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Welche europäischen Länder werden bis 2030 die reichsten sein?

23. April 2026

IMF-Prognosen zeigen bis 2030 erhebliche Zuwächse des BIP pro Kopf in Euro-Begriffen über ganz Europa hinweg, doch die Rangfolgen ändern sich in Bezug auf die Kaufkraftparität (KKP) nicht wesentlich.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf ist eines der am häufigsten verwendeten Instrumente zum Vergleich von Volkswirtschaften – und in weiten Teilen Europas verläuft der Trend nach oben.

Doch eine steigende Zahl bedeutet nicht automatisch, dass ein Land seine Mitbewerber überholt: Die Rangfolgen verschieben sich, wenn sich alle Volkswirtschaften gemeinsam weiterentwickeln. Wo ein Land in der Tabelle steht, erzählt oft eine nützlichere Geschichte als die rohen Werte.

Welche europäischen Länder dürften also bis 2030 das BIP pro Kopf anführen, und gibt es unterwegs signifikante Verschiebungen?

Euronews Business hat die Projektionen des IMF World Economic Outlook für 2025 und 2030 untersucht, und zwar sowohl das nominale BIP pro Kopf als auch die Kaufkraftparität (KKP), die Preisunterschiede zwischen Ländern ausgleicht.

Irland überholt Luxemburg in der Kaufkraftparität

Unter 41 europäischen Ländern – darunter EU-Mitglieder, Kandidatenländer, EFTA-Mitglieder und das Vereinigte Königreich – wird Irland voraussichtlich bis 2030 die Rangliste des BIP pro Kopf in PPP anführen und Luxemburg ablösen, das 2025 führend ist.

Die Überschriftenzahl kommt mit einem erheblichen Vorbehalt. Irlands BIP ist bekanntlich stark durch die outsized Präsenz multinationaler Unternehmen verzerrt, und Alan Barrett, Direktor des Economic and Social Research Institute, argumentiert, dass das Bruttonationaleinkommen (BNE) eine viel bessere Messgröße für die tatsächliche wirtschaftliche Leistung des Landes sei.

Nach den GNI-Zahlen der Weltbank für 2024 würde Irland überhaupt nicht zu den Top-Vier gehören.

Norwegen, die Schweiz und Dänemark sollen die Top-Five vervollständigen, ihre Positionen bleiben zwischen 2025 und 2030 stabil.

Unter Europas fünf größten Volkswirtschaften belegt Deutschland den höchsten Rang auf dem 12. Platz, gefolgt von Frankreich (15.) und dem Vereinigten Königreich (16.). Italien liegt auf dem 18. Platz, Spanien ist der niedrigste der Fünf mit dem 22. Platz.

Kandidatenländer belegen die unteren Ränge – mit einer Ausnahme

Die unteren neun Plätze werden von EU-Kandidatenländern dominiert, wobei die Ukraine, der Kosovo und Moldawien die Tabelle anführen. Die Türkei stellt den Ausreißer unter ihnen dar und wird voraussichtlich im Jahr 2030 auf Rang 29 liegen – über drei vollständigen EU-Mitgliedern: Bulgarien, Lettland und Griechenland.

Fünfzehn Länder werden voraussichtlich ihre Positionen zwischen 2025 und 2030 halten. Griechenland verzeichnet den größten Abstieg und rutscht von Platz 29 auf 32, während Zypern den größten Zuwachs verzeichnet und von 16 auf 13 steigt.

Kein anderes Land wird voraussichtlich mehr als drei Plätze vorrücken oder zurückfallen.

Die Lücke zwischen nominalen und PPP-Rankings erzählt ihre eigene Geschichte. Malta, Rumänien, Polen und die Türkei belegen PPP deutlich höhere Plätze als in nominalen Eurobeträgen – was darauf hindeutet, dass ihre reale Kaufkraft größer ist, als die rohen Zahlen vermuten lassen.

Das Gegenteilige gilt für Estland, das Vereinigte Königreich, Island und Lettland, wo PPP-Rankings deutlich hinter ihren nominalen Positionen zurückbleiben.

An der Spitze der Tabelle sind die Abstände deutlich. Irland und Luxemburg sind deutliche Ausreißer, mit einem projected BIP pro Kopf von rund 182.000 $ (ca. 168.000 €) bzw. 167.000 $ (ca. 154.000 €) in internationalen Dollar.

Norwegen und die Schweiz folgen, beide voraussichtlich bis 2030 über 115.000 $ (ca. 106.000 €) liegen.

Strippt man Irland und Luxemburg heraus, bleiben die Lücken innerhalb der EU deutlich sichtbar. Dänemark führt das verbleibende Feld mit 100.000 $ (ca. 92.000 €) an, fast doppelt so hoch wie Griechenlands 54.000 $ (ca. 50.000 €) – der niedrigste Wert unter den EU-Mitgliedern.

Unter den großen Volkswirtschaften besitzt Deutschland die höchste Kaufkraft mit 86.000 $ (ca. 79.000 €), während Spanien mit 66.000 $ (ca. 61.000 €) die schwächste Kaufkraft aufweist – eine Spanne von rund 31%.

Außerhalb der EU ist das Bild noch deutlicher. Fast alle Kandidatenländer sollen unter 50.000 $ (ca. 46.000 €) liegen, und mehrere erreichen weit weniger, mit Werten unter 30.000 $ (ca. 28.000 €) – etwa der Hälfte des Niveaus von Griechenland. Die Distanz zwischen der EU und den Ländern, die ihr beitreten wollen, bleibt enorm.

Der Abstand vertieft sich in Euro-Beträgen

In nominalen Euro-Beträgen ist die Spanne sogar noch größer. IMF-Prognosen setzen das BIP pro Kopf über die 41 Länder bis 2030 auf Werte von 7.276 € in der Ukraine bis 152.417 € in Luxemburg – eine Spanne, die die PPP-Vergleiche deutlich übertrifft. Bulgarien steht an der unteren EU-Grenze mit 28.086 €.

Sogar wenn man Luxemburg und Irland (137.819 €) außer Acht lässt, bleibt die Spanne innerhalb der EU beträchtlich.

Denmark rangiert dritter unter den EU-Mitgliedern bei 84.128 €, gefolgt von den Niederlanden (79.613 €), Schweden (73.104 €) und Österreich (67.406 €).

Deutschland, mit 65.924 €, rangiert insgesamt auf Platz 10 – der einzige der fünf größten europäischen Volkswirtschaften, der es in die Top Ten schafft. Das Vereinigte Königreich folgt dicht dahinter auf Platz 11 mit 64.360 €.

Außerhalb der EU schneiden die Schweiz (127.846 €), Island (108.366 €) und Norwegen (93.046 €) alle unter die Top-Fünf insgesamt ab, wobei sie sich zwischen Luxemburg und Irland am Summit befinden.

Das breitere Muster bleibt bestehen: Nordeuropäische und westeuropäische Länder clusterieren an der Spitze, während Osteuropa – insbesondere EU-Kandidatenländer – deutlich hinterherhinken.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.