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Viehdiebstahl in Deutschland: Organisierte Banden zielen auf Bauernhöfe ab

14. Mai 2026

Der Diebstahl von Nutztieren wird in der deutschen Landwirtschaft zu einem Problem, wobei in einigen Fällen ganze Herden über Nacht verschwinden. Neben den finanziellen Verlusten hat die Straftat auch emotionale Auswirkungen auf die Landwirte. Die Ermittler gehen davon aus, dass organisierte Banden aus dem Ausland beteiligt sind.

Ein Landwirt aus Raddusch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz meldete der Polizei am Freitagmorgen, dass seine Herde von 48 Rindern vom Weidegelände gestohlen worden sei. Der Schaden wird auf rund 75.000 Euro geschätzt.

Nur 14 Tage zuvor hatten unbekannte Täter 74 Rinder in der Nähe von Herzberg im Elbe-Elster-Kreis gestohlen. Am Tatort wurden Lastwagen-Spuren gefunden.

Im April gab es in Falkenberg, ebenfalls im Elbe-Elster-Kreis, einen Fall, bei dem aus einer Zuchtfarm 69 Kälber verschwanden. Die Täter nutzten offenbar eine Zufahrtstraße, um einen großen Lastwagen auf das Gelände zu fahren, von dem die Ermittler annehmen, es handele sich wahrscheinlich um einen 40-Tonner-Autotransporter, und fuhren direkt bis vor die Stalltür. Drinnen wählten sie gezielt weibliche Kälber im Alter von drei bis sechs Monaten aus und führten schließlich 69 Tiere auf den Lastwagen.

Polizei vermutet organisierte Tätergruppen

Der Diebstahl von Nutztieren in Deutschland – Schafe, Rinder, Gänse und sogar Bienenvölker – wird zunehmend zu einem ernsten Problem.

Nach derzeitigen Erkenntnissen gibt es eine wachsende Zahl von Fällen, insbesondere in Ostdeutschland, in denen größere Herden offenbar von organisierten Tätergruppen ins Visier genommen und gestohlen werden. Brandenburg gilt derzeit als ein besonderer Hotspot.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich oft um professionell organisierte Banden handelt. Die Täter schlagen nachts zu. Um die Herkunft der Tiere zu verschleiern, werden Ohrmarken entfernt oder durch gefälschte Kennzeichnungen ersetzt.

„Farm-Kriminalität“ wird zu einer zunehmenden Belastung für Landwirte

Der Anstieg der Kriminalität auf dem Land wird heute oft unter dem Begriff „Farm-Kriminalität“ zusammengefasst. Neben dem Diebstahl von Vieh geraten zunehmend auch teure landwirtschaftliche Maschinen und GPS-Systeme von Traktoren ins Visier der Kriminellen.

Während einige Bundesländer wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern steigende Fallzahlen verzeichnen, melden andere Regionen wie Schleswig-Holstein kürzlich einen leichten Rückgang – zwar von einem hohen Niveau aus. Im November des letzten Jahres sendete der NDR einen Beitrag mit dem Titel „Tatort Bauernhof: Diebstahl auf dem Land“. Darin hieß es, dass deutlich mehr als die Hälfte der Landwirte in Norddeutschland von Diebstahl betroffen gewesen seien, wobei nicht nur Tiere, sondern auch Ernten und landwirtschaftliche Maschinen gestohlen würden.

Landwirte verunsichert

Viele Höfe reagieren nun mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören Videoüberwachung, bessere Beleuchtung der Ställe und digitale Warnnetze unter Landwirten, zum Beispiel über regionale WhatsApp-Gruppen. Ziel ist es, verdächtige Beobachtungen schneller zu teilen und Diebstähle so früh wie möglich zu verhindern.

Da Nutztier in Deutschland zentral erfasst werden, vermutet die Polizei, dass viele der gestohlenen Tiere in osteuropäische Länder oder außerhalb der EU gebracht werden. Grundsätzlich müssen Tiertransporte an den Grenzübertritten überprüft werden. Es ist möglich, dass die Tiere in geschlossenen Lastwagen über die Grenze geschmuggelt werden, die nicht für Viehtransporte zugelassen sind.

Tatsache ist, dass es gemäß der Bundesregierung keinen offiziellen statistischen Datensatz aller Fälle und Tatorte im Zusammenhang mit dem Diebstahl von Nutztieren gibt. Der Grund dafür ist, dass Tiere in Deutschland rechtlich als „Eigentum“ gelten, solche Straftaten daher in der Kriminalstatistik unter Diebstahl von „Gegenständen“ erfasst werden.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.