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Nach 50 Jahren endlich bestätigt: Stephen Hawkings legendäre Vorhersage zur Verschmelzung Schwarzer Löcher

20. Februar 2026

Ein kosmisches Labor für starke Gravitation

Die jüngste Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher hat eine zentrale Vorhersage von Stephen Hawking bestätigt. Seit 2015 zeichnen LIGO, Virgo und KAGRA regelmäßig Gravitationswellen auf, doch das Ereignis GW250114 vom 14. Januar 2025 erreichte eine bisher unerreichte Präzision. Damit wurden zugleich die Relativitätstheorie von Einstein und Hawkings Thermodynamik der Horizonte direkt geprüft.

Diese Messung markiert einen methodischen Durchbruch. Aus den fernsten Echos einer kosmischen Kollision lassen sich heute Masse, Drehimpuls und Flächeninhalte mit erstaunlicher Genauigkeit rekonstruieren. Wo früher nur Signale detektiert wurden, beginnt nun eine echte Präzisionsastronomie der starken Gravitation.

Eine beispiellose Verschmelzung im Detail

Am 14. Januar 2025 registrierte das internationale LVK‑Netzwerk ein außerordentlich klares Signal. Der Ereignisname GW250114 steht für eine Verschmelzung zweier stellarer Schwarzer Löcher mit einem Signal‑zu‑Rausch‑Verhältnis von 80, also rund viermal höher als beim historischen GW150914. Diese Klarheit ist Ergebnis eines Jahrzehnts gezielter Optimierung der Interferometer.

Die Ausgangsobjekte besaßen rund 33 und 32 Sonnenmassen; das Endprodukt weist etwa 62 Sonnenmassen auf. Der Rest wurde als Gravitationswellenenergie abgestrahlt, was Form und Dauer des Signals prägt. Laut Patricia Schmidt eröffnet dieser Qualitätssprung „eine Ära der Präzisionsastronomie mit Gravitationswellen“.

Hawkings Flächensatz besteht die härteste Prüfung

Hawking formulierte 1971, dass die Fläche des Ereignishorizonts niemals abnimmt. Dieser „Flächensatz“ entspricht thermodynamisch einer wachsenden Entropie und verbindet Schwerkraft mit statistischer Physik. Bisher fehlten Daten, die getrennt die Anfangs- und Endzustände genügend scharf auflösen.

GW250114 lieferte genau diese Trennschärfe. Die kombinierte Anfangsfläche der beiden Horizonte betrug circa 243.000 km², in der Größenordnung des US‑Bundesstaates Oregon. Die Fläche des finalen Schwarzen Lochs wurde auf etwa 400.000 km² bestimmt, vergleichbar mit Kalifornien. Die Summe ist eindeutig gewachsen – exakt wie Hawking es vorhersagte.

„Das ist der bislang robusteste Beleg für den Zusammenhang von Gravitation, Entropie und Horizont“, betont Maximiliano Isi. Damit treten Schwarze Löcher erneut als reale, thermodynamische Objekte hervor, deren Verhalten nicht nur geometrisch, sondern auch statistisch‑physikalisch begriffen werden muss.

Das Ringdown verrät die Natur nach Kerr

Unmittelbar nach der Verschmelzung vibriert der neue Horizont im sogenannten Ringdown. Diese gedämpften Schwingungen – die quasi‑normalen Moden – sind so charakteristisch wie die „Stimme“ einer Glocke. Ihre Frequenzen hängen ausschließlich von Masse und Spin ab und testen damit die Kerr‑Lösung von Einsteins Feldgleichungen.

Dank der außergewöhnlichen Signalqualität konnten erstmals zwei deutlich unterscheidbare „Töne“ isoliert werden. „Wir haben direkte Belege für die Kerr‑Natur Schwarzer Löcher“, erklärt Gregorio Carullo. Weder verborgene Eigenschaften noch exotische Strukturen sind erforderlich; die Daten zeigen keine messbare Abweichung vom Kerr‑Modell.

Techniksprünge, die das Feld neu definieren

LIGOs 4‑km‑Arme messen Längenänderungen von rund 10⁻²¹ im Strain – Verschiebungen um etwa 10⁻¹⁸ m über 4 km, tausendmal kleiner als der Protonenradius. Aufwendige Isolationssysteme dämpfen seismische, thermische und anthropogene Störungen. Das Ergebnis ist ein Netzwerk, das feine Details in der Wellenform sichtbar macht.

Heute registriert LIGO im Mittel alle drei Tage eine Verschmelzung. Mit KAGRA in Japan und dem geplanten LIGO‑India verbessern sich Lokalisation und Parameterrekonstruktion weiter. „Diese Präzision kann nicht nur Theorien bestätigen, sondern sie im Lichte künftiger Abweichungen auch erneuern“, sagt Feryal Özel.

Warum dieses Ergebnis zählt

GW250114 ist mehr als ein weiteres Ereignis: Es verknüpft Einsteins Geometrie, Hawkings Thermodynamik und die beobachtbare Astronomie in einem einzigen Datensatz. Aus einem klaren Signal wird ein Labor für fundamentale Physik, in dem Flächen wachsen, Klänge aus der Raumzeit erklingen und Theoreme dem direkten Test standhalten.

„Die Raumzeit selbst kann als Messgerät dienen, wenn wir ihre Schwingungen zu lesen lernen.“ Dieses Fazit der Zusammenarbeit LIGO‑Virgo‑KAGRA bringt die neue Rolle der Gravitationswellen auf den Punkt.

  • Bestätigung des Hawking‑Flächensatzes durch präzise Anfangs‑ und Endflächen.
  • Ringdown‑Analyse mit zwei isolierten Modi, konsistent mit der Kerr‑Lösung.
  • Signalstärke SNR = 80, viermal klarer als das erste Ereignis 2015.
  • Technik auf 10⁻¹⁸‑m‑Skalen, Netzwerkbetrieb mit LIGO, Virgo und KAGRA.
  • Perspektive: dichteres Ereignisaufkommen, LIGO‑India und strengere Theorie‑Tests.

Quelle: A. G. Abac et al., „GW250114: Testing Hawking’s Area Law and the Kerr Nature of Black Holes“, Physical Review Letters 135, 111403.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.