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Schiffswrack im Bodensee entdeckt: Was Unterwasserarchäologen überrascht hat

21. Juli 2026

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In einem Interview mit Euronews erläutert Professor Tobias Pflederer von der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU) die Entdeckung von Holzteilen eines Schiffswracks im Bodensee und erläutert, was den Fund so besonders macht.

Bei Lindau am Bodensee haben Unterwasserarchäologen Holzteile eines Schiffswracks entdeckt, die offenbar deutlich älter sind als zunächst angenommen wurde.

„Der Hinweis kam von einem Freizeittaucher, der das Gebiet sehr gut kennt. Er hatte bereits vermutet, dass es sich um ein Wrack handeln könnte,“ sagt der archäologische Forschungstaucher Prof. Dr. Tobias Pflederer, der Euronews gegenüber befragt wurde. Pflederer ist Kardiologe in Kaufbeuren und Professor an der Universität Erlangen, und außerdem Ehrenpräsident der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU).

„Was besonders spannend war, war, dass wir die Holzteile wirklich eindeutig als Wrack identifizieren konnten. Das war von vornherein keineswegs klar. Sie hätten genauso gut andere Holzteile sein können. Aber sobald mehrere Rahmenelemente und Rumpffragmente aus dem Seeboden herausragten, wurde die Interpretation schnell klar,“ erklärt Pflederer.

Ein Rahmen ist ein tragendes strukturelles Bauteil eines Bootes, eines Schiffs oder eines Flugzeugs. Verknüpfte Rahmen bilden den Rumpf eines Schiffes, ähnlich wie Rippen. Die BGfU-Unterwasserarchäologen hatten zuvor mehrere deutlich schwerere ausgehöhlte Kanus sowohl im Bodensee als auch im Chiemsee entdeckt, von denen einige im Deutschen Museum in München ausgestellt sind.


Schiffswrack im Bodensee entdeckt


Das neu entdeckte mittelalterliche Wrack scheint zwischen acht und zwölf Metern lang zu sein. Seine Breite liegt bei etwa drei Metern.

Die Rahmenteile und andere Holzteile im Bodensee, dem größten Binnengewässer Deutschlands, wurden bei Lindau nahe der Grenze zu Österreich entdeckt. Die gegenüberliegende Uferseite gehört der Schweiz an.

Schon im letzten Jahr, noch vor den aktuellen Hitzewellen, war der Wasserspiegel des Bodensees historisch niedrig.

Ein Wrack aus dem späten Mittelalter

Was die Unterwasserarchäologen wirklich überraschte, war das Alter des Wracks. „Wir hatten tatsächlich ein jüngeres Datum erwartet. Es gibt bereits einige Wracks aus dem späten Mittelalter im Bodensee, aber nur sehr wenige – bisher vier. Dieses Wrack kann daher weitere Einblicke in den Schiffbau und die Navigation am Bodensee im späten Mittelalter liefern.“

Analysen einer kleinen Holprobe – in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt – ergaben, dass das Wrack zwischen 1420 und 1450 n. Chr. datiert ist, wie auch die Schwäbische Zeitung berichtet.

A BGfU underwater archaeologist at work

Ein BGfU-Unterwasserarchäologe bei der Arbeit


Unterwasserarchäologe Pflederer gibt sich äußerst bescheiden: „Bisher haben wir nur zwei Tauchgänge durchgeführt und lediglich eine erste Erhebung vorgenommen, also Orthophotografie und das Entnehmen einer Holprobe aus einem der Rahmen. Mit Hilfe der C14-Radiokarbon-Datierung konnten wir das Wrack dem 15. Jahrhundert n. Chr. zuordnen.“

Die Bergung des Wracks wäre äußerst teuer

Im Gegensatz zur spektakulären Entdeckung der Ladung eines römischen Schiffs im Neuenburgersee in der Schweiz gibt es derzeit keine Pläne, das Wrack vom Bodensee zu bergen.

Pflederer erklärt: „Eine Bergung bedeutet immer, dass die Wrackteile anschließend fachgerecht konserviert und erhalten werden müssen. Das ist eine enorm teure Unternehmung. Zudem gibt es nichts Konservierenderes und Schutzreicheres, als das Wrack unter Wasser zu belassen, und besser noch unter einer Sedimentschicht. Eine kleinteilige Ausgrabung wird als mögliche Option diskutiert, um die Bauweise des Schiffes und seine genauen Abmessungen zu identifizieren.“

Weitere Informationen zu den Projekten der Vereinigung auf mehreren Seen finden Sie auf der Website der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (Quelle auf Deutsch) (BGfU). Die Vereinigung zählt rund 100 Mitglieder, die meisten davon ehrenamtlich. Sie umfasst professionelle Archäologen und ausgebildete Forschungs taucher, aber auch Studierende, erfahrene Freizeittaucher und Menschen, die die Unterwasserarchäologie als Hobby betreiben.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.