Das Geschäftsklima in Deutschland stieg im Mai unerwartet an, brach eine Serie von Rückgängen, die mit dem Iran-Krieg verbunden waren, und bot vorsichtigen Optimismus, dass Europas größte Volkswirtschaft widerstandsfähiger ist als zunächst befürchtet.
Der eng beachtete ifo-Geschäftsklimaindex Deutschlands stieg im Mai auf 84,9 Punkte, nach 84,5 Punkten im April, wie am Freitag veröffentlichte Daten zeigen.
Der ifo-Geschäftsklimaindex gilt als ein hoch angesehener Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, der monatlich vom in München ansässigen ifo-Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht wird.
Wirtschaftsfachleute hatten erwartet, dass sich die Stimmung leicht abschwächen würde, da höhere Energiepreise und geopolitische Unsicherheit weiterhin auf den Industriesektor Europas lasten.
Die Umfrage im Mai, basierend auf Antworten von rund 9.000 Unternehmen, zeigte, dass die Firmen sowohl über ihre aktuelle Lage als auch über ihre zukünftigen Aussichten im Bereich Fertigung, Dienstleistungen und Handel optimistischer geworden waren. Doch das Vertrauen bei Bauunternehmen fiel leicht.
„Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich vorerst, obwohl die Lage weiterhin fragil bleibt“, sagte der ifo-Präsident Clemens Fuest in einer Stellungnahme, die der Umfrage beigefügt war.
Erhöhte Staatsausgabenpläne für Verteidigung und Infrastruktur könnten dazu beitragen, einen Teil der wirtschaftlichen Belastung auszugleichen. Deutschland bemüht sich seit langem, das Wachstum wiederzubeleben, nachdem es zu einer längeren Phase industrieller Schwäche und schwacher Inlandsnachfrage gekommen war.
Trotz der moderaten Verbesserung bleibt das gesamtwirtschaftliche Geschäftsklima im historischen Vergleich schwach und nahe an dem Niveau, das Ende 2024 gesehen wurde.
Bedenken hinsichtlich der Schifffahrt durch die Straße von Hormuz, eine wichtige Route für globale Öl- und Gaslieferungen, trieben die Energiekosten nach oben und erhöhten den Druck auf den deutschen Fertigungssektor, der weiterhin stark vom industriellen Energieverbrauch abhängt.
Jens-Oliver Niklasch, Analyst bei der deutschen Bank LBBW, beschrieb die Zahlen als „kleine positive Überraschung“. Niklasch sagte, dass viele Unternehmen nach wie vor solide Auftragsbücher hätten, was die Aktivität unterstützen könnte, falls der äußere Druck nachlasse.
Exporte helfen Deutschland, eine erneute Schrumpfung zu vermeiden
Das Statistische Bundesamt bestätigte außerdem, dass die Wirtschaft im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 % gewachsen ist, im Einklang mit vorläufigen Schätzungen. Die Expansion wurde hauptsächlich durch stärkere Exporte getragen.
Die Zahlen fügten sich zu Anzeichen, dass sich die deutsche Wirtschaft nach einer knapp vermiedenen Rezession in den letzten Quartalen stabilisieren könnte.
Allerdings warnen Ökonomen weiterhin davor, dass geopolitische Spannungen, volatile Energiemärkte und schwache globale Nachfrage das Wachstum später im Jahr doch beeinträchtigen könnten.
Während die jüngste Geschäftsumfrage auf eine zunehmende Widerstandsfähigkeit der deutschen Betriebe hindeutet, sagten Analysten, dass der breitere Ausblick stark von Entwicklungen im Nahen Osten und auf Energiemärkten abhängt.