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Eine Bremse für den Rechtsaußen – aber zu welchem Preis? Portugiesische Wahlschlacht bei The Ring

18. Februar 2026

In dieser Folge von The Ring, aufgenommen an der Nova School of Business and Economics in Lissabon, untersuchen wir das Ergebnis der Präsidentschaftswahl Portugals und seine Auswirkungen sowohl auf das Land als auch auf Europa.

Mariana Corrêa begrüßt zwei Gäste mit direkter Erfahrung in europäischen Institutionen: Carlos Coelho, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments der Europäischen Volkspartei, und André Franqueira Rodrigues, derzeitiger Abgeordneter des Europäischen Parlaments für die Sozialisten- und Demokraten-Gruppe.

Zehn Tage nach der Stichwahl bewertet Portugal weiterhin die Bedeutung eines historischen Sieges. Am 8. Februar besiegte António José Seguro André Ventura mit rund zwei Dritteln der Stimmen, stoppte den Aufstieg des rechtsaußen Spektrums zur Präsidentschaft und sicherte eine der größten Mandatsmehrheiten in der Geschichte der portugiesischen Demokratie.

Der Sieg war eindeutig, aber die politische Landschaft, die er hinterlässt, ist komplexer. Das Ergebnis spiegelte eine breite Mobilisierung wider — von der Mitte-Links bis zu Teilen der Mitte-Rechts — mit dem Ziel, einen populistischen Durchbruch zu verhindern. Für viele Wähler war die Unterstützung von Seguro weniger eine ideologische Bestätigung als vielmehr ein Bekenntnis zum Schutz demokratischer Normen in Zeiten zunehmender Polarisierung.

Jedoch offenbart die starke Unterstützung für Ventura anhaltende Spannungen in der portugiesischen Gesellschaft: Bedenken bezüglich Einwanderung, wirtschaftlicher Druck und Misstrauen gegenüber Institutionen. Der Rechtsextremismus wurde zwar besiegt, er konsolidiert sich jedoch weiter als eine bedeutende politische Kraft, was auf eine strukturelle Verschiebung im traditionellen Parteiensystem des Landes hindeutet.

In einer zunehmend fragmentierten politischen Landschaft übernimmt Seguro eine überwiegend moderierende Rolle, jedoch eine mit realem Einfluss auf die Stabilität der Regierung. Könnte er ein reformorientierter Präsident werden? Wird es ihm gelingen, Vereinbarungen in zentralen Bereichen wie Gesundheitsversorgung, Wohnen oder Arbeitsmarktreformen auszuhandeln? Und kann Stabilität in einem zunehmend dreiteiligen System gewährleistet werden?

Die Auswirkungen gehen über Portugals Grenzen hinaus. In einer Zeit, in der sozialistische Parteien in ganz Europa vor Wahlherausforderungen stehen, könnte dieser Sieg als Zeichen eines erneuten Aufschwungs des sozialdemokratischen Lagers interpretiert werden. Mit sozialistischer Führung in Ländern wie Spanien, Dänemark und Estland stärkt dies eine fortschrittliche europäische Achse — oder ist es einfach ein spezifischer nationaler Kontext, geprägt durch eine Abstimmung zur Eindämmung des Rechtsaußen?

Auf europäischer Ebene wurde die Wahl von mehreren Führungspersönlichkeiten begrüßt. António Costa, Präsident des Europäischen Rats, hob die Wertschätzung des portugiesischen Volkes für die Demokratie hervor. Doch war die Demokratie wirklich bedroht worden? Und welche Rolle sollte Portugal in einem von Krieg, gestiegenen Verteidigungsausgabenforderungen und wachsenden budgetären Herausforderungen geprägten europäischen Kontext spielen?

Diese Folge von The Ring wird präsentiert von Mariana Corrêa, produziert von Luis Albertos und Amaia Echevarria. TV-Direktor und Editor: Vassilis Glynos.

Sehen Sie The Ring im Euronews-TV oder im obenstehenden Player, und teilen Sie Ihre Gedanken, indem Sie an [email protected] schreiben.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.