Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Berlin bietet kostenlosen Eintritt zum Müllsammeln, um Touristen zum Mitmachen zu bewegen

18. April 2026

,

Besucher Berlins könnten diesen Sommer Gutscheine erhalten, wenn sie Müll sammeln. Das BerlinPay-Programm lehnt sich an Kopenhagen an und verknüpft umweltbewusstes Verhalten mit erfreulichen Belohnungen.

Berlin möchte diesen Sommer seine beste Seite zeigen und ruft Touristen dazu auf, ihren Teil beizutragen. Das ist zumindest die Grundidee hinter dem „BerlinPay“-Programm.

Jeder, der teilnimmt, etwa durch Müllsammeln oder die Unterstützung sozialer Projekte, erhält im Gegenzug Vergünstigungen in Museen, teilnehmenden Restaurants oder Berlin-Erlebnissen. Nachhaltiges Verhalten der Reisenden soll sichtbar belohnt werden. Das Konzept ist nicht neu; die ursprüngliche Idee stammt aus Kopenhagen.

BerlinPay: Müllsammeln für Berlins Sommer

Die Stadt Berlin sucht noch nach passenden Partnern, denn die Belohnungen müssen sich lohnen.

Berlin hofft auf einen Tugendkreis: Die Menschen engagieren sich, schätzen ihre Umgebung und ihr Viertel stärker und fühlen sich selbst wiederum wertgeschätzt. Das wird belohnt durch eine positive Erfahrung, die wiederum zu mehr Engagement führen könnte. So beschreibt die Stadt das Modell auf der Website der Tourismusagentur visit Berlin.

Ziel ist es laut Angabe, ein bewussteres Verhalten am und auf dem Wasser zu fördern. Das Jahresthema der Hauptstadt ist Wasser-Tourismus. Das Projekt wird folgendermaßen erklärt: Wer Müll sammelt, dabei hilft, das Viertel auf Vordermann zu bringen oder soziale Projekte unterstützt, erhält von den teilnehmenden Partnern Anerkennung in Form von kleinen Vergünstigungen oder speziellen Berliner Erlebnissen.

Berlin sucht nun nach Unternehmen und Initiativen, die teilnehmen möchten. Der Fokus liegt auf Einrichtungen mit Bezug zu Berlins Wasserlandschaften, wie Mobilitätsanbieter, Wassersport- und Tourismusbetriebe, Restaurants sowie kulturelle und Bildungseinrichtungen. Welche Angebote letztlich entstehen, soll flexibel sein und von kleinen Zusatzleistungen bis hin zu eigensysteme Sonderaktionen reichen.

BerlinPay soll im Sommer 2026 als „Kampagnenformat“ gestartet werden, unter dem in diesem Jahr geltenden Motto der Hauptstadt: Wasser-Tourismus. Das Projekt wird vom Berliner Senatsverwaltungsamt für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützt. Das vollständige Programm soll Mitte Mai vorgestellt werden; Fragen zu Details bleiben bis dahin unbeantwortet.

Können Touristen Berlins Müllproblem lösen?

Inzwischen hat Berlin ein immer größer werdendes Müllproblem. Es ist jedoch sicher anzunehmen, dass illegale Ablagerungen, wie weggeworfene Möbelstücke und alte Waschmaschinen, kaum den Besuchern angelastet werden können.

Die Kosten für die Beseitigung illegal entsorgter Abfälle in Berlin beliefen sich im letzten Jahr auf rund 13,1 Millionen Euro, nach rund 10,3 Millionen im Vorjahr, laut Berichten des Berliner Stadtreinigungsdienstes. Das Ordnungsamt im Bezirk Neukölln meldete jährlich 15.000 Beschwerden wegen Müll.


Berlin has a rubbish problem. Should tourists be the ones to fix it in future?


