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Überreste zweier Wehrmacht-Soldaten aus der Donau gefunden: Einer diente in der Waffen-SS

15. August 2026

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Ein Motorrad der Wehrmacht wird aus der Donau geborgen; darunter befinden sich die Überreste zweier deutscher Soldaten mit Erkennungsmarken, von denen vermutlich einer der Waffen-SS angehört. Experten untersuchen nun die Knochen: Wie alt waren sie, und sind sie über eine Mine gefahren?

Über mehr als acht Jahrzehnte lagen die Überreste zweier deutscher Soldaten im Schlamm der Donau. Nur der außergewöhnlich niedrige Wasserstand des Flusses in Budapest hat ihre Geschichte wieder ans Licht gebracht.

Beide Leichen trugen noch intakte Erkennungsmarken der Wehrmacht, was den Ermittlern eine ungewöhnlich gute Chance gibt, die Männer auch mehr als 80 Jahre später zu identifizieren.

Die Entdeckung hängt eng zusammen mit einem bemerkenswert gut erhaltenen DKW NZ 350-1-Motorrad, das Anfang August am Buda-Ufer der Donau gefunden wurde.


The Second World War motorcycle is being cleaned and restored in the hangar of the Museum of Military History in Budapest.


Unter dem oder unmittelbar neben dem Motorrad stießen Mitarbeitende des Ungarischen Instituts und Museums für Militärgeschichte auf die menschlichen Überreste. Volksbund-Mitarbeiter Gábor Kohlrusz hob die Knochen der beiden Männer aus dem freiliegenden Flussbett.

Seit vielen Jahren arbeitet Kohlrusz im Auftrag des Volksbundes in Ungarn daran, gefallene Soldaten zu bergen, zu überführen und zu dokumentieren. Zu seinen Aufgaben gehört die Suche, Bergung und Dokumentation der deutschen Kriegsopfer sowie die Sicherung persönlicher Gegenstände und Erkennungsmarken. Zusammen mit Historikern und lokalen Partnern hilft er dabei, die Identitäten der Gefallenen festzustellen und Licht auf längst ungeklärte Kriegsenschicksale zu werfen.

Two identity discs and a Kuban sleeve shield were found with the bodies.

Two identity discs and a Kuban sleeve shield were found with the bodies.


Zwei tote Männer, die vermutlich noch als vermisst galten

Im Zweiten Weltkrieg war die Erkennungsmarke eines gefallenen deutschen Soldaten in zwei Hälften zerlegt worden: Eine Hälfte blieb beim Leichnam, die andere wurde an das Wehrmachts-Informationsamt in Berlin geschickt, damit Todesfälle gemeldet und Angehörige informiert werden konnten.

Da beide aus der Donau geborgenen Erkennungsmarken noch vollständig waren, deutet dies darauf hin, dass ihre Familien wahrscheinlich vergeblich auf eine offizielle Benachrichtigung warteten.

Zusätzlich zu den Erkennungsmarken wurden auch ein Ehering und ein Kuban-Schild am Ärmel gefunden. Wird das Abzeichen eindeutig einem der beiden Toten zugeordnet, könnte dies einen wichtigen Hinweis auf seine Militärlaufbahn geben. Der Kuban-Schild wurde deutschen Soldaten verliehen, die 1943 am Kuban-Brückenkopf an der Ostfront dienten. Die Auszeichnung wurde im September desselben Jahres eingeführt.

Kuban sleeve shield: the decoration, instituted in 1943, was awarded to German soldiers deployed at the Kuban bridgehead on the Eastern Front.

Kuban sleeve shield: the decoration, instituted in 1943, was awarded to German soldiers deployed at the Kuban bridgehead on the Eastern Front.


Wenn sich bestätigt, dass einer der beiden Soldaten den Schild getragen hat, würde dies darauf hindeuten, dass er vor seinem Tod bereits mehrere Jahre an der Ostfront gedient hatte.

