Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben die Christdemokraten laut Prognosen knapp über 30 Prozent der Stimmen gewonnen. Sie führen deutlich vor der SPD und scheinen den nächsten Ministerpräsidenten zu stellen.
Ein weiterer Schlag für die SPD: Nach ihrem Debakel bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg vor zwei Wochen hat die Partei auch in Rheinland-Pfalz erneut erhebliche Verluste erlitten, rund neun Prozentpunkte abgegeben und sich damit der CDU geschlagen geben müssen.
Prognosen von ARD und ZDF (Infratest Dimap und Forschungsgruppe Wahlen) nach 20 Uhr zeigen, dass die CDU mit 30,6 Prozent führend ist, während die Sozialdemokraten, die seit 35 Jahren unter dem amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer regieren, mit nur 25,7 Prozent auf dem zweiten Platz zurückliegen.
AfD verzeichnet stärkstes Ergebnis im Westen
Die größten Zugewinne verzeichnete die AfD, die laut Prognosen drittstärkste Partei mit rund 20 Prozent wird.
Während alle drei Regierungsparteien (SPD, Grüne und FDP) Verluste in unterschiedlichem Ausmaß hinnehmen mussten – und die Zuwächse der CDU sowie der Linkspartei um zwei bis drei Prozentpunkte eher moderat erscheinen – ist der Sprung der AfD um mehr als elf Prozentpunkte deutlich ins Gewicht geraten.
Dies dürfte das stärkste Resultat der rechtspopulistischen Partei bei einer Landtagswahl im Westen Deutschlands bleiben.
Die Partei positioniert sich nun als starke Oppositionskraft. Parteivorsitzende Alice Weidel hatte am Sonntagabend bereits „hervorragende Oppositionsarbeit“ angekündigt.
Nur vier Parteien insgesamt im Landtag
Die Grünen wurden mit 7,9 Prozent die viertstärkste Partei. Die Freien Demokraten, der dritte Partner der Ampelkoalition Rheinland-Pfalz, werden laut Prognosen nicht mehr in den Landtag einziehen, mit etwa zwei Prozent. Die Linkspartei verpasst ebenfalls den Einzug in den Landtag, trotz Zuwächsen, mit etwas über vier Prozent der Stimmen.
Zunächst war unklar, wie stark die hohe Zahl der Briefwählerinnen und -wähler das Ergebnis noch beeinflussen könnte. Nach den aktuellen Prognosen wird jedoch nur vier Parteien im Landtag vertreten sein.
Große Koalition mit CDU als Seniorpartner wahrscheinlich
Die CDU wird voraussichtlich den nächsten Ministerpräsidenten in Form von Gordon Schnieder stellen, dem Bruder des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder. Eine GroKo mit der SPD scheint derzeit die wahrscheinlichste Option.
Für die bundesweite CDU von Kanzler Friedrich Merz ist dies ein klarer Erfolg nach dem Kopf-an-Kopf-Rennen im Wahlkampf in Rheinland-Pfalz. Das Rennen gegen die Grünen vor zwei Wochen in Baden-Württemberg war deutlich enger.
Der Fraktionsvorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, beschrieb den Sieg als „historisch“. Er sehe dies auch als Signal für die nationale Politik und hoffe auf Rückenwind auf Bundesebene, sagte er ARD in einem Interview.
Bei der SPD jedoch geht der Schock tief. Parteivorsitzender und Vizekanzler Lars Klingbeil kündigte als Folge davon Personaldebatten in einem ARD-Interview an, während der Generalsekretär der SPD von einer „bitteren Niederlage“ sprach.