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Polens Schulden über 500 Mrd. € – Rekordtempo bei Kreditaufnahme

27. Juli 2026

Polen gehört nun zu den am schnellsten verschuldenden Ländern der Europäischen Union. Laut den neuesten Eurostat-Daten verzeichneten nur Finnland und Bulgarien im ersten Quartal 2026 einen größeren Anstieg der Verschuldungsquote des öffentlichen Sektors gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt (Schuldenquote).

Polen gehört nun zu den am stärksten verschuldenden Ländern der Europäischen Union. Laut den neuesten Eurostat-Daten verzeichneten im ersten Quartal 2026 nur Finnland und Bulgarien eine größere Zunahme ihrer öffentlichen Verschuldungsquote im Verhältnis zum BIP.

Gleichzeitig berichtete das polnische Finanzministerium, dass die Staatshaushaltsverschuldung Ende Mai 2,135 Billionen Zloty (€492 Milliarden) überschritten hat, was seit Jahresbeginn einem Anstieg von nahezu 184 Milliarden Zloty (€42,5 Milliarden) entspricht.

Vorläufige Schätzungen deuten darauf hin, dass die Verschuldung im Juni um weitere 53,7 Milliarden Zloty gestiegen ist, was insgesamt auf nahezu 2,19 Billionen Zloty (€505 Milliarden) erhöht.

Polen gehört zu Europas Führenden beim Schuldenwachstum

Eurostat-Daten zeigen, dass sich bis zum Ende des ersten Quartals die Verschuldungsquote des allgemeinen Staates Polens gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 4,5 Prozentpunkte erhöht hat. Dies war der drittgrößte Anstieg in der Europäischen Union. Nur Finnland (plus 5,5 Prozentpunkte) und Bulgarien (plus 4,8 Prozentpunkte) verzeichneten größere Zuwächse.

Gleichzeitig liegt Polens Gesamtverschuldung deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Ende des ersten Quartals 2026 betrug sie 61,6% des BIP, gegenüber dem EU-Durchschnitt von rund 82,9%. Zum Vergleich liegt Griechenlands Verschuldung bei über 143,5% des BIP, Italiens bei ca. 138,9% und Frankreichs bei mehr als 117,6%.

Polens Staatsschuld, berechnet nach der Methodik von Eurostat, hat damit die Schwelle von 60% überschritten, die gemäß der polnischen Verfassung die Regierung dazu verpflichten würde, erhebliche Ausgabenkürzungen vorzunehmen.

Staatshaushaltsverschuldung übersteigt 2,1 Billion Zloty (€484 Milliarden)

Die Zahlen des Finanzministeriums zur Staatshaushaltsverschuldung sind noch auffälliger. Diese Verschuldung entspricht nicht identisch der EU-Definition der öffentlichen Verschuldung, bildet aber den größten Bestandteil davon.

Ende Mai 2026 belief sich die Staatshaushaltsverschuldung auf 2,135 Billionen Zloty (€492 Milliarden). Allein im Mai stieg sie um 46,8 Milliarden Zloty (€10,8 Milliarden), und seit Jahresbeginn hat sie sich um 183,7 Milliarden Zloty (€42,4 Milliarden) erhöht, oder 9,4%.

Nach vorläufigen Schätzungen des Finanzministeriums hatte die Verschuldung bis Ende Juni bereits rund 2,189 Billionen Zloty (€505 Milliarden) erreicht, was auf einen weiteren monatlichen Anstieg von mehr als 53 Milliarden Zloty (€12,2 Milliarden) hindeutet.

Der Haupttreiber dieses Wachstums waren die Kreditbedürfnisse des Staatshaushalts, verbunden mit der Finanzierung eines hohen Defizits und dem Aufbau von Mitteln, die in Haushaltskonten gehalten werden.

Historisch hoher Kreditbedarf

Der Umfang der Emission von Anleihen in diesem Jahr ist beispiellos. Im Jahr 2026 plant das Finanzministerium, rund 138,6 Milliarden Zloty (€32 Milliarden) an netto neuem Finanzierungsbedarf aufzunehmen, die höchste Zahl in der Geschichte der polnischen öffentlichen Finanzen.

Diese erheblichen Kreditbedarfe resultieren vor allem aus einem Rekorddefizit des Haushalts und dem Bedarf, zuvor ausgegebene Anleihen zu refinanzieren. Ein erheblicher Teil der Emissionen wird im Voraus durchgeführt, um sicherzustellen, dass der Staat über ausreichende Liquidität verfügt und die Risiken einer Verschlechterung der Marktbedingungen zu begrenzen.

Wer leiht Polen Geld?

Die Schuldenstruktur zeigt, dass Polen sich überwiegend am heimischen Markt finanziert. Endes Mai lagen etwa 80% der Staatshaushaltsverschuldung im Inland, während knapp 20% aus externen Verbindlichkeiten bestanden.

Die größten Gläubiger bleiben inländische Banken und der inländische Nicht-Bankensektor, obwohl fast 29% der Verschuldung auch von ausländischen Investoren gehalten werden.

Das Finanzministerium betont, dass der Anteil der in Fremdwährungen denominierte Verschuldung unter 20% liegt, deutlich unter seiner strategischen Obergrenze von 25%. Diese Struktur reduziert das Risiko, das aus Wechselkursschwankungen resultiert.

Gibt es Anlass zur Sorge?

Der Anstieg der Verschuldung allein bedeutet nicht automatisch eine Verschlechterung des Staatshaushalts. Die entscheidenden Faktoren sind das Tempo des Wirtschaftswachstums, die Größe des Defizits und die Kosten für die Bedienung der Verschuldung.

Derzeit liegt Polens Verschuldung zwar unter dem EU-Durchschnitt. Zugleich gehört sie jedoch zu den am schnellsten wachsenden im Block, was es in den kommenden Jahren zunehmend schwierig machen wird, stabile öffentliche Finanzen zu bewahren und die Kosten für die Schuldentilgung unter Kontrolle zu halten.

Wirtschaftsexperten weisen darauf hin, dass, wenn das hohe Defizit über längere Zeit anhält und das Wirtschaftswachstum nachlässt, der Spielraum für weitere Erhöhungen der öffentlichen Ausgaben schrittweise schrumpfen wird.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.