Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Iran am Rande der Eskalation: Explosionen, Diplomatie und Trumps nächster Schritt

2. Februar 2026

Trotz mehrerer verdächtiger Explosionen im Iran ist am frühen Sonntag kein größerer Militärschlag erfolgt. Angesichts laufender Diplomatie und Gerüchte, wie etwa möglicher Überführungen von angereichertem Uran in die Türkei, sowie einer massiven US-Marinepräsenz, bleibt das Einzige klar: Es bleibt unklar, welche Maßnahme Trump tatsächlich ergreifen wird.

In dem Moment, in dem alle Augen auf einen möglichen US‑Angriff gegen den Iran gerichtet waren, geschah letztlich nichts Größeres. Dennoch wurden mehrere Explosionen in verschiedenen iranischen Städten gemeldet. Die bedeutendste ereignete sich in der südiranischen Hafenstadt Bandar Abbas, wo Berichte darauf hindeuteten, dass eine Einrichtung des Islamischen Revolutionskorps (IRGC) oder eine armeeverbundene Anlage ins Visier genommen worden sein könnte. Iranische Behörden wiesen dies rasch zurück, aber es lohnt sich daran zu erinnern, dass nur wenige Wochen vor dem im Juni stattgefundenen 12‑tägigen Krieg auch in Bandar Abbas eine große Explosion offiziell als „Unfall“ eingestuft worden war.

Nun, da eine große US‑Marinestaffel im Persischen Golf präsent ist und die Erwartungen an einen von Trump angeordneten Schlag höher denn je sind, scheinen erneute diplomatische Bemühungen der Nachbarstaaten erneut eine endgültige Entscheidung des US‑Präsidenten verzögert zu haben.

Der Außenminister Katars war gestern im Iran und traf Ali Larijani, den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, der positive Entwicklungen in den Verhandlungen mit Washington signalisierte. Zugleich kursieren Gerüchte, wonach Teheran sich darauf geeinigt habe, sein angereichertes Uran im Rahmen der Vermittlungsbemühungen unter Leitung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in die Türkei zu überführen.

Auf der anderen Seite hat Israel jegliche Beteiligung an der Explosion in Bandar Abbas bestritten. Der israelische Armeechef hat erklärt, dass Israel einschätze, ein potenzieller US‑Angriff gegen den Iran könnte innerhalb eines Zeitrahmens von zwei Wochen bis zwei Monaten erfolgen.

Die zentrale Frage lautet nun, was Präsident Trump letztlich anstrebt – und ob der Oberste Führer Ali Khamenei noch das letzte Wort in den Entscheidungsprozessen des Iran hat. Mehrere Einschätzungen deuten darauf hin, dass die iranische Führung gespalten ist: Khamenei soll Kompromisse mit den Vereinigten Staaten ablehnen, während andere hochrangige Beamte einen flexibleren Verhandlungsansatz befürworten.

Gleichzeitig bleibt unklar, wie ernst die Drohungen des IRGC und der iranischen Führer zu nehmen sind. Bereits heute Morgen waren iranische Abgeordnete im Parlament, alle in IRGC-Uniformen, zu sehen, die „Tod den USA“ skandierten. Unterdessen warnte der Sprecher davor, dass die Armeen der EU‑Mitgliedstaaten als Terrororganisationen behandelt werden könnten. Der iranische Oberste Führer Ali Khamenei selbst warnte Washington und sagte, dass, falls die Amerikaner einen Krieg beginnen, dieser zu einem regionalen Krieg werden werde. Während er darauf bestand, dass der Iran keinen Konfrontation suche, fügte er hinzu, dass jeder Angreifer einen starken Schlag des iranischen Volkes zu befürchten habe.

In diesem Zusammenhang kommt der Rolle der Nachbarstaaten des Iran eine entscheidende Bedeutung zu. Sie scheinen sich darüber zu spalten, wie auf einen möglichen Schlag reagiert werden sollte. Laut US‑Medienberichten sind Saudi‑Arabien und Katar nicht auf derselben Linie, während Erdoğan in der Türkei sich weiterhin als erfahrener Vermittler zwischen Teheran und Washington positioniert.

Was sich in den kommenden Tagen und Wochen abspielen wird, wird viele offene Fragen beantworten. Eines ist jedoch bereits klar: Die US‑Marine ist nicht ohne Zweck in der Region präsent. Angesichts der enormen Kosten eines umfassenden Militäreinsatzes, insbesondere dessen Auswirkungen auf die globalen Ölpreise, glauben einige Analysten, dass Trump sich zumindest vorerst stärker auf die Umsetzung dieses Maximum‑Pressure‑Szenarios konzentrieren könnte, während andere Optionen – wie ein umfassender Schlag oder das Ausschalten der iranischen Führung – weiterhin auf dem Tisch liegen.

Mit einer mächtigen Marinepräsenz in der Region könnte Washington die Straße von Hormus effektiv kontrollieren, Öltanker und Schiffe, die nach Iran fahren oder von dort abfahren und Öl oder andere Fracht transportieren, beschlagnahmen und das Land in Richtung inneren Zusammenbruchs treiben. Aus dieser Perspektive könnte die Umzingelung des Iran als eine kostengünstige Strategie für Trump gesehen werden – eine, die zudem mit erneuten Binnenprotesten im Land verknüpft sein könnte, möglicherweise früher, als viele erwarten.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.