Haftungsausschluss: Diese Website steht in keiner Verbindung zur Deutsche Bahn AG oder deren Tochtergesellschaften. S-Bahn Hamburg ist ein unabhängiges, privat betriebenes Online-Magazin und nicht Teil der Deutschen Bahn-Gruppe.

Die überraschende Wahrheit: Mit 60 sind so viele nächtliche Aufwachphasen normal – ab dieser Zahl sollten Sie zum Arzt.

5. Februar 2026

Ältere Menschen bemerken oft, dass ihr Schlaf anders geworden ist. Nächtliche Aufwachphasen treten häufiger auf, wirken irritierend und wecken die Sorge vor Insomnie. Doch ein gewisser Grad an Fragmentierung ist mit 60 Jahren völlig normal. Entscheidend ist, wie oft und wie lange die Unterbrechungen dauern – und ob sie am Tag spürbare Folgen haben.

Warum nächtliche Aufwachphasen normal sind

Der Schlaf verläuft nicht linear, sondern in Zyklen mit leichten und tiefen Phasen. Das französische Institut National du Sommeil et de la Vigilance (INSV) betont, dass drei von vier Erwachsenen mindestens einmal pro Nacht aufwachen. Besonders im höheren Alter verkürzt sich der Tiefschlaf, und die Übergänge zwischen den Stadien werden instabiler.

Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil an N3-Tiefschlaf ab, während Leichtschlaf und nächtliche Mikroerwachungen zunehmen. Das führt zu mehr Bewusstheit in der Nacht, ohne dass immer ein Problem vorliegt. Wichtig ist, ob man sich danach wieder beruhigt und rasch einschläft.

Eine Expertin bringt es auf den Punkt: „Mit dem Alter fragmentiert der Schlaf natürlicherweise; die Zyklen werden kürzer und Aufwachphasen häufiger – das ist nicht automatisch Insomnie“, erläutert die Neurobiologin Dr. Joëlle Adrien vom INSV. Diese Einordnung hilft, normale Veränderungen von echten Störungen zu unterscheiden.

Was gilt mit 60 Jahren als normal?

Zwischen Adoleszenz und 30 Jahren gilt 0–1 bewusstes Erwachen als normal. Von 30 bis 60 Jahren treten häufig 1–2 kurze Weckmomente auf, etwa wegen Geräuschen oder der Toilette. Entscheidend ist, dass sie unter 5–10 Minuten bleiben und man leicht wieder einschläft.

Mit 60 Jahren sind 2–4 nächtliche Aufwachphasen in aller Regel unbedenklich. Häufige Auslöser sind Harndrang, Durst, Temperaturwechsel, leichte Schmerzen oder eine unbequeme Schlafposition. Auch Medikamente, Alkohol oder spätes Koffein können die Zahl der Erwachungen erhöhen.

Überschreitet man regelmäßig vier Aufwachphasen pro Nacht, lohnt ein Gespräch mit dem Hausarzt oder einem Schlafmediziner. Das gilt vor allem, wenn die Unterbrechungen länger dauern, unruhig machen oder den nächsten Tag belasten. Der reine Zähler ist weniger wichtig als die subjektive Erholung.

Warnzeichen, die ernst genommen werden sollten

Nicht nur die Häufigkeit zählt, sondern das gesamte Bild. Medizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn eines oder mehrere der folgenden Merkmale auftreten:

  • Längere Wachliegen-Phasen mit deutlicher Einschlafproblematik nach dem Erwachen
  • Lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen oder Erstickungsgefühle
  • Deutliche Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf oder eingeschränkte Konzentration
  • Ausgeprägte Reizbarkeit, gedrückte Stimmung oder erhöhte Fehlerraten im Alltag
  • Zunehmende Schmerzen, nächtliche Krämpfe oder Restless-Legs-Symptome
  • Häufiger Harndrang trotz Reduktion von abendlicher Flüssigkeit

Bei wiederholten Atemaussetzern steht der Verdacht auf Schlafapnoe im Raum, die unbehandelt Herz-Kreislauf-Risiken erhöht. Auch eine Spiegelung der Medikation kann sinnvoll sein, weil manche Wirkstoffe den Schlaf rhythmisch stören.

Wie man das nächtliche Aufwachen verkürzt

Kurze Aufwachphasen sind meist harmlos, doch man kann die Rückkehr in den Schlaf fördern. Ein kühles, ruhiges und dunkles Schlafumfeld stabilisiert die Zyklen. Regelmäßige Schlafzeiten und sanfte Abendroutinen – etwa Lesen oder Atemübungen – unterstützen das Herunterfahren.

Bei Erwachen hilft es, nicht auf die Uhr zu schauen, um kognitive Aktivierung zu vermeiden. Wenn nach etwa 15–20 Minuten keine Schläfrigkeit zurückkehrt, ist leises Aufstehen mit einer monotone, wenig stimulierenden Tätigkeit oft besser als Grübeln im Bett. Helles Licht und digitale Bildschirme sollte man meiden, weil sie die Melatonin-Ausschüttung dämpfen.

Auch tagsüber kann man die nächtliche Stabilität stärken: ausreichend Tageslicht, maßvolle Bewegung und der bewusste Umgang mit Nickerchen (kurz und früh am Nachmittag). Schweres Essen, Alkohol und später Koffeingenuss erhöhen die Fragmentierungs-Neigung.

Fazit: Gelassenheit – mit wachem Blick

Mit 60 Jahren sind 2–4 kurze Aufwachphasen pro Nacht häufig völlig normal. Entscheidend sind die Dauer der Unterbrechungen, die Leichtigkeit des Wiedereinschlafens und die Tagesbefindlichkeit. Wer regelmäßig mehr als vier Erwachungen erlebt oder deutliche Warnzeichen bemerkt, sollte medizinischen Rat einholen. Zwischen Akzeptanz normaler Veränderungen und gezielter Abklärung liegt der beste Weg zu verlässlich erholsamem Schlaf.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.