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Spanische Esel-Feuerwehr verhindert Brände in einem wichtigen Nationalpark

20. April 2026

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Mehrere Projekte in Doñana, Galicien und Katalonien setzen Esel ein, um Wälder zu lichten und das brennbare Unterholz zu reduzieren.

Jeden Sommer verwüsten Waldbrände in Spanien Tausende Hektar. Steigende Temperaturen, Dürren und die Abwanderung aus ländlichen Gebieten, wodurch weniger Menschen und Vieh vorhanden sind, haben die Ansammlung trockener Vegetation begünstigt und weite Gebiete in Brennstoff verwandelt.

Um die Situation zu beheben, haben einige Regionen eine alte, zugleich innovative Lösung gewählt: Esel als vorbeugendes Mittel gegen Brände einzusetzen. Diese Tiere, die Menschen seit mehr als 7.000 Jahren begleiten, kehren in die Hänge zurück, um das Unterholz auf beständige, natürliche Weise zu roden.

Die Dringlichkeit wächst. Bis August 2025 hatten in verschiedenen Regionen des Landes fast eine Million Hektar gebrannt, die schlimmste Bilanz seit drei Jahrzehnten. Das Ausmaß der Krise führte dazu, dass Katastrophengebiete in Kastilien und León, Galicien, Asturien, Extremadura, Madrid und Andalusien erklärt wurden. Angesichts dieser Bedrohung bietet die stille Arbeit der Esel eine langsame, aber wirksame Strategie: Täglich auf der Vegetation zu grasen, die die Brände nährt.


Eine der Waldbrände, die Rebordondo in der Nähe von Orense (Galicien) letzten Sommer verwüsteten.


Die Ursprünge der ‚Feuerwehr-Esel‘

Seit 2014 patrouillieren 18 Esel des Vereins El Burrito Feliz an den Rändern des Doñana-Nationalparks. Die Tiere, aus der Aussetzung gerettet, seien laut dem Präsidenten Luis Manuel Bejarano „pflanzenfressende Feuerwehrleute“ geworden.

Mortadelo, Magallanes, Leonor und Ainoa gehören zu dieser ungewöhnlichen Brigade. Sie arbeiten bis zu sieben Stunden am Tag, von März bis November, und beweiden Streifen von etwa 40 Metern mal 15 Metern. Jeden Tag entfernen sie trockene Vegetation und reduzieren das Brandrisiko in den ihnen zugewiesenen Gebieten.

Die Strategie hat sich ausgezahlt: Doñana hat neun Jahre lang keinen Waldbrand verzeichnet. Das Projekt hat sogar das Interesse der Militärischen Notfalleinheit geweckt, deren Personal den Park besuchte und symbolisch „eines der Tiere“ adoptiert hat.

Auch erhalten die Esel Unterstützung von Freiwilligen der Gruppe Mujeres por Doñana, die ihnen Wasser bringen und ihre Arbeit in Bereichen überwachen, die von Fahrzeugen nicht erreicht werden können.

Experten weisen darauf hin, dass Esel Eigenschaften besitzen, die für diese Aufgabe besonders nützlich sind. Im Gegensatz zu Kühen oder Schafen können sie deutlich trockenere, rauere Vegetation fressen und beständig das Gebüsch abweiden, das Brände begünstigt.

Rosa María Canals, Professorin für Ökologie an der Öffentlichen Universität Navarra, betont, dass die Beweidung durch Esel die Vegetationsmenge reduziere und dazu beitrage, Brände in Landschaften einzudämmen, die immer dichter und trockener würden.

Seit Jahrzehnten führte die Mechanisierung der Landwirtschaft zum allmählichen Verschwinden dieser Tiere. Ihre Abwesenheit, zusammen mit der ländlichen Abwanderung und dem Verlassen traditioneller Beweidung, hat zum Aufbau von natürlichem Brennstoff in den Hügeln beigetragen.

Another Spanish donkey posing for the camera.

Ein weiterer spanischer Esel posiert für die Kamera.


Von Doñana nach Katalonien und Galicien

Das Modell hat sich auf andere Regionen ausgeweitet. In Tivissa (Tarragona) hat das Burros Bomberos-Projekt, das 2020 mit drei Tieren begann, nun rund 40 Tiere, die sich auf fast 400 Hektar erstrecken. Seit ihrer Einführung berichten die Befürworter, dass es in der Region keine Brände gegeben hat.

In Allariz (Ourense) verwendet die Andrea-Vereinigung Esel, um fast 1.000 Hektar in einem Biosphärenreservat zu pflegen. Ausgestattet mit GPS legen die Tiere bis zu 19 Kilometer pro Tag zurück, während sie das Gebüsch abweiden. Ähnliche Initiativen sind auch in Katalonien, Galicien und dem Baskenland entstanden und verbinden Umweltschutz, ländliche Erneuerung und Brandprävention.

Die Verantwortlichen dieser Projekte betonen jedoch, dass Esel kein Allheilmittel seien. Waldplanung, Flächenbewirtschaftung und die Reduzierung hoch entzündlicher Arten wie Kiefer oder Eukalyptus bleiben entscheidend.

Dennoch erweist sich die Rückkehr dieser Tiere als ein wirksames, nachhaltiges Instrument. In einem Kontext zunehmend intensiverer Brände könnte die Antwort paradoxerweise darin bestehen, altbewährte Praktiken wiederzubeleben, um die Landschaften der Zukunft zu schützen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.