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Wie viele Kilometer ist das Gewitter entfernt? Mit diesem ultimativen Trick berechnest du die Distanz in Sekunden

9. Februar 2026

Wie Augen und Ohren ein Gewitter erleben

Wer einen Blitz sieht und dann den Donner zählt, nutzt einen simplen Trick der Physik. Das Licht erreicht uns praktisch sofort, der Schall dagegen hinkt hinterher. Aus dieser Verzögerung lässt sich die Entfernung zur Gewitterzelle erstaunlich präzise abschätzen.

„Bei Gewitter zählt jede Sekunde – und zwar wörtlich.“

Ein Blitz leuchtet mit knapp 300.000 Kilometern pro Sekunde, also mit der Lichtgeschwindigkeit. Im Vergleich dazu schafft der Schall in Bodennähe nur etwa 340 Meter pro Sekunde. Deshalb hören wir den Donner deutlich später, obwohl Blitz und Donner am gleichen Ort entstehen.

Die 3‑Sekunden‑Faustregel erklärt

Der Abstand zwischen Blitz und Donner verrät, wie weit die Entladung entfernt ist. Teilt man die gezählten Sekunden durch drei, erhält man die Distanz in Kilometern. Diese Faustregel funktioniert, weil 3 Sekunden ungefähr einem Kilometer Hin- und Herweg des Schalls entsprechen.

  • Blitz beobachten.
  • Sekunden bis zum Donner zählen.
  • Zahl durch drei teilen.
  • Das Ergebnis ist die Entfernung in Kilometern.

Beispiel: 9 Sekunden Verzögerung entsprechen rund 3 Kilometern. Bei 15 Sekunden sind es etwa 5 Kilometer. Je kleiner die Zahl, desto näher ist das Gewitter.

Warum es donnert

In einer Gewitterwolke trennen aufsteigende Warmluft und absinkende Kaltluft elektrische Ladungen. Der obere Teil wird positiv, der untere negativ geladen. Steigt die Spannung zu stark an, bricht der Luft die Entladung in Form eines Blitzes durch.

Diese Entladung erhitzt die umliegende Luft in Millisekunden auf bis zu 30.000 Grad. Die Luft dehnt sich ruckartig aus, erzeugt eine Druckwelle und damit den Donner. Was wir hören, ist also eine akustische Schockwelle, die sich deutlich langsamer ausbreitet als das Licht.

Wie genau ist die Rechnung?

Die 3‑Sekunden‑Regel ist eine Näherung, aber in der Praxis sehr nützlich. Die Schallgeschwindigkeit hängt von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck ab und variiert grob zwischen 331 und 348 m/s. Auch Echoeffekte in Tälern oder zwischen Gebäuden können das Hören erschweren.

Wer möglichst genau messen will, zählt ruhig und blickt nicht vom Horizont weg. Bei Serienblitzen können Donnerrollen verschmelzen; dann lieber auf den ersten klaren Knall einer neuen Entladung achten. Für Alltagszwecke reicht die Faustformel aber völlig aus.

Ab wann wird es gefährlich?

Unter 10 Kilometern gilt ein Gewitter als potenziell gefährlich. Blitze können mehrere Kilometer seitlich springen und vor der eigentlichen Zelle am Boden einschlagen. Wenn Sie den Donner hören, ist das Gewitter bereits in Schlagdistanz.

Bewegen sich Zelle und Front auf Sie zu, schrumpft die gemessene Zeit von Blitz zu Donner von Minute zu Minute. Steigt die Rate der Schläge an, sollten Sie schnell eine sichere Unterkunft aufsuchen.

Sicher verhalten bei Gewitter

  • Bevorzugen Sie ein festes Gebäude oder ein Auto mit metallischer Karosserie.
  • Nicht unter einzelnen Bäumen oder Felsvorsprüngen unterstellen.
  • Metallische Gegenstände und fließendes Wasser meiden.
  • Im Freien in die Hocke gehen, Füße zusammen, Kopf senken.
  • Zum Boden mit isolierendem Material Abstand schaffen, etwa Rucksack oder Seilrolle.

Mit der simplen Zählmethode und etwas Umsicht behalten Sie die Lage im Blick. Wer die Physik hinter Blitz und Donner versteht, kann die Entfernung rasch einschätzen – und rechtzeitig dorthin gehen, wo es wirklich sicher ist.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.