Arne Schrader, Leiter der Abteilung Kriegsgräberdienst und Internationaler Beziehungen, weiß, wie anspruchsvoll eine solche Zuschreibung sein kann. Mehrere Untersuchungen sind nötig, um festzustellen, ob die beiden Erkennungsmarken wirklich zu den gefundenen Leichen gehören. Die Namen der ursprünglichen Träger könnten vergleichsweise zügig ermittelt werden. Doch das allein reicht bei Weitem nicht aus, um ihre Identitäten zu bestätigen.

Identifizierung der Verstorbenen ist ein mühsamer Prozess

Ausgangspunkt ist eine detaillierte Untersuchung der Überreste. Selbst die Länge einzelner Knochen kann Hinweise auf die Größe der Verstorbenen geben. Soweit möglich, werden verschiedene Knochen hierfür herangezogen – zum Beispiel die Unter- und Oberschenkelknochen. Zusammengenommen ergeben diese Befunde allmählich ein Bild, das mit den bekannten Daten zu den möglichen Trägern der Erkennungsmarken verglichen werden kann.

Es gibt verschiedene anatomische Indikatoren für das Alter der Soldaten, die es den Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit ermöglichen, zu beurteilen, ob ein Knochen zu einer Person unter 20, zwischen 20 und 25 oder zu einer älteren Person bis über 40 gehörte.

Wie alt die beiden Soldaten tatsächlich waren, ist noch nicht bekannt. Die anthropologische Analyse der Überreste soll unter anderem anhand von Knochen, Epiphysen und Weisheitszähnen ihr ungefähres Alter bestimmen.

„Hier können unter anderem das Sakrum und die Epiphysen an den langen Knochen bewertet werden, und auch die Weisheitszähne können Informationen liefern,“ erklärt Arne Schrader. Zahnfüllungen können außerdem Hinweise auf die Herkunft einer Person geben: Zähne mit Amalgamfüllungen deuten darauf hin, dass der Verstorbene wahrscheinlich aus Westeuropa stammt.

Eine der auf der Donau gefundenen Erkennungsmarken gehörte einem Wehrmacht-Soldaten, die andere einem Mitglied der Waffen-SS.

Es bleibt jedoch zu klären, ob die Erkennungsmarken tatsächlich zu den beiden gefundenen Leichen passen. Jede vorläufige Zuordnung durch den Volksbund müsste anschließend durch die Bundesarchive offiziell bestätigt werden.

Rund 900.000 Menschen dienten im Verlauf des Krieges in der Waffen-SS. Sie umfassten engagierte Nationalsozialisten und ausländische Freiwillige, aber auch, insbesondere gegen Kriegsende, Wehrpflichtige und Minderjährige. Die Waffen-SS war für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich und beteiligte sich am Holocaust; 1946 erklärte der Nürnberger Kriegsverbrecherprozess sie zu einer kriminellen Organisation.

As the water level of the Danube falls, the river reveals this motorcycle.

As the water level of the Danube falls, the river reveals this motorcycle.


Der Fundort befand sich in einem Bereich, in dem Hafenschlamm sich mit Gasöl vermischt hatte. Diese ungewöhnlichen Bedingungen hat offenbar dazu beigetragen, beide Teile des Motorrads sowie die Erkennungsmarken in bemerkenswert gutem Zustand zu erhalten.

Der Volksbund kann nun die Details auf den Erkennungsmarken mit militärischen Akten, Vermisstenmeldungen und seinem eigenen Dienst „Gräbersuche online“ abgleichen, einer Datenbank, die mittlerweile rund 5,4 Millionen Einträge enthält.

Was hat die DKW NZ 350-1 mit den Soldaten zu tun?

Nach dem heutigen Wissensstand handelt es sich bei dem Motorrad um eine DKW NZ 350-1, gefertigt in Sachsen. Dieses Modell ist ab 1944 speziell für den Einsatz im Krieg entwickelt worden.