Neben illegal entsorgtem Sperrmüll tragen auch kleinere Gegenstände wie Zigarettenkippen und Verpackungen wesentlich zur Verschmutzung öffentlicher Plätze bei. Die Berliner Politiker reagieren zunehmend mit härteren Maßnahmen. Ein zentraler Ansatz ist eine deutliche Erhöhung der Bußgelder. Ein strengerer Bußgeldkatalog ist seit Ende 2025 in Kraft: Das Wegwerfen einer Zigarettenkippe kostet jetzt bis zu 250 Euro statt zuvor 55 Euro, und in schweren Fällen bis zu 3.000 Euro.

Illegale Sperrmüllablagerungen können je nach Volumen mit Bußgeldern zwischen 1.500 und 11.000 Euro belegt werden, bei Gefahrstoffen bis zu 15.000 Euro. Zusätzlich zu höheren Strafen setzt die Stadt auch auf verstärkte Kontrollen und mehr Personal in den Ordnungsämtern. Ziel ist es, Müllverstöße häufiger zu erfassen und die Regeln konsequenter durchzusetzen.

Kopenhagen als Vorbild: Bootsfahrt bei Anreise mit dem Zug

Erste Reaktionen auf das Programm in Berlin sind gemischt. „Eine schöne Art, den Urlaub zu verbringen?“, fragt ein Internetnutzer sarkastisch auf der Plattform X. Ein anderer scherzt, dass Handschuh, Besen und Schaufel bereits bereithängen. Einige argumentieren, die Stadt sollte zuerst vor ihrer eigenen Tür kehren, wörtlich genommen.

Andere sehen die Idee jedoch als innovativ. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, wo das Konzept seit 2024 besteht, zeigen Studien eindeutig positive Effekte. Im Rahmen des Programms „CopenPay“ erhalten Touristen Belohnungen wie Bootstouren oder kostenlosen Fahrradverleih für besonders nachhaltiges Verhalten. Gutscheine gibt es auch, wenn man nachweist, dass man mit dem Zug statt mit dem Flugzeug dorthin gereist ist.

For two years now Copenhagen has been rewarding tourists for sustainable behaviour.

For two years now Copenhagen has been rewarding tourists for sustainable behaviour.


Nach einer Umfrage hat das CopenPay-Programm 70 Prozent der Touristen dazu gebracht, umweltbewusste Gewohnheiten zu übernehmen. Das war das Ergebnis von Wonderful Copenhagen, der Tourismusorganisation der Region der dänischen Hauptstadt.

Sieben von zehn Touristen verlassen Kopenhagen mit neuen Vorsätzen

Besucher in Kopenhagen, die ihren Abfall trennen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen und Aktivitäten wie Radfahren wählen oder an Biodiversitäts-Workshops teilnehmen, können sich über Gutscheine freuen. In einem Pilotprojekt im Jahr 2024 nahmen 5.000 Touristen teil; im folgenden Sommer waren es bereits 25.000. Die Organisatoren meldeten einen Anstieg der Fahrradverleihe um 59 Prozent und starkes Interesse aus Städten in ganz Europa.

„Wenn Menschen im Urlaub sind, sind sie offener für neue Ideen, und mit CopenPay haben wir gezeigt, dass Touristen nicht nur bereit sind, teilzunehmen, sondern auch davon inspiriert sind, mehr mit nach Hause zu nehmen als nur ein Selfie mit der kleinen Meerjungfrau; sie nehmen neue Gewohnheiten mit nach Hause“, sagte Rikke Holm Petersen, Leiterin Kommunikation und Verhaltensforschung bei Wonderful Copenhagen, nach der zweiten Saison.

Laut eigener Angabe haben sich mehr als 100 Organisationen und Destinationen wegen des Projekts in Kopenhagen gemeldet, darunter auch Städte in Deutschland.

„Das ist erst der Anfang“, ist sich Rikke Holm Petersen sicher. „Reisende wollen Gutes tun und würden Initiativen wie CopenPay gerne in ihren Heimatstädten sehen, von Chicago bis Sydney.“ Wie das Programm in Berlin und bei seinen Besuchern aufgenommen wird, wird sich nach dem Sommer zeigen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.