Die Entscheidung der EU hat die Debatte über Sicherheit und Gewohnheiten rund um Koffein neu entfacht. Während viele Menschen ihren Tag mit einer Tasse Kaffee beginnen, betont die neue Einordnung die Risiken bei hoher Dosis. Behörden verweisen auf toxikologische Bewertungen, die schon länger vor übermäßiger Aufnahme warnen.
Wissenschaftliche Grundlage und Dosis-Wirkungs-Bezug
Nach Angaben der EFSA beruht die Einstufung auf systematischen Analysen und Risikoprofilen für Koffein. Im Fokus stehen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Thermoregulierung. Daten deuten zudem auf Störungen des Flüssigkeitshaushalts und auf Schlafqualität hin, insbesondere bei höheren Mengen. Wie The Independent berichtete, ist vor allem die Einzeldosis und die tägliche Gesamtmenge entscheidend.
„Entscheidend ist die Dosis, nicht das bloße Vorkommen einer Substanz“, sagt eine Toxikologin mit Blick auf die neuen Einstufungen.
Besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen
Besonders verletzlich sind Kinder und Schwangere, bei denen schon moderat erhöhte Mengen kritisch sein können. Studien verknüpfen hohe Zufuhr in der Schwangerschaft mit niedrigerem Geburtsgewicht, einem relevanten neonatalen Risikofaktor. Auch Personen mit Herzrhythmusstörungen oder ausgeprägter Angstneigung können empfindlich reagieren.
Was konkret betroffen ist
Die Regelung zielt vor allem auf Produkte mit sehr hoher Koffeinkonzentration in Rohform oder als Zusatzstoff. Darunter fallen etwa stark dosierte Nahrungsergänzungen oder einzelne industrielle Anwendungen. Übliche Lebensmittel wie Kaffee, Tee oder handelsübliche Energydrinks werden weiterhin über eigene Vorschriften adressiert.
Kontext: Pflanzenschutz und frühere Debatten
Die Einstufung steht auch im Zusammenhang mit Beschränkungen beim Einsatz als Pestizid und bei Phytosanitärmitteln. Sie fügt sich in eine längere Linie europäischer Gefahrstoffpolitik und Vorsorgeprinzipien ein. Vergleiche wurden mit früheren Diskussionen um Coumarin in Zimtprodukten gezogen, die ebenfalls stark polarisierten.
Geteilte Reaktionen aus Politik und Wissenschaft
Politisch reichen die Reaktionen von vorsichtiger Zustimmung bis scharfer Kritik. Der dänische Abgeordnete Anders Vistisen sprach laut The Telegraph von übermäßiger Einmischung der Institutionen. Fachkreise betonen indes, dass „gefährlich“ im rechtlichen Sinn eine Gefahrklassifizierung meint, nicht automatisch ein hohes Alltagsrisiko. Entscheidend bleibt die Exposition im Verhältnis zur Dosis, also wie viel und wie schnell aufgenommen wird.
Praktische Folgen für Markt und Verbraucher
Für Hersteller hochdosierter Produkte könnten strengere Kennzeichnungen und ergänzende Sicherheitsnachweise folgen. Energiegetränke unterliegen bereits besonderen Hinweisen zur Koffeinmenge, doch die Schwelle für Warnungen könnte nachgezogen werden. Verbraucher sollten auf die Portionsgröße und die individuelle Empfindlichkeit achten, da physiologische Effekte stark variieren. Als grobe Orientierung gelten für gesunde Erwachsene moderate Aufnahmemengen, während empfindliche Gruppen deutlich vorsichtiger sein sollten.
Welche Effekte bei zu hoher Dosis möglich sind
- Erhöhte Herzfrequenz und subjektive Unruhe
- Beeinträchtigte Schlafdauer und reduzierte Schlafqualität
- Verstärkte Angstsymptome oder nervöse Anspannung
- Störungen der Thermoregulation und des Flüssigkeitshaushalts
- In der Schwangerschaft erhöhtes Risiko für geringes Geburtsgewicht des Neugeborenen
Was jetzt wichtig wird
Im nächsten Schritt sind klare Leitlinien zur Umsetzung und zur Kommunikation nötig, damit Verbraucher die Einstufung richtig einordnen. Transparente Etiketten und verständliche Risikohinweise können helfen, Überkonsum zu vermeiden, ohne den moderaten Genuss zu stigmatisieren. Damit bleibt Raum für informierte Entscheidungen im Alltag, während gleichzeitig ein höheres Maß an Schutz für sensible Gruppen erreicht wird.