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Sensationell: Dieser Baum produziert Metall – bis zu 300 Kilogramm Nickel pro Hektar!

5. März 2026

Die Idee, Metalle mit Pflanzen zu gewinnen, wirkt zunächst wie Science-Fiction. Doch immer mehr Forschungen zeigen, dass bestimmte Arten erstaunliche Mengen an Metallen einlagern können. Besonders interessant ist ein Baum, dessen Saft bis zu 25 Prozent Nickel enthält. Solche Funde könnten die Rohstoffgewinnung neu denken lassen und eine Brücke zwischen Bergbau und Landwirtschaft schlagen.

Botanische Minen: Wie Hyperakkumulatoren funktionieren

Einige Pflanzen sind sogenannte Hyperakkumulatoren, die gezielt Metallionen aus dem Boden aufnehmen. Über die Wurzeln gelangen lösliche Salze von Kobalt, Zink oder Nickel ins Gewebe. Auf diese Weise reichern sie das Metall in Blättern, Rinde oder Saft an.

Warum tun sie das? Vermutlich dienen die Ionen als Schutz vor Fressfeinden oder als Puffer gegen Bodenstress. Forscher fanden sogar Spuren von Gold, allerdings nur in winzigen Konzentrationen. Der nun beschriebene Baum zeigt jedoch eine außergewöhnlich hohe Nickelaufnahme.

Vom Stamm zur Legierung: Nickel aus der Rinde

Statt Gestein mühsam zu abbauen, könnte man künftig Felder mit Metallpflanzen bestellen. Das Nickel ließe sich ähnlich wie Kautschuk durch Anritzen der Rinde gewinnen. Aus der austretenden Säfte würden die gelösten Nickelverbindungen extrahiert und weiter verarbeitet.

„Heute laufen die Nickelminen bereits auf Hochtouren, weil das Metall in Batterien unverzichtbar ist“, sagt ein Experte. Eine pflanzliche Alternative könnte das Angebot erweitern und die Lieferketten entlasten.

Erträge im Feldversuch

In einer Pilotfarm in Malaysia werden bereits reale Mengen geerntet. Pro Hektar kommen zwischen 200 und 300 Kilogramm Nickel zusammen – ein für Agrarbetriebe erstaunlicher Wert. Das entspricht einer jährlichen Produktion, die mit kleinen Lagerstätten mithalten kann.

Die größte Herausforderung ist die Standortwahl, denn nicht jeder Boden enthält genügend Nickel. Optimal sind sogenannte ultramafische Substrate mit natürlichem Metallgehalt. Dort wächst der Baum vital, und die Erträge bleiben stabil.

Ökologische und soziale Vorteile

  • Deutlich geringere Bodenzerstörung als im Tagebau
  • Niedrigerer Energiebedarf und potenziell weniger CO₂-Emissionen
  • Möglichkeit der Renaturierung belasteter Standorte
  • Zusätzliche Einkommensquelle für Landgemeinden
  • Kombinierbar mit Aufforstung und Bodenschutz-Maßnahmen

Diese Punkte machen die Phytomining-Methode zu einer attraktiven Option. Sie verbindet Rohstoffgewinnung mit Landnutzung, ohne gigantische Gruben in die Landschaft zu reißen.

Hürden auf dem Weg zur Skalierung

Noch fehlen umfassende Agronomiedaten zu Saatgut, Wachstumsraten und optimalen Erntezyklen. Ebenso heikel ist die Verarbeitung: Die Trennung von Nickel aus dem Pflanzensaft muss effizient, sicher und kostengünstig sein. Einige Verfahren arbeiten mit Asche, andere mit wässrigen Extraktionen – jedes hat eigene Nebenwirkungen.

Wichtig ist auch, die Biodiversität zu schützen. Monokulturen mit nur einer Metallpflanze könnten lokale Ökosysteme belasten. Daher setzen Forschende auf Mischpflanzungen, Pufferzonen und strikte Standortprüfungen. Schließlich gilt: Ohne ausreichend Nickel im Boden bleiben die Erträge niedrig, und die Methode rechnet sich nicht.

Was diesen Baum so besonders macht

Der erwähnte Baum vereint hohe Toleranz gegenüber Metallionen mit spektakulärer Akkumulation. Sein Saft kann bis zu 25 Prozent Nickel enthalten – ein außergewöhnlicher Wert im Pflanzenreich. Das erlaubt direkte Gewinnung aus Rinde und Biomasse, ohne schwere Maschinen oder Sprengungen.

Zudem wächst die Pflanze auf Böden, die für Nahrungs-Anbau wenig geeignet sind. So entsteht kein Konkurrenzdruck zur Lebensmittelproduktion. Die Kombination aus Rohstoff-Ernte und ökologischer Aufwertung macht das Konzept besonders reizvoll.

Ausblick: Grüne Metalle für die Energiewende

Mit dem weltweiten Ausbau der Batterieproduktion steigt der Bedarf an Nickel weiter. Phytomining könnte als ergänzende Quelle dienen, gerade in Regionen mit metallreichen Böden. „Wenn wir die beste Pflanze für jeden Standort finden, wird die Natur selbst zur Rohstoffquelle“, heißt es aus der Forschung.

Bis dahin braucht es klare Standards, transparente Lieferketten und gute Anreize für Landwirte. Gelingt das, könnte ein Baum zum Symbol einer neuen, naturverträglichen Metallgewinnung werden – und zeigen, wie sich Technologie und Ökologie sinnvoll verbinden lassen.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.