Drei mutmaßliche Unterstützer der deutschen Reichsbürger-Gruppe „Vereinigte Patriotinnen“ stehen in München vor Gericht wegen Unterstützung von Umsturzplänen und eines Plans zur Entführung des ehemaligen Gesundheitsministers.
Drei Männer mit mutmaßlichen Verbindungen zu einer deutschen extremistischen Gruppe, die geplant hatte, die Regierung zu stürzen und einen Minister zu entführen, werden am Mittwoch in München vor Gericht stehen.
Die Männer stehen im Verdacht, die selbst ernannte Gruppe „Vereinigte Patriotinnen“ unterstützt zu haben, die Teil der Reichsbürger-Szene Deutschlands ist.
Der Begriff bedeutet „Bürger des Reichs“ und bezieht sich auf eine Gruppe von Extremisten und Verschwörungstheoretikern, die die Legitimität der deutschen Republik ablehnen.
Vier Mitglieder der Vereinigten Patriotinnen wurden im März 2025 wegen Plänen, in Deutschland einen Bürgerkrieg auszulösen, durch Gewalt mit dem Ziel der Übernahme der Staatsmacht inhaftiert.
Sie wurden zudem wegen der Planung der Entführung des damaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach schuldig gesprochen, der aufgrund der Beschränkungen der deutschen Regierung während der COVID-Ära ins Visier genommen worden war.
Die am Mittwoch vor Gericht stehenden Männer, genannt Achim M., 60 Jahre alt, Joachim K., 71 Jahre alt, und Rainer S., 62 Jahre alt, sollen die Gruppe unterstützt und ihre Umsturzpläne gefördert haben.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren sie alle dafür vorgesehen gewesen, als Regierungsminister in einem wiedererrichteten „Königreich Preußen“ zu dienen, nachdem das deutsche System gestürzt worden war.
Die Gruppe, von den Ermittlern als Kaiserreichsgruppe oder „Imperial Group“ bezeichnet, soll sich mutmaßlich darauf festgelegt haben, Deutschland gewaltsam zu einer neuen autoritären Regierung auf Basis der alten Kaiserverfassung von 1871 zu machen.
Serie von Gerichtsverfahren
Im vergangenen Jahr wurden die drei Männer und eine Frau, die verurteilt worden waren, vom Oberlandesgericht Koblenz zu Haftstrafen zwischen fünf Jahren und neun Monaten und acht Jahren verurteilt.
Sie hatten geplant, einen Sabotageangriff namens „Stille Nacht“ durchzuführen, um das Stromnetz außer Betrieb zu setzen, in der Hoffnung, in dem darauf folgenden Chaos die Macht zu ergreifen.
Zwei weitere Personen, ein Mann und eine Frau, wurden im April 2025 ebenfalls wegen Mittäterschaft in dem Plan inhaftiert.
Der Prozess in München gehört zu mehreren gegenwärtig laufenden Verfahren, die mutmaßliche Mitglieder der Reichsbürger-Bewegung betreffen, darunter eine Gruppe von Reichsbürgern unter der Führung des selbsternannten Prinzen Heinrich XIII. Reuss, die ebenfalls derzeit vor drei verschiedenen Gerichten wegen der Planung eines Umsturzes gegen die Regierung steht.
Zusätzlich zu Reuss gehören zu den Angeklagten in diesem Fall ein ehemaliger Militärangehöriger und ein ehemaliger Abgeordneter der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD).
Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) gab es im Jahr 2024 rund 26.000 Reichsbürger in Deutschland, gegenüber rund 25.000 im Jahr 2023.
Im November verhafteten deutsche Polizisten einen Mann, der lose mit der Reichsbürgerbewegung in Verbindung stand und der angeblich Online-Aufrufe im Darknet verbreitete, Politiker zu töten, darunter der ehemalige Bundeskanzler Angela Merkel und Olaf Scholz.