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Münchner Sicherheitskonferenz warnt vor einer Ära der Zerstörungspolitik

10. Februar 2026

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Wenn Staats- und Regierungschefs in München zusammenkommen, warnt ein neuer Bericht davor, dass die internationale Ordnung unter wachsendem Druck steht, Allianzen fragiler werden und geopolitische Spannungen sich verschärfen.

Eine große Anzahl europäischer und internationaler Staats- und Regierungschefs wird diese Woche nach Bayern strömen, zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), die vom 13. bis 15. Februar stattfindet.

Rund 65 Staats- und Regierungschefs werden voraussichtlich teilnehmen, zuzüglich rund 450 Vertretern aus globaler Politik, Wissenschaft und der Verteidigungsindustrie.

Im Vorwort zum kürzlich veröffentlichten MSC-Bericht 2026 schreibt der Konferenzvorsitzende Wolfgang Ischinger, dass „selten in der jüngsten Geschichte der Konferenz so viele fundamentale Fragen gleichzeitig auf dem Tisch gelegen hätten“.

Er verweist auf Kernfragen wie Europas Sicherheit, die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft und darauf, ob die internationale Gemeinschaft noch in der Lage ist, eine zunehmend „komplexe und umkämpfte“ Welt zu bewältigen.

Der Bericht schildert eine Welt im Mittendrin von weitreichenden politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Umbrüchen. Im Zentrum steht eine Diagnose, die den Ton für das gesamte Dokument und die Konferenz setzt: „Die Welt ist in eine Phase der Abrisspolitik geraten.“

‚Beruhigung, Konditionalität und Zwang‘

Nach dem Bericht gehen vorsichtige Reformen und schrittweise politische Anpassungen zunehmend radikaleren Umstrukturierungen Platz, die absichtlich bestehende Systeme in Frage stellen oder sie gar abzubauen suchen.

Das Land, das mit dieser Verschiebung am prominentesten in Verbindung gebracht wird, sei laut Bericht die Vereinigten Staaten. Die genau jene Nation, die eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Nachkriegsordnung gespielt hat, wird nun als einer der Haupttreiber ihrer Transformation gesehen. Mehr als 80 Jahre nachdem sie erstmals Gestalt annahm, stehe jene Ordnung nun selbst „unter Zerstörung“.

Der Bericht betont, dass dies nicht nur die Folge einzelner politischer Entscheidungen sei, sondern eine breitere Richtungsänderung in der US-Politik.

Washington, so der Bericht, stelle zentrale Grundsätze in Frage, die jahrzehntelang die internationale Zusammenarbeit geprägt haben, von der Rolle internationaler Organisationen und der Bedeutung regelbasierter Handelsbeziehungen bis hin zu engen Partnerschaften mit demokratischen Verbündeten.

Die Auswirkungen dieses Wandels seien weltweit spürbar, insbesondere in Europa, das lange auf die USA für Sicherheit angewiesen war, dessen Partnerschaft nun aber als „instabil“ erlebt wird und zwischen „Beruhigung, Konditionalität und Zwang“ wechsle.

US-Außenminister Marco Rubio wird voraussichtlich an der diesjährigen Konferenz teilnehmen. Den Medienberichten zufolge war die Teilnahme der Vizepräsidentin J. D. Vance zunächst bestätigt und eine Woche später wieder abgesagt worden.

Seine Rede bei der letztjährigen Konferenz wurde weithin als eine „Abrechnung mit Europa“ beschrieben und stieß bei mehreren Politikern auf Kritik, darunter Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius.


United States Vice-President JD Vance addresses the audience during the Munich Security Conference at the Bayerischer Hof Hotel in Munich, Germany, Friday, Feb. 14, 2025


Chancellor Merz will lead this year’s German delegation. NATO Secretary General Mark Rutte, European Central Bank President Christine Lagarde and numerous European heads of state and government are also expected to attend.

Rubio will attend „with a large delegation“, and US congresswoman Alexandria Ocasio-Cortez has also confirmed her participation.

At the conference kick-off, US Ambassador to NATO Matthew Whitaker commented on the report’s findings, rejecting its conclusions and stressing that the US has no intention of undermining NATO or other alliances.

„That’s the first thing I reject; we’re trying to make NATO stronger, not to withdraw or reject NATO, but make it work like it was intended as an alliance of 32 strong and capable allies,“ he said.

He reiterated that European allies must increase their defence spending and demonstrate that they can „deliver“ on their commitments, including the new NATO spending targets.

Vertrauensverlust

Ein weiterer zentrales Ergebnis des MSC-Berichts ist ein wachsender Vertrauensverlust in politische Systeme. In vielen westlichen Ländern ist das Vertrauen deutlich rückläufig.

Politikerinnen und Politiker werden zunehmend als „Wächter des status quo“ gesehen, die „paralysierte politische Systeme verwalten, die der Mehrheit der Menschen gegenüber scheinbar uneinsichtig scheinen“. Da der Glaube an die Fähigkeit der Politik, das tägliche Leben zu verbessern, schwindet, argumentiert der Bericht, werden Wählerinnen und Wähler offener für radikalere Ansätze. Für viele beginnen abrupte Brüche attraktiver zu erscheinen als schrittweise Veränderungen.

Infolgedessen gewinnen politische Akteure, die gezielt Konfrontation suchen und versprechen, bestehende Strukturen abzureißen statt sie zu reformieren, an Einfluss.

Vor der Konferenz gab es Debatten darüber, ob die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) eingeladen werden sollte. Ischinger vertritt die Ansicht, dass die Partei einbezogen werden sollte, solange sie nicht von den deutschen Behörden verboten ist, und drei AfD-Politikexperten, darunter Bundestagsabgeordneter Rüdiger Lucassen, sollen nun teilnehmen.

Neben der transatlantischen Beziehung behandelt der MSC-Bericht auch Russlands Krieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen hybriden Bedrohungen für Europa. Er argumentiert, dass Europa sich auf eine Situation vorbereiten muss, in der die amerikanische Unterstützung weiterhin wichtig bleibt, aber nicht mehr als Selbstverständlichkeit gelten kann.

Viele europäische Regierungen verfolgen daher einen Doppelpfad: Die USA eng eingebunden halten, während gleichzeitig die Fähigkeit, eigenständig zu handeln, etwa durch Aufrüstung, deutlich ausgebaut wird.

Der Bericht betont, dass dieses Unsicherheitsgefühl sich nicht nur auf Europa beschränkt. Im Indo-Pazifik wachsen Zweifel an dem langfristigen Engagement der USA für die regionale Sicherheitsordnung, während Chinas Aufstieg und ein zunehmend zwangsorientiertes Verhalten zu einer eher instabilen Umgebung beitragen.

Gleichzeitig rahmt der Bericht die aktuellen Umwälzungen auch als Chance ein und vermerkt, dass, wenn alte Strukturen erschüttert werden, längst blockierte Entwicklungen wieder in Bewegung geraten können.

Zum Beispiel hat der Druck auf europäische NATO-Mitglieder viele Länder dazu veranlasst, ihre Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen. Neue Partnerschaften entstehen auch in Handel, Sicherheit und Technologie, um Europas Abhängigkeit von den USA zu beenden.

Doch ob dies letztlich zu einer stabileren Welt führen wird, bleibt ungewiss – und viele der Staats- und Regierungschefs, die sich dieses Wochenende in München versammeln, befürchten, dass eine lockerere globale Ordnung vor allem den größten und mächtigsten Staaten zugutekommen könnte.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.