Albanien erzielen EU-Kandidatenländer in PPS-Begriffen eine höhere Kaufkraft als mehrere EU-Mitgliedstaaten.

Unter den 27 Ländern, für die sowohl Euro- als auch PPS-Werte verfügbar sind, ist Rumänien der größte Gewinner, dessen Rang sich von 20. auf 12. Platz verbessert. Nordmazedonien verbessert sich ebenfalls und rückt von 26. Platz in Euro-Terminen auf den 20. Platz in PPS.

Serbien steigt von Platz 22 auf Platz 17, während die Türkei drei Plätze nach oben klettert.

Im Gegensatz dazu sind Tschechien und Estland die größten Verlierer, sie verlieren jeweils acht Plätze. Tschechien rutscht von Platz 16 auf Platz 24, Estland von Platz 18 auf Platz 26.

Es gibt keinen gesetzlich festgelegten Mindestlohn in Italien, Österreich und drei nordischen Ländern: Schweden, Dänemark und Finnland.

Wo haben sich die Mindestlöhne nicht verändert?

Unter den EU-Ländern blieb der Mindestlohn zwischen Juli 2025 und Januar 2026 in Belgien, Estland, Griechenland, Spanien, Luxemburg und Slowenien unverändert.

Bulgarien, Ungarn, Litauen und die Slowakei verzeichneten in diesem Zeitraum die größten Zuwächse, jeder um mehr als 11%.

Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 blieb er auch in Estland, Spanien und Slowenien unverändert. In Rumänien blieb der Mindestlohn in der Landeswährung unverändert, sank jedoch leicht in Euro-Terminen über beide Zeiträume hinweg.

Gründe für die Unterschiede

Experten des Europäischen Instituts für Gewerkschaftsforschung (ETUI) stellten fest, dass eine höhere Produktivität die Grundlage für dauerhaft höhere Löhne und Gehälter ist. Volkswirtschaften mit stärkerer industrieller oder finanzieller Aktivität neigen dazu, produktiver zu sein.

Auch High-Tech-Industrien weisen in der Regel eine höhere Produktivität auf. Eine stärkere Verhandlungsmacht der Arbeitnehmerschaft ist ein weiterer entscheidender Faktor.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.