Ein neuer in Berlin ansässiger Radiosender mit dem Namen Ella Fitzgerald, benannt nach der Jazzlegende Ella Fitzgerald, will den Ruhm des Genres wiederbeleben. Da die Musik einst Ausdruck von Rebellion, Emanzipation und gesellschaftlichem Protest war, sagt der Start, dass dies mehr über unsere Zeit aussagt, als man sich vorstellen könnte, schreibt Diana Resnik.
Berlin – einst ein Brennpunkt ausgelassener Lebensstile, musikalischer Freiheit und Ekstase – hatte bis vor Kurzem die unrühmliche Auszeichnung, kein eigenes Jazzradio zu haben.
Dies hat sich nun mit dem Start von „Ella“ geändert, einem neuen Netzwerk, benannt nach der „Queen of Jazz“, Ella Fitzgerald, das am Montag in Anwesenheit des Kulturministers Wolfram Weimer zu senden begann.
«Die Jazzszene in Berlin hat jetzt die Chance, zu florieren», sagt Oliver Dunk, der Boss von Ella. «Es war schon immer mein lebenslanger Traum, etwas in den Bereichen Jazz, Soul und Blues zu machen – drei Dinge, die nicht voneinander getrennt werden können.»
In den goldenen 1920er-Jahren eroberten Jazz und Swing die Clubs und Kneipen der deutschen Hauptstadt. Die Weimarer Republik atmete auf, beflügelt von einer neuen Musik, die Hermann Hesse in seinem Roman Der Steppenwolf als „raue Wildheit“ und „ehrliche Sinnlichkeit“ beschrieb.
Die Musik stammt aus den Südstaaten der USA und entstand als Verschmelzung afroamerikanischer Klänge mit europäischer Musik.
„Was mich am Jazz inspiriert, ist, dass dieser Musikstil Brücken schlägt und ganz unterschiedliche Kulturen verbindet“, sagt Dunk.
Als hätte es Zufall gewährt, entstand 1923 das Radio. Dadurch konnte Jazzmusik auch live ausgestrahlt werden. Bekannte Musiker wie Louis Armstrong konnten fortan direkt in Wohnzimmern gehört werden und hatten einen entscheidenden Einfluss auf den Jazzgesang.
Aber Jazz bedeutet nicht nur Louis Armstrong, sagt Dunk. „Es ist wunderschöne Musik mit einer unglaublichen Breite“, und genau das möchte Ella in ihrem Programm zeigen.
Erlebt Berlin nun einen Jazz-Aufschwung wie in den goldenen Zwanzigern? „Wir wollen dazu beitragen … und Teil der Jazzszene sein“, ergänzt Dunk. Ella möchte beweisen, dass Jazz auch heute noch gesellschaftlich und politisch hoch angesehen ist.
Jazz hatte schon in seinen Ursprüngen eine politische Dimension. Die Musik war Ausdruck von Rebellion, Emanzipation und sozialem Protest.
Heute sieht Dunk gewisse Parallelen zu den 1920er Jahren in Bezug auf politische Entwicklungen: „Meine Angst ist, dass sich die Geschichte wiederholt.“
Nachdem Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, sollte Jazz als „fremde Musik“ ausgerottet werden. Nach der Gründung der sogenannten Reichsmusikkammer folgten die ersten Verbote und Repressionen.
Heute spielt Jazz nicht mehr so eine dominante Rolle in den Musikalvorlieben der meisten Deutschen. Pop-Songs dominieren mehr als 50 Prozent des Marktes, glaubt Dunk, der der Ansicht ist, dass Jazz von vielen als atonal und eigenartig wahrgenommen wird, aber mehr Öffentlichkeit und eine größere Akzeptanz verdient.
„Die Deutschen neigen dazu, auf alte Favoriten zu schauen, wie Uschi Brüning und Manfred Krug“, sagt Dunk. „Es gibt aber auch Neuzugänge: Zum Beispiel Lisa Bassenge – eine großartige Musikerin – und Martina Barta, sie ist unglaublich talentiert.“
Genau das will Ella bieten: Neben dem Live-Radiosender gibt es eine Website, die verschiedene Arten von Jazz anbietet. „Das Radio ist der Schnupperkanal in die große Jazzwelt von Ella“, fügt er hinzu.
Dunk bleibt realistisch in Bezug auf seine Ambitionen: „Es wäre vermessen zu glauben, dass ein kleiner Radiosender etwas verändern kann, doch jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“
Wenn Sie in die Welt des Jazz, Soul und Blues eintauchen möchten, finden Sie Ella Radio auf der UKW-Frequenz 91,0 MHz in Berlin und auf 90,7 in Potsdam.