Jedoch beweist die bloße Tatsache, dass das Motorrad zusammen mit den beiden Verstorbenen gefunden wurde, nicht zwingend, dass die Soldaten tatsächlich darauf unterwegs waren.

Mehrere Szenarien sind denkbar: Die beiden Männer könnten das Motorrad selbst gefahren haben, einer als Fahrer und der andere als Beifahrer. Ebenso gut möglich ist, dass die DKW zu einer Einheit gehörte, während die beiden Soldaten aus einem anderen Kontext stammen. Das Motorrad könnte den Ort auch erst nach dem Tod der Männer erreicht haben. Die Maschine könnte während der Kämpfe in die Donau geraten sein oder später dort absichtlich versenkt worden sein.

A Wehrmacht motorcycle recovered from the Danube in Budapest (c) Volksbund für Kriegsgräberfürsorge

A Wehrmacht motorcycle recovered from the Danube in Budapest (c) Volksbund für Kriegsgräberfürsorge


Amunition wurde ebenfalls am Flussbett gefunden

Bei den Bergungsarbeiten musste der Sprengdienst hinzugezogen werden, denn neben anderem Gerät wurden Type-35-Tellerminen – deutsche Panzerabwehrminen aus dem Zweiten Weltkrieg – entdeckt.

Das Ungarische Militärgeschichts-Institut (Quelle auf Deutsch) (Quelle auf Ungarisch) hält es für möglich, dass der Fundort eine Ablagerungsstelle für Kriegsgerät und Müll war, der nach dem Ende der Belagerung entstanden ist. Es ist noch nicht sicher feststellbar, ob die Gegenstände hier absichtlich entsorgt wurden oder unter welchen Umständen.

Ein Zusammenhang mit der Schlacht um Budapest?

Historisch ist ein Zusammenhang mit den Kämpfen um Budapest plausibel.

Die Schlacht um Budapest dauerte vom Ende Oktober bzw. Anfang November 1944 bis zum 13. Februar 1945 und gehörte zu den blutigsten und umkämpftesten Schlachten der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Ungarn. Budapest wurde von deutschen und ungarischen Einheiten gegen die sowjetische Rote Armee und rumänische Kräfte verteidigt. Nachdem die Stadt Ende Dezember 1944 eingekesselt war, verwandelte sich die Schlacht in eine langwierige Belagerung, die mit der Einnahme von Budapest durch sowjetische Truppen am 13. Februar 1945 endete.

Die Kämpfe waren extrem heftig und kosteten auf beiden Seiten zahlreiche Leben.

Heute ist der Deutsche-ungarische Kriegsfriedhof in Budaörs, westlich von Budapest, die größte Grabstätte für deutsche und ungarische Kriegsopfer in Ungarn. Es ist die letzte Ruhestätte vor allem derjenigen, die in Budapest und in Gebieten östlich der Donau gefallen sind. Laut dem Volksbund sind dort inzwischen 16.630 Tote bestattet.

The remains of the two Wehrmacht soldiers will be buried at the Budaörs war cemetery near Budapest.

The remains of the two Wehrmacht soldiers will be buried at the Budaörs war cemetery near Budapest.


Ob die beiden Männer aus der Donau tatsächlich während der Schlacht um Budapest gefallen sind, wird erst künftige Forschung zeigen. Klar ist bereits jetzt, dass ihre Überreste auf dem Kriegsfriedhof in Budaörs bestattet werden.

Die Entdeckung zeigt, wie viele Spuren der Vergangenheit noch heute in Europas Flüssen verborgen liegen. Die Donau war nicht nur in Kriegszeiten eine wichtige Transit- und Handelsroute.

Der Volksbund geht ausdrücklich davon aus, dass der derzeit niedrige Wasserstand auch dazu führen könnte, dass weitere Kriegsopfer aus freigelegten Wracks geborgen werden.

Der Fund in Budapest könnte daher nicht der letzte seiner Art sein.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.