Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Radiorevival: „Ella“ will Jazz wieder groß machen mit neuem Berliner Sender

7. Januar 2026

,

Ein neuer in Berlin ansässiger Radiosender mit dem Namen Ella Fitzgerald, benannt nach der Jazzlegende Ella Fitzgerald, will den Ruhm des Genres wiederbeleben. Da die Musik einst Ausdruck von Rebellion, Emanzipation und gesellschaftlichem Protest war, sagt der Start, dass dies mehr über unsere Zeit aussagt, als man sich vorstellen könnte, schreibt Diana Resnik.

Berlin – einst ein Brennpunkt ausgelassener Lebensstile, musikalischer Freiheit und Ekstase – hatte bis vor Kurzem die unrühmliche Auszeichnung, kein eigenes Jazzradio zu haben.

Dies hat sich nun mit dem Start von „Ella“ geändert, einem neuen Netzwerk, benannt nach der „Queen of Jazz“, Ella Fitzgerald, das am Montag in Anwesenheit des Kulturministers Wolfram Weimer zu senden begann.

«Die Jazzszene in Berlin hat jetzt die Chance, zu florieren», sagt Oliver Dunk, der Boss von Ella. «Es war schon immer mein lebenslanger Traum, etwas in den Bereichen Jazz, Soul und Blues zu machen – drei Dinge, die nicht voneinander getrennt werden können.»


DATEI: Ella Fitzgerald auf der Bühne bei „Bal Pare“, einem der führenden gesellschaftlichen Ereignisse in München, Deutschland am 21. Januar 1967 während der Karnevalszeit.


In den goldenen 1920er-Jahren eroberten Jazz und Swing die Clubs und Kneipen der deutschen Hauptstadt. Die Weimarer Republik atmete auf, beflügelt von einer neuen Musik, die Hermann Hesse in seinem Roman Der Steppenwolf als „raue Wildheit“ und „ehrliche Sinnlichkeit“ beschrieb.

FILE: Songwriter Irving Berlin can be seen at the piano in the 1920s.

DATEI: Songwriter Irving Berlin kann in den 1920er-Jahren am Klavier gesehen werden.


Die Musik stammt aus den Südstaaten der USA und entstand als Verschmelzung afroamerikanischer Klänge mit europäischer Musik.

„Was mich am Jazz inspiriert, ist, dass dieser Musikstil Brücken schlägt und ganz unterschiedliche Kulturen verbindet“, sagt Dunk.

Als hätte es Zufall gewährt, entstand 1923 das Radio. Dadurch konnte Jazzmusik auch live ausgestrahlt werden. Bekannte Musiker wie Louis Armstrong konnten fortan direkt in Wohnzimmern gehört werden und hatten einen entscheidenden Einfluss auf den Jazzgesang.

FILE: On his arrival in West Berlin on 11 February 1959, Louis Armstrong staged a mock trumpet performance for a young German student.

DATEI: Bei seiner Ankunft in West-Berlin am 11. Februar 1959 inszenierte Louis Armstrong eine Trompetenvorführung vor einem jungen deutschen Studenten.


Aber Jazz bedeutet nicht nur Louis Armstrong, sagt Dunk. „Es ist wunderschöne Musik mit einer unglaublichen Breite“, und genau das möchte Ella in ihrem Programm zeigen.

Erlebt Berlin nun einen Jazz-Aufschwung wie in den goldenen Zwanzigern? „Wir wollen dazu beitragen … und Teil der Jazzszene sein“, ergänzt Dunk. Ella möchte beweisen, dass Jazz auch heute noch gesellschaftlich und politisch hoch angesehen ist.

Jazz hatte schon in seinen Ursprüngen eine politische Dimension. Die Musik war Ausdruck von Rebellion, Emanzipation und sozialem Protest.

Heute sieht Dunk gewisse Parallelen zu den 1920er Jahren in Bezug auf politische Entwicklungen: „Meine Angst ist, dass sich die Geschichte wiederholt.“

Nachdem Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, sollte Jazz als „fremde Musik“ ausgerottet werden. Nach der Gründung der sogenannten Reichsmusikkammer folgten die ersten Verbote und Repressionen.

FILE: A man looks at a poster of an exhibition brochure from 1938 at the Berliner Philharmonie in Berlin on Friday, 2 November 2007.

DATEI: Ein Mann betrachtet ein Plakat einer Ausstellung aus dem Jahr 1938 in der Berliner Philharmonie in Berlin am Freitag, dem 2. November 2007.


Heute spielt Jazz nicht mehr so eine dominante Rolle in den Musikalvorlieben der meisten Deutschen. Pop-Songs dominieren mehr als 50 Prozent des Marktes, glaubt Dunk, der der Ansicht ist, dass Jazz von vielen als atonal und eigenartig wahrgenommen wird, aber mehr Öffentlichkeit und eine größere Akzeptanz verdient.

„Die Deutschen neigen dazu, auf alte Favoriten zu schauen, wie Uschi Brüning und Manfred Krug“, sagt Dunk. „Es gibt aber auch Neuzugänge: Zum Beispiel Lisa Bassenge – eine großartige Musikerin – und Martina Barta, sie ist unglaublich talentiert.“

Genau das will Ella bieten: Neben dem Live-Radiosender gibt es eine Website, die verschiedene Arten von Jazz anbietet. „Das Radio ist der Schnupperkanal in die große Jazzwelt von Ella“, fügt er hinzu.

Dunk bleibt realistisch in Bezug auf seine Ambitionen: „Es wäre vermessen zu glauben, dass ein kleiner Radiosender etwas verändern kann, doch jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“

Wenn Sie in die Welt des Jazz, Soul und Blues eintauchen möchten, finden Sie Ella Radio auf der UKW-Frequenz 91,0 MHz in Berlin und auf 90,7 in Potsdam.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.