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Informationsblockade im Iran: Wie die Islamische Republik den Informationsfluss kontrolliert

9. Januar 2026

Im Juni 1989, nach dem Tod des Ayatollah Khomeini, kappte die Regierung die Telefonverbindungen ins Ausland, eine Maßnahme, die darauf abzielte, die Fähigkeit der inländischen Gegner, mit der Außenwelt zu kommunizieren, zu begrenzen.

Die Abschottung der Kommunikationswege in die Außenwelt ist ein Ansatz, der sich im Laufe der Jahre zu einem der wirksamsten Instrumente der iranischen Behörden entwickelt hat, um den Fluss von Informationen zu kontrollieren.

Es ist ein Muster, das im Laufe der Jahre mehrmals beobachtet wurde, mit unterschiedlich starker Durchsetzung. Zum Beispiel wurde während des 12-tägigen Konflikts mit Israel im Juni 2025 die Internetbandbreite des Iran deutlich reduziert.

Während der Proteste im November 2019 gegen steigende Kraftstoffpreise wurde der Internetzugang gewöhnlicher Nutzer nahezu vollständig abgestellt, obwohl bestimmte Institutionen und Einzelpersonen über eingeschränkten, kontrollierten Zugriff verfügten.

Während der „Women, Life, Freedom“-Proteste wurden die Internetgeschwindigkeiten merklich reduziert und weitverbreitete Störungen gemeldet, doch Verbindungen wurden nie vollständig getrennt, wodurch zumindest ein minimaler Informationsfluss möglich blieb.

In den jüngsten Protesten hat sich die Situation jedoch auf eine noch nie dagewesene Weise verändert. Nicht nur der Internetzugang wurde vollständig abgestellt, sondern auch Mobilfunknetze und internationale Anrufe sind ebenfalls ausgefallen. Die einzige relativ stabile Kommunikationsmöglichkeit innerhalb des Landes ist das Festnetz.

Dieses Ausmaß an Kommunikationsbeschränkungen geht weit über frühere Maßnahmen zur Internetkontrolle hinaus und deutet darauf hin, dass die Maßnahmen der Regierung sich vom digitalen Raum auf die gesamte Telekommunikationsinfrastruktur ausgedehnt haben.

Internetabschaltungen zielen in erster Linie darauf ab, die Übertragung von Bildern, Videos und Nachrichten aus dem Iran zu verhindern.

Unter solchen Bedingungen sind unabhängige Medien praktisch nicht mehr in der Lage, aus dem Land zu berichten, wodurch die Regierung als einziger Erzähler der Ereignisse übrig bleibt.

Gleichzeitig wird die Fähigkeit der Demonstrierenden, sich über soziale Medien und Messaging-Apps zu koordinieren, nahezu eliminiert. Die Abschaltung der Mobilfunknetze verfolgt dasselbe Ziel und blockiert direkte und unmittelbare Kommunikation zwischen den Bürgern.

Darüber hinaus hat die Islamische Republik seit langem persischsprachige Satellitenkanäle durch Störsignale gestört, wodurch der Empfang und die Ausstrahlung dieser Netzwerke verhindert wird. Diese Maßnahme schränkt den Zugang zu ausländischen Medien weiter ein und vervollständigt den Informationskontrollkreislauf der Regierung.

Was heute im Iran hinsichtlich des Ausmaßes und der Intensität des Kommunikationsausfalls geschieht, ist beispiellos in der jüngeren Geschichte. Es deutet darauf hin, dass die jüngsten Proteste die Behörden in Teheran mehr denn je alarmiert haben und sie gezwungen haben, das volle Spektrum ihrer Mittel zur Kommunikationskontrolle einzusetzen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.