Ab 2027 erwarten lokale Behörden eine Welle von Einbürgerungsanträgen ukrainischer Staatsangehöriger, die in Deutschland leben.
Die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen, und 2025 erwarben 332.500 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit.
Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 14 Prozent, so das Statistische Bundesamt.
Die größte Gruppe stellten mit 20 Prozent Syrerinnen und Syrer. Allerdings wurden fast 20.000 Syrerinnen und Syrer weniger eingebürgert als 2024. An zweiter Stelle rangierten Türkinnen und Türken mit 10 Prozent aller Einbürgerungen, gefolgt von Russinnen und Russen mit 6 Prozent.
Die Einbürgerungen von bosnischen Staatsangehörigen (+126 Prozent auf 8.800), US-Staatsangehörigen (+100 Prozent auf 6.600) und albanischen Staatsangehörigen (+97 Prozent auf 6.100) sind besonders stark gestiegen.
Fast alle neu eingebürgerten Staatsangehörigen entscheiden sich laut dem Integrationsmediendienst für die sogenannte doppelte Staatsangehörigkeit. Seit einer Reform des Staatsangehörigkeitsrechts durch die sogenannte Ampelkoalition (SPD, Grüne, FDP), die Ende Juni 2024 in Kraft getreten ist, gilt die sogenannte doppelte Staatsangehörigkeit als gesetzlicher Standard bei Einbürgerungen, und Antragsteller müssen ihre ursprüngliche Staatsangehörigkeit nicht mehr aufgeben. Die Änderung hat außerdem die Wartezeit für die Einbürgerung von acht auf fünf Jahre reduziert.
Als Reaktion auf die Einbürgerungszahlen nutzte AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel soziale Medien und schrieb: „Die neuen Staatsangehörigen nutzen die Vorteile des Deutschseins, ohne sich dauerhaft an Deutschland zu binden. Für die AfD ist eines klar: Masseneinbürgerungen müssen gestoppt werden und bereits erfolgte Einbürgerungen müssen geprüft werden.“
Rund 1,3 Millionen ukrainische Staatsangehörige leben in Deutschland, und ab dem Frühjahr 2027 könnten sie Syriern an der Spitze der Einbürgerungsliste überholen.
»Die Einbürgerungsbehörden arbeiten bereits am Anschlag«, zitierte Die Welt aus einem dem Blatt vorliegenden Dokument.
Dem Bericht zufolge stammt das Dokument vom Rechtsausschuss des Deutschen Städtetags. Eine weitere Nachfrage von Ukrainern könnte zu einer «dauerhaften Überlastsituation» führen, heißt es.
Bislang genießen ukrainische Staatsangehörige in Europa den von der EU gewährten vorübergehenden Schutz. Nach aktuellen Plänen läuft dieser Schutz im März 2027 aus. Diese Woche wollen EU-Innenminister mögliche Parameter für eine Verlängerung diskutieren.
Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Handelsblatt hat die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zwei mögliche Versionen einer Verlängerung erhalten: Eine würde den geschützten Status pauschal verlängern. Die zweite Version würde ukrainische Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren vom vorübergehenden Schutz ausschließen. Wahrscheinlich würde dies jedoch nur für Männer gelten, die neu in die EU einreisen.
Wenn die EU-Mitgliedstaaten gegen eine Verlängerung entscheiden, könnte die Einbürgerung für Ukrainierinnen und Ukrainier zu einer attraktiven Option werden. Viele ukrainische Geflüchtete, die seit Beginn des Krieges in Deutschland leben, werden im Frühjahr 2027 die erforderliche Aufenthaltsdauer erfüllen. Es gibt jedoch Uneinigkeit darüber, ob Ukrainier überhaupt eingebürgert werden können.
Der Landkreis Uelzen und die Stadt Flensburg sagten gegenüber Die Welt, dass eine Aufenthaltserlaubnis keinen Anspruch auf Einbürgerung begründet. Andererseits rüsten sich Städte wie Leer in Niedersachsen bereits für eine erwartete Flut von Anträgen.
Union-Politiker wie Alexander Throm haben in der Vergangenheit wiederholt strengere Einbürgerungsgesetze gefordert. Im Gespräch mit Die Welt verlangte Throm, die Einbürgerungsdauer auf acht Jahre zu verlängern und die doppelte Staatsangehörigkeit wieder abzuschaffen.
Sebastian Fiedler, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Innenpolitik, sagte der Die Welt: „Wir arbeiten ausgezeichnet mit der Union auf der Grundlage des Koalitionsvertrags zusammen. Ich freue mich, dass wir im Rahmen dessen auch die doppelte Staatsangehörigkeit gesetzlich als erfolgreiches Modell beibehalten haben.“
Nach den Regeln können nur gut integrierte Menschen Deutsche werden. „Diese Zahlen sind gut für uns alle: gut für den Arbeitsmarkt, die Sozialsysteme und für unseren sozialen Zusammenhalt“, sagte Fiedler zu den Einbürgerungszahlen.
Die Forderungen der CDU nach strengeren Einbürgerungsgesetzen fanden keinen Eingang in das schwarz-rote Koalitionsabkommen. Zum Thema Einbürgerung enthält es lediglich Folgendes: „Wir schaffen die Turbo-Einbürgerung nach drei Jahren ab. Darüber hinaus halten wir die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts aufrecht.“
Unter der Turbo-Einbürgerung konnten besonders gut integrierte Menschen noch schneller einen deutschen Pass erhalten. Sie wurde auf Druck von CDU und SPD Ende Oktober 2025 abgeschafft.